Seit Beginn dieses Jahrhunderts gehört Kiel zu den klassischen Stätten der Entwicklung des Dieselmotors. Führenden Anteil daran hatte die einstige „Deutsche Werke AG.“, deren Tradition nun seit 1948 die „Maschinenbau Kiel AG. (MAK)“ fortsetzt. Das war allerdings leichter gesagt als getan, denn damals standen 1200 Arbeiter in leeren Werkhallen: 1100 Werkzeugmaschinen gingen nach Jugoslawien. Man begann mit Reparaturarbeiten im Auftrage der Bundesbahn. Und ihnen ist es letztlich zu danken, daß unbegreifliche britische Sprengungsabsichten in letzter Stunde unterblieben. Heute Werken in alten und neuen Hallen 3500 Menschen an einem dreigleisigen Produktionsprogramm: es entstehen Spinnmaschinen, Eisenbahnwaggons und Schiffsdiesel. Damit ist die MAK Schleswig-Holsteins zweitgrößter Industriebetrieb.

Der Schiffsdieselherstellung wurde der Serienbau von Diesellokomotiven angegliedert. Die erste 1000-PS-Lok machte jetzt ihre Probefahrt und wird nun in den Dienst der Bundesbahn treten. Sie ist mit ihren vier Triebachsen, dem Gewicht von 56 t, ihrer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und der schnittigen Bauweise die modernste Maschine Deutschlands. Das war für die Bundesbahn Anlaß, bei den Tauffeierlichkeiten mit ersten Experten vertreten zu sein: Abt.-Präsident Lampe vom Eisenbahn-Zentralamt München, Dr. Gaebler, Referent für Motorentechnik und Ministerialrat Dr. Kurze, Pressechef der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn.

Die nächsten MAK-Pläne sind weit gespannt: man ist mit Vorbereitungen zum Bau einer 2000-PS-Diesel-Lok beschäftigt, die im Schnellzug-Dienst der DBB Verwendung finden soll. Bei dem Elan, der unter Dir. Becker die gesamte Belegschaft erfüllt, werden auch die künftigen Ziele erreicht werden. Das verspricht allein schon die rückliegende Entwicklung: 1949 belief sich der Umsatz auf 16 Mill., 1950 auf 26 Mill. und 1951 sogar auf 36 Mill. DM. Die Auftragsbücher aber weisen bereits jetzt Bestellungen aus dem In- und Ausland im Werte von 60 Mill. DM aus. Das sind Leistungen, die Anerkennung verdienen, zumal sie mit dem bescheidenen Bestand von kaum 600 Werkzeugmaschinen vollbracht wurden. ww.