Der westdeutsche Kohlenbergbau hat kürzlich seinen Belegschaften eine bebilderte Schritt zugestellt, die sie über wichtige Gegenwartsfragen unterrichten soll. In einer Zeit, in der sich über wesentliche Vorgänge wie Mitbestimmungsrecht, Partnerschalt im Betrieb, Schuman JPlan usw unterschiedliche Aulfassungen ergeben haben, ist der Versuch des Bergbaus, in einer leicht faßlichen Darstellung eine umlassende Informierung aller in seinem Bereich Tätigen herbeizuführen, auch vom Standpunkt der Öffentlichkeit aus zu begrüßen. Dadurch werden die Beigarbeiter und Angestellten an die sozialpolitischen Probleme des modernen technischen Großbetriebes herangebracht, und es wird ihnen somit gleichzeitig eine persönliche Stellungnahme zu den angeschnittenen Fragen ermöglicht. Die Schrift tragt den ökonomischen Titel "Beigwerk muß blühen". Mit dieser Publikation wird der Bergmann nicht nur informiert, sondern auch über seine Pflichten sowie über die Stellung des Kohlenbetgbaus innerhalb der Volkswirtschaft aufgeklart. Diese Direktaufklärung ist nicht nur geeignet, den Kontakt zwischen Leitungen und Belegschalten zu verstärken, sondern ihr wohnt auch noch ein anderes und sehr wesentliches psychologisches Moment inne, nämlich die unmittelbare Ansprache des Arbeiteis im Großbetrieb durch die Unternehmensleitungen. Die Betriebspsychologie hat übereinstimmend testiert, daß die Belegschaften dazu neigen, unmittelbar von den Leitungen zu hören, was ihre Zielsetzungen sind und wie sie über übergeordnete Fragen urteilen. Bei der Beispielhaftigkeit dieser modernen unternehme ischen Konzeption und zur Aufklärung von Mißverstandnissen, die sich in anderen Wirtschaftszweigen über die Politik dieses Grundstoifbereichs ergeben haben, wird nachstehend der wesentliche Teil des Inhalts der Broschüre wiedergegeben. Generaldirektor Dr. Kost sagt im Geleitwort u a : "Der deutsche Kohlenbergbau steht vor einer äußeien und inneren Neuordnung. In entscheidenden Organen aller Gesellschaften sind künftig Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichberechtigt vertreten. Damit ist der Grundstein für eine echte Partnetschaft gelegt, de Deutschland und der Welt nicht nur mehr Kohle, sondern auch eine neue form des gemeinsamen Lebens und Wirkens in Freiheit und Wohlstand bringen soll. Wir werden den neuen Formen Inhalt und Leben geben müssen. Wir wollen als gleichberechtigte, freie Menschen zusammenaibeiten und uns nach echter Bergmannsart gegenseitig helfen Der Bergbau steht an einer bedeutsamen W Jahre lang war er an die Kontrolle und Verfügungsgewalt derAlliierten gebunden. Die Eigentumer hatten ihre Rechte verloren. Wirklicher unternehmerischer Tätigkeit waren enge Grenzen gesetzt. Dieser Zustand wird nun bald beendet sein. Die Neuordnung macht Fortschritte. Sie bringt manchen Gesellschaften Veränderungen, die sich nachhaltig auKdas Betriebsgeschehen auswirken werden. Das Vcthaltnis von Betriebsleitung und Belegschaft hat durch das Gesetr, über die Mitbestimmung eine andere Grundlage erhalten. Der Bergbau geht damit qeue Wege. Man wird bei uns und draußen mit Spannung verfolgen, wie wir diese Wege gehen und wohin sie führen werden. Ganz natürlich drängt sich dabei uns allen, vom Direktor bis zum jüngsten Berglehrling, eine ganze Reihe neuer Überlegungen auf. Jeder fragt sich: Was habe ich nun zu tun? Was ist mein Beitrag zum künftigen Erfolg des Bergbaus? Wie kann ich Pflichten und Rechte fruchtbar miteinander verbinden, fruchtbar für mich und die anderen? Ein reicher Schatz schöpferischer Erfahrungen wird der Neuordnung, als fruchtbares Erbgut dienen. Neues kann nur aus Vorhandenem wachsen. Unsere Leistungen in den Jahren seit 1945 beweisen, wieviel Kraft der Fuhrung trotz der fremden Einflüsse und Kontrollen, wieviel guter Wille innerhalb der Belegschaften, und welcher Geist dös Zusammenarbeitens im Bergbau leben. Harte, zielbewußte Arbeit hat uns zu erfreulichen Erfolgen verholfen, wobei auch die Marshall Plan Hilfe nicht vergessen werden sollte. Eine beachtliche Steigerung der Förderung ist gelungen. Der Stillstand der ersten Zeit nach dem Kriege liegt wie ein dunkles Tal tief unter uns. Wir brauchen nur an das traurige Bild unserer Zechen, die Zerstörungen und die Abnutzung der Betriebsanlagen zu denken, um uns zu verdeutlichen, was alles in genieinsamer Arbeit an Wiederaufbau, Mechanisierung und Modernisierung geleistet wurde. Über Technik und Wirtschaft ist der Mensch nicht vergessen worden. Die veiantwortlicheu Männer des Bergbaus haben sich nicht darauf beschi mkt, die Arbeitsplätze und die technischen Einrichtungen zu verbessern und zu vermehren, sie haben zugleich tu r die koiperliche Gesundheit und das Wohlergehen der Bergleute und ihrer Familien gesorgt. Es ist nicht möglich, die vielfaltigen Formen der Sorge um den arbeitenden Menschen, seine Wohnung und seine Familie hier im einzelnen darzulegen- Die Bilder und Darstellungen dieses Büchleins zeigen eine Fülle von Tatsachen und Einzelheiten.

