Belohnungen für Anzeigen im Kampf gegen Verbrauchssteuer- und Zollhinterziehungen haben sich als ein „unentbehrliches Hilfsmittel“ so gut bewährt, daß erwogen wird, sie in Zukunft auch im Bereich der Besitz- und Verkehrssteuern einzuführen. Dies teilte das Bundesfinanzministerium als Antwort auf eine Anfrage im Bundestag mit. In zweieinhalb Jahren seien 972 solche Belohnungen im Betrag von zusammen 1,4 Millionen DM gezahlt worden: „Die große Anzahl der Hinterziehungsfälle und die Tatsache, daß dies keine ‚Kavaliersdelikte‘, sondern gemeinschädliche, echte kriminelle Straftaten sind, zwingen dazu, zu ihrer Bekämpfung dieselben Mittel weiter zu gebrauchen, die bei der Aufdeckung von anderen kriminellen Delikten auch von den Polizeibehörden des In- und Auslandes mit Erfolg und mit voller Billigung der Öffentlichkeit angewandt werden.“

Hier irrt das Bundesfinanzministerium. Die Polizeibehörden des In- und Auslandes pflegen nicht Belohnungen dafür zu zahlen, daß Hinz und Kunz irgendwelche der Polizei gar nicht bekannte Straftaten melden; auch pflegt man nicht einen Prozentsatz des Diebesgutes den Anzeigern auszuzahlen. Sondern die Polizeibehörden setzen Belohnungen für ganz bestimmte Fälle aus, und zwar in der Regel nur für Mitteilungen, die zur Ergreifung bestimmter Verbrecher führen. Steuerdelikte, weit entfernt davon, „Kavaliersdelikte zu sein“, sind laut Gesetz aber keine Verbrechen, sondern Vergehen. Außerdem stimmt die Parallele mit der Polizei nur, wenn Belohnungen für die Ergreifung flüchtiger Steuerdelinquenten, nicht aber Steuer-Denunziationen, ganz allgemein ausgesetzt werden.

Eine solche Aufforderung zur Denunziation kann der Steuerspychologie nur schädlich sein. Psychologisch richtig wäre es, die Steuerdelinquenten in der Öffentlichen Meinung zu isolieren, nicht aber eine Solidarität mit ihnen gegen das Denunziantentum hervorzurufen, das nun einmal nach den Erfahrungen von anderthalb Jahrzehnten in Deutschland außerordentlich verhaßt ist. F.