Auch der schönste Korea-Boom hat einmal ein Ende. Träfe uns der Blitz plötzlicher Ernüchterung unvorbereitet, so brauchte man sich über eine rapide Verschlechterung der Dollarbilanz wohl kaum zu wundern. Die Gesellschaft zur Förderung des Deutsch-Amerikanischen Handels wird nicht müde, die Exportwirtschaft mit ihrer „Bereit-sein-ist-alles“-Mahnung auf diese drohenden Gefahren hinzuweisen. Noch über ist Zeit, noch steht zum Beispiel eine Messe wie die in Toronto vor der Tür und damit eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Dollarmarkt für deutsche Güter abzutasten und zu erweitern. Denn Kanada befinde sich in der Entwicklung heute etwa da, wo die USA vor 75 Jahren gestanden hätten, sagte unlängst Dr. Graf, der Leiter des Zweigbüros Toronto der genannten Gesellschaft.

Für die westdeutsche Wirtschaft ist Kanada zweifellos eine Ergänzungsmöglichkeit, weil dieses Land Partner sucht, die ihm u. a. Maschinen, industrielle Hilfsmittel (Gadgets), optisch-medizinische Geräte und Konsumgüter liefern können. Toronto, dessen Messe als einzige dieser Art im nordamerikanischen Raum die gesamte kanadische Kaufkraft in breitem Rahmen zusammenfaßt und weit über die Grenzen hinaus als Magnet wirkt, ist ein geeignetes Feld für Versuchsballons „Made in Germany zur Ergründung der unterschiedlichen Nachfragestruktur. Wer dort reüssiert, findet nicht nur anhängliche, von Aversion gegen Deutschland unbeschwerte Kunden, sondern vor allem auch einen gesunden, entwicklungsfähigen, Dauergeschäfte verheißenden Absatzmarkt. Das allerdings gilt nur für solche Branchen und Firmen, deren Erzeugnisse nach Bedingungen, Qualität und Geschmacksrichtung tatsächlich akzeptiert werden (Marktanalysen sind unerläßlich), die einen leistungsfähigen Kundendienst (Ersatzteile!) bieten können und ansonsten erstklassiges Prospektmaterial (gutes Englisch, richtige Maßeinheiten) vorzuweisen haben. Wird der dem kanadischen Standard gemäße Service geboten, so ist der Preis von sekundärer Bedeutung. Diese Voraussetzung muß sich noch mancher Lieferant ins Stammbuch schreiben lassen.

Die Präferenzzölle begünstigen zwar den britischen Export, und die Bundesrepublik zählt (wie die USA) lediglich zu den „most favored nations“, doch wird die daraus resultierende Differenz von etwa 10 v. H. nach Fachmeinung durch höhere Gestehungskosten, lange Lieferfristen und oftmals nicht ganz korrekte Auftragserfüllung der englischen Exporteure ausgeglichen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat 550 000 DM zur Beschickung der Toronto-Messe beigesteuert. Es kommt jetzt darauf an, die (im nächsten Jahre kaum noch bestehende) Chance zu nutzen, ehe die Entwicklung ein „Zu-spät“-Urteil spricht.

Anmeldungen zur Beteiligung an. der Internationalen Handelsmesse Toronto (2. bis 13. Juni) nehmen bis zum 23. Februar die Gesellschaft zur Förderung des Deutsch-Amerikanischen Handels, Frankfurt (Main), Börse, oder die Nordwestdeutsche Ausstellungsgesellschaft, Düsseldorf, Ehrenhof, entgegen. H. B.