Berlin. Morgen werde ich dieses ernste Land verlassen und doch noch lange so etwas wie ein unvernünftiges Verlangen nach seiner Härte behalten. Ruth, ein wahrhaft militantes Mädchen, nimmt Abschied von mir. Auf der langen Stalinallee, die früher einmal Frankfurter Allee hieß, wird der Blick alle hundert Meter von einem großen Banner festgehalten.

„Du hattest unrecht, diese Reise allein und heimlich zu machen“, sagt Ruth zu mir. „Da konntest du ja das Wesentliche gar nicht sehen. Wenn du nach Frankreich zurückkommst, wirst du nichts anderes erzählen können, als das ewige Gejammer des deutschen Kleinbürgers. Das neue Leben, das kennst du gar nicht.“ Für sie hat eine solche Reise gar keinen Sinn. Sie befürchtet sehr, daß ich, auf mich selbst gestellt, nicht imstande gewesen sei, meine Beobachtungen richtig zu interpretieren. So sind alle Kommunisten: wenn in der Sowjetunion jeder fremde Reisende seinen Dolmetscher bekommt, so geschieht das nicht so sehr aus polizeilichen Notwendigkeiten heraus, als aus Gründen der Erziehung. Außer Agent des NKWD ist der Dolmetscher vor allem ein Mentor.

Auf dem Marx-Engels-Platz defiliert vor unseren Augen eine Delegation von Sportlern. Blond und grob, skandieren sie die Schlagwörter des Liedes, welches die Elfte Brigade des Thälmann-Bataillons im spanischen Bürgerkrieg sang:

„Die Heimat ist weit,

doch sind wir bereit,

wir kämpfen und siegen für dich, Freiheit

Und während ich das Wo^en ihrer jungen – Schultern betrachte, fällt mir ein, daß die Welt nicht so einfach ist.