Die Rekordpreise, die in den ersten Monaten v. J. für Wolle bezahlt wurden, haben zur Folge gehabt, daß die neuseeländischen Farmer sich noch mehr der Schafzucht zugewandt und den Getreideanbau vernachlässigt haben. Im vergangenen Jahre mußten, bereits 4 1/2 Mill. bu Weizen aus Australien eingeführt werden. Für das laufende Jahr schätzt man die für Brotgetreide zur Verfügung stehende Anbaufläche nur noch auf 100 000 acres – das ist die niedrigste Anbaufläche seit 1875/76 – und die Fehlmenge auf 6 1/2 Mill. bu. Australien wird aber diesmal nur geringe Getreidemengen liefern können. Eine Einfuhr von Weizen aus Kanada dagegen würde den Dollar-Sparmaßnahmen des Empire entgegenlaufen und außerdem durch die höhere Fracht eine Verteuerung der neuseeländischen Versorgung verursachen. Bleibt also nur noch der Ausweg, die Farmer von der Notwendigkeit eines stärkeren Weizenanbaues zu überzeugen. Vorläufig erscheinen die Aussichten hierfür allerdings recht gering. Die neuseeländische Regierung spielt bereits mit dem Gedanken einer Brotrationierung, wenn es nicht gelingen sollte, eine angemessene Erhöhung des Brotgetreideanbaues durchzusetzen. Immerhin besteht noch die Möglichkeit, daß der andauernde Rückgang der Wollpreise, der auch jetzt – trotz aller gegenteiligen Äußerungen aus Interessentenkreisen – noch nicht beendet ist, die Farmer zu-einer Änderung ihrer Anbaufläche veranlaßt.

An der New Yorker Börse ging der Lokopreis für Schweißwolle in den ersten beiden Februarwochen bis auf 153 cts je lb zurück gegen 170 cts Ende Januar und 357 cts (!) Mitte Februar v. J. Auf den australischen Wollauktionen wurde in den ersten sieben Monaten der gegenwärtigen Wollsaison (1. Juli 1951 bis 31. Januar 1952) nur ein Durchschnittspreis von 97 £ A je Ballen erreicht gegen 168 HA in der gleichen Zeit des Wolljahres 1950/51. Der ständige Rückgang ist darauf zurückzuführen, daß der Wollverbrauch infolge der Absatzstockung in Halb- und Fertigwaren als Käuferwiderstand gegen die Preise stark abgenommen hat und sich noch immer nicht blieben will.

Im Gegensatz zu Wolle ist die Notierung für amerikanische Baumwolle inden letzten 14 Tagen nur um knapp 4 v. H., von 42,75 auf 41,10 cts, zurückgegangen. Diese neue Abschwächung und die fortgesetzte Flaute auf den übrigen Baumwollmärkten hat die englische Rohbaumwollkommission veranlaßt, ihre Verkaufspreise für das Inland um 1 bis 3 d je lb zu ermäßigen. Betroffen wurden davon alle amerikanischen Typen und auch peruanische Baumwolle. Der Preis für ägyptische Karnak ist dagegen – sowohl an der Börse in Alexandrien wie in der Preisliste der Baumwollkommission unverändert geblieben. Die weitere Entwicklung der Baumwollpreise wird im allgemeinen pessimistisch beurteilt, und zwar einmal wegen des Rückganges im internationalen Textilhandel und zumandern wegen der günstigeren Aussichten für eine baldige Friedensvereinbarung im Koreakonflikt. – Die amerikanische Regierung will übrigens demnächst für die eigene Baumwolle eine neue Hilfsaktion starten. Nach einer Bekanntgabe des amerikanischen Landwirtschafts-Departments soll in Zukunft bei Ankäufen von strategischen Rohstoffen und Produkten im Ausland die Bedingung gestellt werden, für die fälligen Dollarbeträge amerikanische Baumwolle zu kaufen.

