Die Sorgen, mit denen die Spinnstoffwirtschaft in das Jahr 1952 gegangen ist, sind nicht unerheblich. Das könnte angesichts des Winterschlußverkaufs, bei dem der Textileinzelhandel Umsätze erreichte, die im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 20 v. H. höher liegen, widerspruchsvoll erscheinen. Aber die hohen Umsätze dieses Schlußverkaufs bedeuten etwas anderes als die im Schlußverkauf 1951 erzielten, denn damals waren die Sonderverkaufstage Teil eines an sich schon recht guten Geschäfts, das immer noch durch den Korea-Boom genährt wurde. 1951 war der Januar der zweitbeste Monat des ganzen Jahres, obwohl er nur einen Tag des Schlußverkaufes umfaßte. Im Januar 1952 aber waren die Umsätze vor Beginn des Schlußverkaufs im Durchschnitt nur ungefähr halb so hoch als im Vorjahr und auch niedriger als 1950. Dieses Manko vermag auch ein noch so hoher Schlußverkauf-Umsatz nicht auszugleichen.

Der Schlußverkauf in diesem Jahr war ein „Geschäft“ zu anomalen Preisen, selbst wenn man von den „Lockartikeln“ absieht. Diese stark heruntergezeichnete Ware wurde übrigens nicht gern gekauft, weil der deutsche Verbraucher immer einen Rest von Qualität beansprucht und vermutet, daß bei Damenhüten für 95 Dpf, Büstenhaltern für etwa die Hälfte und bei Backfischkleidern für 3,80 DM etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. An sich aber war das gesamte Preisniveau gedrückt, weil das Angebot auf allen Gebieten reichlich war. Das vor einem Jahr beim Verbraucher noch vorhandene Gefühl, er müsse sich „eindecken“, weil die Folgen von Korea auch einen Mangel an Spinnstoffwaren herbeiführen würden, ist längst verschwunden. Es ist vielleicht hier und dort durch den Ärger darüber verdrängt worden, daß man sich „eingedeckt“ hat, da man heute alles weit billiger kaufen könnte. Insofern gilt die „Bildung zu großer Lager“ auch für manchen Privathaushalt? Und deshalb erstreckt sich – selbst wenn man eine mindestens nicht verringerte Kauf kraft voraussetzt – die Kauflust gegenwärtig viel mehr auf andere Dinge als auf Textilien. Es wird sich schwer feststellen lassen, inwieweit der Hauptzweck des Schlußverkaufs, die Läger nicht nur beim Handel, sondern durch flotten Nachschub auch bei der Fertigung zu entlasten, erreicht worden ist. Im ganzen gesehen stand der Handel unter einem zu starken Angebotsdruck, als daß er mit größeren Verdienstspannen hätte kalkulieren können.

Ein Blick auf die Produktion ergänzt das Bild. Die westdeutsche Textilindustrie hat folgende Mengen erzeugt (in t):

Jahr / Garne / Chemiefasern / Vollsynth. Fasern

1949 393600 132700 –

1950 486500 166000 500

1951 551000 182000 4000