Der Bundesverband des privaten Bankgewerbes antwortet auf den Artikel „Was die Banken sich rechnen“ (Nr. 6). Ohne Zweifel: unser Artikel enthielt einen Rechenfehler, der das Bild verzerrte.

Die vom Deutschen Industrieinstitut zur Feststellung der Zinsspanne der Banken und zur Darlegung der Belastung des Kreditnehmers aufgemachten Rechnungen weisen in ihren Einzelheiten nicht nur verschiedene Ungenauigkeiten auf, sondern sie lassen auch einige für die Beurteilung der Rentabilitätslage der Banken, wesentliche Momente unberücksichtigt.

Wie aus den einleitenden Darlegungen über die von den Banken zu unterhaltenden Kassenreserven und die Höhe ihrer Ausgleichsforderungen hervorgeht, beziehen sich die für die Barreserven der Kreditbanken ermittelten 13,11 v. H. auf die Kundeneinlagen, dagegen die für die Ausgleichsforderungen errechneten 16,38 v. H. auf die gesamten Aktiven, also auf zwei in ihren Summen erheblich voneinander abweichende Großen. Jede dieser Ziffern für sich betrachtet mag in Ordnung sein, für ihre Berücksichtigung in der anschließenden Errechnung des Nutzens aus der bankmäßigen Anlage eines Betrages von 100 DM ist aber Voraussetzung, daß sie das Verhältnis zu ein und derselben Größe darstellen, in diesem Falle also beiderseits die Relation zu den Kundeneinlagen wiedergeben.

Werden gleichwohl die genannten Sätze von 13,11 und 16,38 v. H. als richtig angenommen, so ist es nicht möglich, von der Annahme auszugehen, daß die nach dem gewählten Beispiel verbleibenden 70,51 DM ausschließlich auf Kredite entfallen. Gegen die Berücksichtigung der den Banken aus Refinanzierungen zukommenden Marge ist dabei nichts einzuwenden; die Einstellung mit 15,60 DM (= 22,12 v. H. von 70,51 DM) in die Rechnung ist indes bei dieser Art der Darstellung unrichtig, weil dieser Betrag als refinanziert und demgemäß der Bank wieder zugeflossen berücksichtigt werden muß. Die Margenberechnung würde demnach zu einem anderen Ergebnis führen. So belief sich z. B. nach dem Vierteljahresbericht der LZB Hamburg die Refinanzierung der von den Kreditinstituten gewährten kurzfristigen Kredite Ende Dezember 1951 auf 45,9 v. H. des Volumens der kurzfristigen Kredite und die Refinanzierung der gewährten mittel- und langfristigen Kredite auf 65,8 v. H.

Völlig außer acht gelassen wurde, daß sich die Aktiven der Banken nicht nur aus der Barreserve, den Ausgleichsforderungen und Krediten zusammensetzen, sondern daß auch noch andere Positionen mit gänzlich ertraglosen Werten wie Schecks, Kupons und u. a. Postscheckguthaben vorhanden sind und daß in den Aktiven Schatzwechsel, Schatzanweisungen, eigene Wertpapiere, Beteiligungen und Gebäude enthalten sind, die zum Teil geringe Erträge abwerfen. Unberücksichtigt bleiben ferner die zu niedrigeren Sätzen hereingenommenen Wechsel sowie die zu Minderkonditionen gegebenen Kredite.

Sodann ist es unmöglich, der Zinsspannenrechnung einen Satz von 1 v. H. für die herein-, genommenen Gelder zugrunde zu legen Nach der gegenwärtigen Schichtung der Kundeneinlagen und den zur Zeit gültigen Sätzen für befristete Gelder und Spareinlagen, die bis zu 4 3/4 v. H. für Kündigungsgelder auf zwölf Monate und darüber reichen, ist der Einstandspreis der gesamten Kreditoren mit mindestens 2 1/2 v. H. anzunehmen. Es muß hierbei beachtet werden, daß heute bei den Kreditbanken noch die billigen täglich fälligen Gelder überwiegen, während sie früher ungefähr den gleichen Anteil hatten wie die langfristig hereingenommenen Gelder. Die jüngste Entwicklung läßt aber eine gewisse Angleichung an die Vorkriegsverhältnisse erkennen, also meinen Vorgang, der automatisch zu einer Senkung der Zinsspanne führt. Mit einer solchen Minderung des Nutzen? muß auch von der Aktivseite her gerechnet werden, die eine sich stetig fortsetzende Verlagerung der Bar- und Akzeptkredite zu den Wechsel-Diskontkrediten erkennen läßt.

Die Untersuchung wäre unvollständig ohne den Hinweis auf andere in der Lage der Banken eingetretene Veränderungen grundsätzlicher Natur: Durch die Währungsumstellung sind die Banken ihrer stillen Reserven verlustig gegangen, aus denen früher Verluste und u. a. außerordentliche Aufwendungen gedeckt werden konnten. Die Wiederauffüllung dieser Rücklagen und die Bildung von Pausch-Wertberichtigungen werden noch für Jahre hinaus die Abzweigung erheblicher Beträge aus den laufenden Einnahmen erforderlich machen. Das bedeutet, daß heute eine höhere Zinsspanne notwendig wird, zumal, soweit die Reservenbildung nicht steuerfrei erfolgen kann, auch noch die hohen Steuerlasten hierfür aufgebracht werden müssen.