Man sollte diese Dinge sehen und schildern wie sie sind. Die Zechen haben viel getan, aber natürlich noch nicht alles tun können. Es entspricht der wachsenden Aufgeschlossenheit der heutigen Menschen, wenn die Unternehmungen die Belegschaften immer mehr in das Wissen um die Sorgen und Aufgaben ihrer Betriebe einweihen. Denn aus dem Mitwissen erwächst das Mitdenken und aus dem Mitdenken jenes verantwortungsbewußte Mitwirken, das stets die wichtigste Quelle innerer Befriedigung und Anteilnahme am Werk ist. Immer mehr vollzieht sich heute der Ablauf der Arbeit im Bewußtsein, daß Leitung und Belegschaft einander vertrauen müssen, weil jeder einen unentbehrlichen Beitrag zur gemeinsamen Leistung stellt. Es geht nicht um Betreuung von " oben her", sondern um eine gemeinsame Verantwortung, die freiwillig von unten her" wachsen muH Nicht ohne Grund haben Direktoien, Steiger. Hauer und Schlepper in gemeinsamen Tagungen am gleichen Tisch gesesses und ihre Nöte besprochen. Solche Aussprachen und das Bemüiaen um tieferes Verständnis für die Sorgen des anderen vermögen am besten innerbetriebliche Schwierigkeiten zu überwinden Über unvermeidlichen Spannungen aber erhebt sich die gemeinsame Sorge um eine ausreichende Kohlenförderung Beigbau ist nicht nur eines Mannes Sache. Wir stehen auf einem Földerkorb und hängen an eine nr Seil Wie sich aus dem Kommentar einer Veröffentlichung über das Mitbestiminungsrecht ergibt, hat der Bergbau bereits von den Verhandlungen über die Mitbestimmung Richtlinien für eine umfassende Sozialordnung entwickelt. Daraus geht hervor, daß der Bergbau die Anwendung der darin enthaltenen Grundsätze — Lösung der menschlichen Probleme, Hebung des Personlichkeitsbewifltseins des eu elnen und Anerkennung semer Stellung als Mitarbeiter — als unerläßliche Ergänzung zu der gesetzlichen Regelung des Milbestimmungsrechts ansieht. Er steht auf dem verantwortlichen Standpunkt, daß de Neuordnung der Verhaltnisse auf sozialpolitischem Gebiet nicht in erster Linie eine Frage der Organisation, sondern der geistigen Haltung ist. In einem Pressekommunique der DKBL über eine Sitzung des paritätisch besetzten Beirates am 29.1. 1952 hieß es, Tende. Sechs , daß der Geist, der durch die Sozialordnung im Bergbau Allgemeingut werden solle, einmütig bejaht wurde". Wenn auch die Broschüre die Sozialordnung im Bergbau nicht gesondert behandelt, so geht doch aus den Darlegungen über die Mitbestimmung hervor, daß der Bergbau einen Erfolg der Mitbestimmung nur in dieser Form der echten Partnerschaft und des Wagnisses gegenseitigen Vertrauens für möglich hält. In der Broschuie heifit es konkret weiter: Das Gesetz über die Mitbestimmung bringt die Vertreter der Arbeiterschaft in entscheidende Organe der Gesellschaften. Das Gesetz erklärt nun zur gemeinsamen Sorge, was in den letzten Jahren praktisch schon gemeinsame Sorge war. Wenn sich der Leitung eines Unternehmens neue Partner zugesellen, wird es zum ersten Anliegen, daß die vorhandenen Erfahrungen von allen aufgenommen werden. Denn diese Erfahrungen sind wertvolles Kapital. Das