Während also die wichtigsten Naturfasern – auch Jute bat erneut im Preis nachgegeben – weitere Preiseinbußen aufzuweisen haben, sind die Preise für Viscose-Reyon in England von Courtaulds, dem größten englischen Reyon Konzern, ab 1. Februar um 2 d je lb erhöht worden. Als Grund dafür wird die Steigerung der Rohstoffpreise während der vergangenen zwölf Monate angegeben. Der Preis für Standard-Viscose staple, der zuletzt Im Januar 1951 – heraufgesetzt wurde, beträgt jetzt 27 d je lb, ist aber, noch immer niedriger als der Reyonpreis in den meisten übrigen Ländern, einschließlich Japan.

Die Notierungen Mir Öle und Fette haben in der Berichtsperiode ständig gependelt. Schmalz, Talg und Leinsaatöl gaben leicht nach, während kanadische Leinsaat in Winmipeg eine etwas größere Einbuße erfahren hat. Baumwollsaatöl, Sojabohnen und Kopra dagegen haben, sich erholt. In New Yorker Handelskreisen ist man der Ansicht, daß in der heutigen niedrigen Preislage der amerikanischen Pflanzenöle, der tierischen Fette und philippinischen Kopra und Kokosöl bereits alle ungünstigen Marktfaktoren diskontiert sind und somit der tiefste Preisstand erreicht ist. – Der starke Preisten ihrer Rohstoffe seit dem vorigen Jahre hat die amerikanischen Margarinefabriken veranlagt, ihre Preise um 1 cts je lb zu ermäßigen. Von den amerikanischen Seifenfabriken wurde der abermalige Rückgang der Talgpreise um 25 cts je lb benutzt, um große Mengen davon einzukaufen, worauf der Preis wiederum auf den alten Stand anzog.

Dem großen englisch-amerikanischen Stahl-, Zinn- und Aluminium-Vertrag sind nunmehr zwei weitere Vereinbarungen gefolgt-, Zunächst hat England aus seinen eigenen strategischen Beständen 25 000 long t Kautschuk an die USA zur Auffüllung der dortigen Lagerbestände abgegeben. Bei der Bekanntgabe des Geschäfts seitens des britischen Rohstoffministeriums würde darauf hingewiesen, daß das Abkommen von Vorteil für beide Länder sein werde. Für den Sterlingblock werde es eine baldige Besserung der Zahlungsbilanz bringen, während es den Aufbau der strategischen Kautschukreserve in den USA beschleunigt. Vom Kautschukhandel wurde das Regierungsgeschäft als eine Art „Sicherheitspolster“ bezeichnet. Es hat sich aber keineswegs als ein solches erwiesen, denn bereits wenige Tage später setzte eine verstärkte rückläufige Bewegung ein, bis am 14. Februar mit einer Notierung von 34 3/4d zum ersten Male seit langer Zeit die 3-Schilling-Grenze unterschritten wurde. Dieser Rückgang ist eine Folge der plötzlichen starken Abschwächung in Singapore, wo der Preis um 6 cts je lb nachgab. Dort wiederum war der Preisrückgang auf das Angebot großer Mengen indonesischen Kautschuks wegen der Abwertung der Rupiah zurückzuführen.

Die zweite Vereinbarung betraf die Abgabe von 30 000 t Blei aus englischen Regierungsbeständen an die USA zum Tagespreis von 19 cts je lb. Die Lieferung soll innerhalb der nächsten vier Monate erfolgen. – Die offiziellen Preise der NE-Metalle sind in der Berichtsperiode unverändert geblieben. Der graue Markt dagegen hat eine weitere Ab-Schwächung erfahren. Gegenwärtig wird freies Blei in New York zu 20 cts cif gehandelt, Zink zu 23 cts, Kupfer prompt zu 45 bis 50 cts und für Lieferung im zweiten Halbjahr zu 40 cts. – Die amerikanische Aluminiumproduktion wird im laufenden Jahr nach Angabe des Präsidenten der Reynolds Metals Co. einen neuen Rekordstand erreichen, der selbst die Höchsterzeugung während der Kriegsjahre noch übertreffen wird. Produziert werden sollen weit über 2 Mill. lbs gegen 1600 Mill. lbs in 1951 und 1800 Mill. lbs im bisherigen Rekordjahr 1943. ol.