Man registriert, daß es eine Dollarlücke gibt, sieht es als nationale Aufgabe an, diese Dollarlücke 214 überwinden, und empfiehlt folglich den Dollardrive. Das Ist das tägliche Brot des Wirtschaftspolitikers, der mit sich nur über die Methoden dieses Dollardrives streiten läßt, nicht aber über die Grundsätze. Dabei ginge es auch anders; denn die Dollarlücke ist ja doch nur eine Erscheinung der letzten 20 Jahre, geboren aus der Weltwirtschaftskrise und in Bretton Woods sanktioniert. Sie besteht, seitdem die Währungen „festgebunden“ wurden. Danach ist der Wert einer Währung unveränderlich. Das mag beim Gleichklang der nationalen oder überregionalen Wirtschaftspolitik richtig und möglich sein. Nur ist dieses Ideal nicht gegeben, so daß sich von selbst neben den amtlichen Kursen freie Devisenmärkte einspielen, auf denen die Unterbewertung der weichen Währungen oder die Überbewertung der harten Währungen konstatiert werden. Deshalb sind die Holländer wieder auf ein altes Rezept verfallen. Sie geben nämlich für Dollarexporte einen Devisenbonus, den man frei handeln kann. Hier wird also zu einem Viertel der freie Markt wieder eingeführt. Die Belgier beklagen sich sogar, daß es mehr als ein Viertel sei. Im „Nebenhaus“ der holländischen Notenbank würden die Umrechnungskurse bei Dollartransit „intern“ (wenn nicht beliebig) festgesetzt.

Das ist dann ein Verstoß gegen Bretton Woods, was auch in der gehörigen Form festgestellt wird. Diese Feststellung nützt wenig, denn Holland ist doch souverän! Wer kann es hindern, eine Devisenpolitik zu betreiben, die dem Land bei bewußter Unterbewertung des Gulden zu Dollar verhilft?

Auf Deutschland bezogen: Ein Holländer kauft deutsche Waren gegen EZU-Verrechnungseinheiten und verkauft sie in Länder, die in der Lage sind, mit freien Dollars zu bezahlen. Kauft der Holländer in Deutschland eine Ware mit dem Wert 100, so kann er sie, vereinfachend gesprochen, in den Dollarraum für 95 weiterverkaufen, bietet also billiger an, als deutsche Firmen selbst auf Dollarmärkten anzubieten vermögen. Und er kann für 95 anbieten, weil in Holland ein frei handelbarer, individuell zu bewertender Devisenbonus für den Händler besteht, der nach Dollarräumen verkauft. Mit Hilfe dieses Bonus kann er die Kursunterschiede am freien Markt ausnutzen und kann notfalls billiger anbieten. Und er tut es auch, denn beamtete deutsche Stellen geben zu, daß die Holländer rund ein Drittel der, deutschen Dollarexporte übernommen haben! Das Ergebnis? Der Holländer verdient die Dollardevisen, die dem deutschen Devisenhaushalt fehlen. Der deutsche Exporteur dagegen erlöst Gulden, die ihm im Verrechnungsweg über die EZU gutgebracht werden. Mit anderen Worten: Ein Teil des deutschen Aktivsaldos im EZU-Bereich rührt aus der hoffnungslosen Passivität in Dollar.

Dieser „Switch“ hat sich schon so eingespielt, daß in Ausnutzung des Währungsgefälles über Holland der Importeur Switch-Prämien von durchschnittlich 12 bis 18 v. H. bei Schwankungen von 9 bis 28 v. H. zu zahlen hat, während der Exporteur mit 6 bis 8 v. H. prämiiert wird. Der Switch-Gewinn kann folglich nicht gering sein. Von Holländern hört man freimütig, daß durch dieses Geschäftsgebaren die Niederlande auf dem besten Weg seien, ihre Verluste in Indonesien auszugleichen.

Was könnte man tun? Es verbleibt praktisch nur ein Weg, nämlich: Das gleiche, wie es die Holländer tun. Denn läßt man dem Holländer oder dem Schweizer den Switch-Gewinn, dann werden dem deutschen Devisenhaushalt zunehmend effektive Dollars entzogen. Oder dämmt man auf administrativem Weg, also mit Ge- und Verbotslisten und Mengenvereinbarungen, den deutschen Export für Switch-Geschäfte anderer Länder ein, dann wird die Materie nur kompliziert, dann gibt es neue Gesetzeslücken, ohne daß man einen Erfolg konstatieren könnte.

Da sind aber schon die Völkerrechtler der Wirtschaftspolitik auf dem Plan und bedeuten, daß dies eine diskriminierende deutsche Maßnahme, daß dies zweifellos Dumping sei. Viel richtiger sei es, die noch immer überhöhten Zölle und die handelsfeindlichen Verwaltungspraktiken Amerikas abzubauen. Die Amerikaner könnten uns doch nicht liberales Verhalten predigen, ohne selbst liberal zu sein. Dieser Einwand hat Gewicht. Doch was nützt es? Sind wir politisch stark genug, den Amerikanern Vorschriften zu machen? Man muß es schon dem stärksten Land der westlichen Welt selbst überlassen, was es tut und läßt. Und für sein handelsfeindliches Tun zahlt es auch schon heftig! Wie wären sonst die ewigen politischen Subsidien zu erklären, die an Stelle eines startgleichen Warenaustausches getreten sind? So gewichtig also der Einwand ist – er zieht nicht. Man muß schon einen Anreiz für Dollarexporte schaffen.

Noch hat sich die Bank deutscher Länder entgegen dem Wunsch des Bundeswirtschaftsministers nicht dafür entschieden. Ein solcher Anreiz sei, so hieß es bisher von dieser Seite, das Eingeständnis einer relativ schwachen Position der D-Mark.