Die Not hat uns gelehrt, auf engstem Raum zuleben und jeden Winkel für Wohnzwecke? nutzbar zu machen. Mit bescheidenen Mitteln ist dabei häufig ungeahnte Behaglichkeit und wohnliche Gestaltung des Raums erreicht worden – durch die Tapete. So wie es früher ein Zeichen des guten Geschmacks war, und wie es zur Wohnkultur gehörte, wenn man die Wände mit Tapeten geschmückt hatte, so gilt auch heute wieder das Wort „tapeziert“ wohnen“. Nach den Jahren, da man der Wand nur noch eine konstruktive Aufgabe zuweisen wollte, ist man heute wieder dazu übergegangen, in ihr nicht nur den geeigneten Hintergrund für Möbel und Bilder zu sehen, sondem sie darüber hinaus auch einen rein dekorativen Zweck erfüllen zu lassen.

Die Rückkehr der deutschen Tapete auf den Weltmarkt entwickelt sich jetzt ebenfalls durchaus positiv. In den früher für uns so wichtigen Tapetenmärkten der afrikanischen, asiatischen, vor allem aber der südamerikanischen Länder ist man sich durchaus darüber im klaren, daß die eigenen Tapetenfabriken kaum so entwickelt werden können, daß sie den Bedürfnissen der Bevölkerung wirklich Rechnung tragen. So hat die deutsche Tapetenindustrie unter großen eigenen Opfern Muster geschaffen, die dem Geschmack des Überseekäufers entsprechen. Sie hat. versucht, durch einen großen Tapetenwettbewerb in Form und Farbe neue Wege zu gehen, und tatsächlich ist auch die Kurve des Exports im letzten Jahr in die Höhe, gegangen, wenn auch die absoluten Exportzahlen noch unbefriedigend sind und in keinem rechten Verhältnis zu den Vorkriegsziffern stehen. Während 1949 nur 564 dz im Werte von 91 000 DM ausgeführt wurden, steht die Ausfuhr 1950 mit 6110 dz und 1,1 Mill. DM wieder bei 26 v. H. der Exporte des Altreichs im Jahre 1936. Damals lagen die Niederlande mit einem Ausfuhrwert von 1,2 Mill. RM an der Spitze der Konsumentenliste. 1950 führte die Schweiz, deren Anteil 51 v. H. der Gesamtziffer ausmachte. Es folgten Belgien, Italien und die Niederlande mit etwa 10 bis 15 v. H. der Exporte. Zu den Absatzgebieten mit weniger als 10 000 DM gehörten 1950 auch noch die USA. Im letzten Jahr hat sich der Export insgesamt um etwa 15 bis 20 v. H. ausgeweitet.

Die deutsche Tapetenindustrie ist sich der Exportschwierigkeiten durchaus bewußt, ohne daß sie davor zurückschrecken würde. Auf der Constructa-Bauausstellung hat sie mit einer großartigen Weltkarte aus der vielseitigen deutschen Kollektion gezeigt, daß die deutsche Tapete wieder Weltgeltung hat. S.