Nachdem die im Sommer 1950 in London geführten Verhandlungen über den Neuabschluß eines internationalen Zuckerabkommens wegen der als Folge des Koreakrieges einsetzen- den Entwicklung des "internationalen Zuckermarktes vertagt wurden, war es um die neuerliche umfassende Regelung des Weltzuckermarktes still geworden. Zwar wurde bekannt, daß dem seinerzeit in London tagenden Internationalen Zuckerrat der Entwurf eines Abkommens vorgelegt wurde, jedoch drangen Einzelheiten des geplanten Vertrages nicht in die Öffentlichkeit. Der Weltzuckermarkt erlebte ab Juli 1950 trotz steigender Erzeugungszahlen eine Periode zu nehmender Verknappung bei Preisen, die noch im Juni 1951 mit 8 05 cts je Ib am New Yorker Weltkontrakt Nr. 4 einen Höchststand erreichten. Dem aufmerksamen Beobachter svar es jedoch klar, daß überwiegend politische Faktoren die marktbestimmenden Einflüsse überdeckten, und daß eine ruhigere Gesamtlage neue Verhandlungen relativ rasch wieder ermöglichen würde.

Die im 2. Halbjahr 1951 einsetzende sinkende Kursentwicklung — wegen steigender Weltzuckererzeugung — ließ daher die kürzliche Meldung vonbevorstehenden netjen Verhandlungen des Internationalen Zuckerrates nicht überraschend erscheinen. Sie ist auch deswegen interessant, weil die Bundesrepublik an den Beratungen teilnehmen wird. Ein neues internationales Zuckerabkommen würde das Londoner "Internationale Abkommen über Zuckererzeugung und Zuckerabsatz" vom 6. Mai 1937 ersetzen. Wie bei den bisherigen Abkommen (z. B dem GhadbourneAbkommen von 1931) wird der Hauptzweck neuer internationaler Vereinbarungen darin bestehen, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu annehmbaren Preisen für Verbraucher und Erzeuger zu gewährleisten. Das Schwergewicht der bisherigen Zuckerabkom- men lag jeweils auf den Exportquoten, die das Angebot zu regulieren hatten. Wer die Schwierigkeiten kennt, die diese Quotenfixierung im Kampf Hjm den Anteil am freien Weltzuckermarkt auslosten, wird verstehen, daß hier auch in Zukunft das Kernproblem neuer Regelungen liegt. Ein Blick auf die im Abkommen von 1937 festgesetzten Quoten und uf die seither eingetretenen Strukturveränderungen im Erzeugungsbereich zeigt, daß sich das Bild stark verändern wird. Kuba war 1937 mit einer Quote von nur 940 000 t ausgestattet, exportierte aber 195051 bei einer Gesamtausfuhr von 5 656 Mill span. Lt (l span. Longton = 1030 kg; l engl. Lt = 1016 kg) allein 2 966 Mill. Lt auf den freien Weltzuckermarkt. Der damalige Hauptquotenträger Holland, d h. Java, 1937¥38 mit einer Grundquote von 1 05 Mill t, ist heute völlig bedeutungslos. In anderen Gebieten haben sich ebenfalls entscheidende Wandlungen vollzogen. Neben der Sonderstellung der USA muß nun das zwischen den britischen Commonwealth Ländern kürzlich unterzeichnete Zuckerabkommen weitgehend berücksichtigt werden. Während das Abkommen von 1937 für die großen Exportländer den Anreiz zu einer Beschränkung der Zuckerproduktion der Empiregebiete bot, hat sieh die Kapazität des britischen Commonwealth inzwischen stark ausgeweitet. Großbritannien hat Absatzgarantien für 1 643 Mill t Empirezucker zu festen Preisen übernommen und darüber hinaus einer Gesamtexportquote der d Commonwealth angeschlossenen Länder in Höhe von 2 375 Mill. Lt zugestimmt. In dem Commonwealchabkommen ist außerdem deutlich zum Ausdruck gebracht, daß eine Teilnahme an einem internationalen Zuckeräbkommen nur in Frage kommt, wenn die getroffenen Vereinbarungen anerkannt werden.

Auch die Bundesrepublik steht gegenüber 1937 vor völlig "neuartigen Problemen. War Deutschland damals Exportland, so muß Westdeutschland heute bedeutende Zuckermengen inportieren und seine Eigenerzeugung möglichst steigern. Hier wird eine Frage berührt, die aller Wahrscheinlichkeit nach bei den bevorstehenden Verhandlungen als Diskussionspunkt im Vordergrund stehen dürfte. In den bisherigen Verlautbarungen des Internationalen Zuckerrates ist betoat worden, daß die Eigenerzeugung der Einfuirländer beschränkt werden müsse. In dieser Hinsieht werden Gegensätze zutage treten, die schwer zu überbrücken sind. Die deutsche Delegation hat bereits bei den Vorbesprechungen betont, daß ein Wird der zuckerwirtschaftlichen Entwicklung des Commonwealth als geschlossenem Versorgungsraum Rechnung getragen, so erhebt sich für die westeuropäischen Länder die Frage, welche Folgerungen sich aus einer etwaigen europäischen Agrarunion ergeben und inwieweit zwischenstaatliche Zuckerlieferungen im westeuropäischen Bereich als Ausfuhren im Rahmen der Quotenregelung zu gelten haben. Eine Berücksichtigung dieser Entwicklung müßte jedenfalls gefordert werden. Das gleiche gilt für inzwischen abgeschlossene längerfristige feste Lieferverträge, wie z. B. das deutsch kubanische Handelsabkommen von 1951, — Ein weiteres Problem ist die Absicht, eine Stabilisierung des Zuckerpreises zwischen einer oberen und einer unteren Grenze herbeizuführen. Eine derartige Regelung wäre durch bewegliche Handhabung der Quoten denkbar, die in früheren Abkommen leider zu wünschen übrig liejß. Die angeschnittenen Fragen zeigen bereits, daß die kommenden Verhandlungen nicht einfach sein werden. Zwar ist der Zuckerverbrauch der Welt in den letzten 15 Jahren um über 5 Mill metr t auf rund 31 6 Miti t im Jahre 195051 angestiegen, doch zeigt auch die, Weltzuckererzeugung eine stark nach oben gerichtete Tendenz uad dürfte 195152 die 34 Mill Grenze überschreiten. Eine deutliche Sprache spricht überdies die Erhöhung der Weltvorräte, die sich nach einer Berechnung von F. O. Licht trotz günstiger Verbrauchsentwicklung von rd. 6 6 Mill t am 1. 9. 1950 auf mehr als 8 1 Mill t am 31. 8. 1951 steigerten. Berücksichtigt man außerdem, daß in vielen Erzeugerländern Erweiterungsprogramme angelaufen sind, so ist es möglich, daß sich eine Überschußsituation ergibt. Es wäre zu wünschen, daß dem rechtzeitig durch ein neues internationales Abkommen begegnet wird. A. x