Gesetz selbst schafft den gemeinsamen Geist noch nicht. Durch oraktische Arbeit müssen wir die Paragraphen mit wirklichen Leben ei füllen. Es wäie nicht viel gewonnen, wenn wohl im Aufsichtsrat und Vorstand Vertreter der Eigentümer tnd der Arbeiter einträchtig an einem Tische säßen, im Grubenbetrieb aber alles beim alten bliebe. Es widerspräche den Ab Schien des Gesetzgebers und den Erfordernisse! unserer deutschen Lage, wenn das Mitbestimmung sgesstz etas anderes brächte als ein vertrauensvolles Miteinander. Ein Gegeneinander waie dei Tod des Bergbaus unc unserer Nation. Auch ein bloßes Nebeneinander, etwa ? in Nebeneinander der Dt ldung ohne echte Zusammenarbeit wäre eine menschliche und nationale Katastrophe Der Bergbau biaucht ein echtes Miteinander. Nur so kann das Gesetz den verantwoitliclien Männern eine Verstärkung aus den Reihen der Belegschaft bringen, die von allen beg ußt werden sollte. Dann waren in der Tat die Sorgen und Aufgaben des Bergbaus gemeinsames Anliegen aller Bergleuie.

Viele diesei Sorgen und Aufgaben allgemeinen läge des Bergbaus: Die polnischen Fesseln beginnen zu fal en. D wachsenden europäischen Ordnung und muß damit >ur Deckung des steigenden Kohlenbedarfs in diesem Wirtschaftsraum beitragen. Die Erfüllung dieser Aufgabe verlangt einmal, daß wir unsere Betriebe auf den modernsten Stand bringen, die Arbeitsbedingungen des Bergmanns stetig verbessern und die so wichtige Wohnungsfrage schnell und grundlich lösen. Sie verlangt aber auch zum anderen, daß jeder eiizelne im Bergbau beieit ist seine Arbeitskraft voll einzusetzen. Dann wird mit der steigenden Förderung der Eergbau in die Lage versetzt, den Lebensstandard des Bergmanns fortlaufend zu erhöhen. Von dieIn der Broschüre wird durch Illustiationen den Belegschaften in pltstischer Form ein Überblick darüber vermittelt, daß der S einkohlenbergbau schon heute über insgesamt ergebeii sich aus der (er Bergbau wird Bestandteil der heransem Grundgedanken geht auch das am 1. 1. 1952 VersuchsMenge Geld. Dieses Geld wird der Bergbau nur dann erhalten, wenn er finanziell gesund ist und Gewinne abwirft. Nur ein rentabler Bergbau erscheint in den Augen der Beständigkeit seiner inneren Ordnung. Darum muß die Mitbestimmung eine Ordnung in Freiheit werden. Sie soll der Weg zu gemeinsamer Leistung und Verantwortung fieier Menschen, aber nicht der Weg zu einseitiger Macht sein. Der Bergbau wird zwar auch in Zukunft Arbeitsdisziplin brauchen, aber eine echte Arbeitsdisziplin, die unter Aufgaben. Diese Erwartung ist nur ein anderer Ausdruck des zunehmenden Vertrauens zu uns. Unser Beitrag wird bestimmung gewählt. Madien wir daraus eine echte PartHeranbildung eines tüchtigen Nachwuchses auf. In zahlreiersten Anliegen des Bergbaus. Durch das Gesetz zur Förw eise eingeführte Erfolgsanteil System aus. Schließlich gehört zu alldem aber auch noch eine ganze Geldgeber vertrauenswürdig.

Fast noch wichtiger für das Vertrauen zum Bergbau ist die Wahrung der Menschenwürde Führung und Einordnung als eine natürliche Form des Zusammenwirkens freier Menschen anerkennt.

