Rlt. Düsseldorf, Mitte Februar

Der alliierte Eingriff in den deutschen Montanverbund hat nun auch die Hoesch AG, Dortmund, erreicht und die juristischen Konsequenzen im künftigen Gesellschaftsaufbau gefordert. Rund 30 v. H. der alten Konzernsubstanz wurden verselbständigt, das sind fast Zweidrittel des Kohlebesitzes. Mit 90 Mill. DM neuem AK ist dieser Verlust als Altenessener Bergwerks AG, Essen, mit den Zechen Fritz Heinrich, Emil Emscher und Radbod (Jahresförderung 3,5 Mill. t) selbständig gemacht worden, wobei den 22 000 bis 24 000 Hoesch-Aktionären für drei alte Hoesch-Aktien als Abschlagsabfindung zunächst zwei neue Kohle-Aktien der „Altenessener“ zugeteilt werden. Hoesch selbst behält die Zechen Kaiserstuhl I und II und Fürst Leopold-Baldur. Sie stellen zusammen ein AK von 65 Mill. DM bei 2,5 Mill. t Jahresförderung, machen 20 v. H. der alten Konzernsubstanz aus, werden in der ebenfalls neu gegründeten Hoesch Bergwerks AG, Dortmund, zusammengefaßt und als Tochter in der noch zu gründenden Holdinggesellschaft für die Westfalenhütte und eine Reihe verarbeitender Betriebe der Hoesch-Gruppe aufgehen.

Da die Zechen der ausscheidenden Kohlengruppe in den letzten Jahren im Investitionsprogramm des Konzerns an erster Stelle gestanden hatten, muß die „Altenessener“ für die Dauer von drei Jahren an Hoesch eine Abschlagszahlung von jährlich rund 3,5 Mill. DM – zahlen. Dieser Satz entspricht einer Abgabe von 1 DM je Tonne Jahresförderung. Mit diesen Mitteln soll der Investitionsrückstand bei den Hoesch-Zechen aufgeholt werden. Sieht man sich die Investitionsziffern an, so darf wohl gesagt werden, daß auch am Beispiel Hoesch offenkundig wird, was die guten Zechen im Rhein-Ruhr-Lippe-Gebiet in den letzten Jahren geleistet haben und welch eine fundierte Rentabilitätslage sie aufweisen. Seit 1945 wurden im Kohlenbesitz von Hoesch 116 Mill. RM/DM investiert, davon 72 Mill. DM, wovon nur 11 Mill. DM Fremdmittel sind. Alles übrige wurde selbst erwirtschaftet. Daß bei dieser Kohlenwirtschaftslage und in Anbetracht der guten Eisen- und Stahlkonjunktur (Hoesch hat 1,2 Mill. t Jahresstahlleistung) die Unternehmensführung weiterhin optimistisch ist, erscheint durchaus begründet.

Hierzu war zu hören: „Wir haben unsere Aktienkapitalien so angesetzt, daß eine solide Dividende herauszuwirtschaften ist und dennoch die notwendigen Abschreibungen für die volle Substanzerhaltung sichergestellt bleiben.“ Bedenkt man, daß dem alten Hoesch-AK von 135 Mill. RM allein schon 155 Mill. DM neues AK der ausgegründeten Kohlenzechen gegenübersteht, diese Kohlenzechen aber früher nur rund 50 v. H. des Konzernwertes ausmachten, so kann leicht errechnet werden, daß nach Abschluß der Neuregelung bei Hoesch ein Umtausch-Schlüssel vorliegen wird, der für drei alte Hoesch-Aktien sechs neue Aktien erbringen kann. Von diesen sechs neuen DM-Aktien werden also zwei Papiere der gut fundierten Altenessener Gruppe sein, die vier restlichen würden die Substanz für den weiteren Kohlenbesitz, die Westfalenhütte und die zahlreichen Verarbeitungsbetriebe darstellen, worunter sich u. a. die Maschinenfabrik Deutschland, Trierer Walzwerk, die Schmiedag, Federstahl, Hiltruper Röhren, Dortmunder Drahtseil, Dortmunder Paraffin (FT-Synthese) befinden.

In etwa vier bis fünf Wochen wird die Holding für Hoesch aus der Taufe gehoben werden. Dann dürfte über die Kapitalstruktur und die Vermögenswerte Entscheidendes zu erkennen sein. Der bisherige Start verspricht einen guten Ablauf und eine erfreuliche Prognose.

Kurs mancherlei (sogar obskuren) Imponderabilien unterliegt. In einem Rechtsstaate habe eben „jeder Quatsch Konsequenzen“, sagte ein mit der Materie Befaßter dazu. Ob der hessische Finanzminister wohl recht bedenkt, daß mit jener Formulierung auf seinen Staatssäckel angespielt wird, an dem am Ende alles hängen bleibt? Be.