BP. Stockholm, Anfang Februar

In Schweden ist man von den wichtigsten für 1952 abgeschlossenen Handelsabkommen wenig befriedigt. Von England erhält man zwar etwas mehr Kohle und Koks als 1951 für die gleiche Menge Eisenerz, aber immer noch bedeutend weniger als 1950. Damals entsprachen 3,5 Mill. t Eisenerz 2 Mill. t Kohle und Koks. In diesem Jahre erhält man dafür nur 1,4 Mill. t. Auch mit Westdeutschland hat sich das Austauschverhältnis verschlechtert: Schweden liefert 5,25 Mill. t Erze, also 400 000 t mehr, und erhält dennoch nur die gleiche Menge Koks (2 Mill. t) und etwas weniger Kohle (0,36 Mill. t), die gleiche Menge Eisen und Stahl (210 000 t) und an Schrott nur den Rückstand von 1951 (60 000 t). Im großen und ganzen ist die BrennstoffVersorgung des Landes gesichert, denn bei einem Bedarf von 5 Mill. t Kohle und 3 Mill. t Koks hat man Lieferungen von 4,5 Mill. t Kohle und 2,2 Mill. t Koks abgeschlossen. Ferner wird man wieder rund 0,6 Mill. t Kohle aus den USA einführen. Auch die Einfuhr der notwendigen 4 Mill. t Erdöl macht keine Schwierigkeiten. Die Kokszuteilung bleibt bestehen. Aus Deutschlands Sowjetzone werden, wie im Vorjahr, Braunkohlenbriketts eingeführt.

Während es nach wie vor keine Schwierigkeiten macht, schwedische Rohstoffe (Eisenerz, Zellstoff, Papier, Viskose und Edelstahl) zu guten Preisen im Ausland abzusetzen, ist es durchaus nicht möglich, Schwedens eigenen Rohstoffbedarf in jeder Beziehung zu decken. Nicht nur Legierungsmetalle fehlen, auch der für die Zelluloseherstellung wichtige Schwefel ist knapp und die Einfuhr von Schwefel und Kobalt neuerdings genehmigungspflichtig. Die Werften leiden unter chronischem Mangel an Platten und Spanten. Nur geringe Mengen konnten bisher aus Japan gekauft werden. Schrott ist einer der schwierigsten Engpässe geworden. Ganz anders dagegen sieht der Markt für Fertigwaren aus. Statt des Verkäufermarkts wie bei Rohstoffen, kann man hier einen ausgesprochenen Käufermarkt feststellen. Fertigwaren werden sogar sehr billig in den zahlreichen Ausverkäufen des Einzelhandels angeboten. Ist es bei Handelsverträgen ein Entgegenkommen, wenn man Rohstoffe zusagt, so ist es ebenso ein Entgegenkommen, wenn man Fertigwaren abnimmt. Da Westdeutschland die „Fertigware“ Butter mit 25 v. H. Zoll belegt hat und Schweden mit 75 Mill. Kr. geringerer Butterausfuhr nach Westdeutschland rechnet, hat es für den gleichen Betrag die Einfuhr an Kraftwagen, Kameras, Büromaschinen und anderen „entbehrlichen“ deutschen Waren gekürzt – in der Hoffnung auf eine deutsche Zollsenkung.

Es hat den Anschein, als stehe man vor der Erscheinung, daß der zivile Verbrauch zugunsten des öffentlichen Verbrauchs auch in Schweden zurückgeht. Rückwirkungen auf die Produktion sind unverkennbar. Die Erzeugung an Textilien und Leder- und Schuhwaren sinkt seit Monaten und lag im Dezember 8 bis 9 v. H. unter dem Vorjahrsstand. Damit wird die gesamte Produktionssteigerung des Jahres 1951 voraussichtlich hinter den erwarteten 4 v. H. zurückbleiben.

In Schweden ist das Lohnproblem für die Fertigwarenindustrie, die mit scharfer Auslandskonkurrenz sowohl im Lande als auch beim Export rechnen muß, sehr viel ernster als für die Rohstoffindustrien. Und während man Klagen über unzureichende Einfuhren an Rohstoffen lesen und hören kann, hört man genau so Klagen über eine zu große Einfuhr an Fertigwaren, die schwedische Fabriken (u. a.Textilwerke) zu Stillegungen zwingt. Prof. Erik Lundberg, Leiter des Stockholmer Konjunkturinstituts, stellte fest, daß Schwedens Großhandelspreise nach Kriegsende um 60 v. H. und der Lebenshaltungsindex um 33 v. H. gestiegen seien. Die Preiserhöhung war im letzten Jahr am stärksten, in ihm stieg der Lebenshaltungsindex um 21 v. H. Neue Lohnforderungen und Preissteigerungen deuten eine Fortsetzung dieser Entwicklung an. Auch die Frage, ob sich Schweden gegebenenfalls einer erneuten Abwertung des englischen Pfundes anschließen soll oder nicht, findet, wie eine quadratische Gleichung, zwei Lösungen. Was die Roh-Warenausfuhr angeht, erscheint ein Mitgehen vorläufig nicht nötig. Wenn sich dagegen Länder mit hoher Fertigwarenindustrie, beispielsweise Westdeutschland, dem ermäßigten Pfundkurs anschließen sollten, oder wenn die Pfundabwertung 20 oder 25 v. H. betragen sollte, würde wohl auch diesmal die Krone dem Pfund folgen müssen.