Die Welt erwartet unseren Beitrag zu ihren wachsender? aber nicht nur in Produktion und Mehrproduktion bestehen, sondern zugleich ein solcher sinnvollen und freiheitlichen, Zusammenlebens sein. Wir haben dafür die Form der Mitnerschaft von Unternehmern und Belegschaften! Dann haben wir ein wertvolles Kapital in den Bergbau eingebracht, das den Schlüssel zu erhöhten Leistungen darstellt. Man hat draußen stets die deutsche Arbeitskraft geschätzt und bewundert, gelegentlich auch gefürchtet. Jetzt können wir zeigen, daß wir nicht nur aibeiten, sondern auch zusammenarbeiten können, daß unsere Arbeit nicht nur materiell gestaltende, sondern auch geistig soziale Kraft besitzt. 102 Kindergärten und 33 Kinderhorte, 15 8 Büchereien mit 170000 Bänden, 70 Berglehrlingsheime und 4 Pestalozzidörfer, 111 Erholungsheime irad 163 Nähstuben verfügt. Dazu kommen verbilligte Ferienaufenthalte nsw. Viele Mühe und große Kosten wenden die Zechen für die chen Lehrbetrieben und Berufsschulen werden zur Zeit rund 21000 Berglehrlinge und Bergjungarbeiter ausgebildet 1622 Bergleute besuchen zur Zeit die Besgsdialea de Stein kohlenbergbaus ~~~ ™~—- Der Bergarbeiterwohnungsban ist nadi wie vor eines der derung des Bergarbeiterwohnungsbaus ist die Finanzierung von 72 000 Bergmannswohnungen gesichert. Das Gesetz sieht besonders vor, daß der Bergmann nnter tragbaren Bedingungen ein Eigenheim erwirbt.

Bei Kriegsbeginn waren 311362 Bergarbeiterwohnungen vorhanden. 237 492 davon wurden durch Kriegseinwirkungen beschädigt oder zerstört, so daß bei Kriegsende nul noch 73 870 Bergarbeiterwohnungen verfügbar waren. Durch Neubau, Ausbau und Wiederherstellung zerstörter Gebäude ist der Wohnungsbestand bis zum 1. 7. 1951 auf 320 293 gebracht worden, von denen allerdings 61 023 noch von nicht aktiven Bergbauangehörigen bewohnt werden. Ein für die dringend notwendige Produktionssteigerung unerläßliches Mittel ist die verstärkte Mechanisierung des Untertagebetriebs. Sie dient gleichzeitig der Erleichterung der schweren körperlichen Arbeit des Bergmanns. Aber sie erfordert große Investitionsmittel. So belaufen sich z. B die Kosten für einen Hobel i i t 50000 — Panzerförderer , 130000 — Stahlausbau 160000 — elektrisches Zubehör, Beleuchtung, Telefon usw. 40000 — DM 380 000 — Ein einziger vollmechanisierter Streb von 200> m erfordert also rd. 400 000 — DM Einrichtungskosten. Die Broschüre enthält keine näheren Angaben über die Investitionsnotwendigkeiten des Bergbaus; sie würden vermutlich auch besondere Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Fragen vorausgesetzt haben. Aber schon das Beispiel eines Betriebspunktes vermittelt den Belegschaften einen eindrucksvollen. Einblick in den technischen Aufwand und die sich daraus ergebenden Ertrags- und Finanzierungsprobleme. Auch die Leistungsfähigkeit der Unternehmen durch die Mitarbeit der Belegschaften und damit die unerläßliche Rentabilität wird angesprochen. Diese bergbauliche "public relation" vermittelt weiten Kreisen einen Eindruck darüber, in welcjier Weise der Bergmann über die Wichtigkeit seiner Arbeit für die Volkswirtschaft informiert wird. Gleichzeitig ist die Veröffentlichung an dieser Stelle ein Beitrag über die Geltung und Aneikennung des Beigmanns in der Öffentlichkeit Zusammenfassend ergibt sich aus diesem grundsätzliche Lebensfragen für Bergmann und Bergbau behandelnden Bericht ein bemeikenswerter Überblick über die innerbetrieblichen Probleme — unter Einschluß der menschlichen und sozialen — mit dem Ziel einer positiven Entwicklung des Betriebsklimas. Abschließend heißt es in der Biosdiure: Das Schicksal des Bergbaus und seine Leistungsfähigkeit sind jetzt gemeinsames Anliegen aller im Beigbau Schaffenden. Das Miteinander echter Leistungspartnerschaft wird einen ertragslähigen, gesunden, leistungsfähigen Bergbau bringen. Große Aufgaben stehen noch bevor. Das neue Jahr hat neue Rechte und neue Pflichten gebracht. Da aber alle im ßeigbati Tätigen wissen, wie stark die Kohle das Schicksal unseres Vaterland e, mitbestimmt, kann die geoieinsame Arbeit nur in dem Wunschgipfeln: Bergwerk muß blühen! Länge