Der jetzt vorliegende vierte Band des „Ordo“, Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (erschienen im Verlag Helmut Küpper vormals Georg Bondi, Düsseldorf, 472 S. 29,80 DM), ist bereits mit Spannung erwartet worden: Enthält er doch die erste wissenschaftliche Abhandlung über das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im Betrieb. Die sachliche, weit über der Tagesdiskussion der beteiligten Sozialpartner stehende Analyse des Freiburger Nationalökonomen Franz Böhm füllt über die Hälfte des Ordo, was ihre Bedeutung illustrieren mag. Sie zeigt ganz klar, daß „... Mitbestimmungsrecht und Wirtschaftsdemokratie unausgereifte Ideen sind, mehr eine Doktrin als einer umfassenden Analyse der sozialen, volkswirtschaftlichen, politischen, staatsrechtlichen und privatrechtlichen Probleme oder praktischen Bedürfnisse entwachsen.“ Denn „wenn sich die Gegensätze zwischen den Sozialpartnern dadurch verschärfen, dann leitet es nur eine neue Epoche des klassischen Klassenkampf ein und zwar eine überflüssige, verspätete, sinnwidrige Epoche dieses Klassenkampfes“. Letzterer wird sich zwischen den (zwangsweise) verbündeten Produzenten und Arbeitern auf der einen Seite und den Konsumenten auf der anderen Seite abspielen. Da nur die eine Front organisiert ist (und sein kann), liegt es nahe, daß die Konsumenten – in der Masse aus Arbeitern bestehend – letzten Endes die Leidtragenden sind. Die Risikofreudigkeit des mit seinem Vermögen für jede Fehldisposition haftenden Unternehmers – im Gegensatz zu dem zwar mitbestimmenden aber die Verluste nicht oder erst sehr viel später spürenden Arbeiters – läßt zu Lasten der Produktivität nach.

Aus der Fülle der neuen Argumente Prof. Böhms zu der Frage der Mitbestimmung, an denen die zukünftige Diskussion nicht mehr wird vorbeigehen können, seien noch seine bedeutsamen Untersuchungen über die Problematik der mit der wirtschaftsdemokratischen Mitbestimmung angestrebten Mischform zwischen Marktwirtschaft und Zentral Verwaltungswirtschaft erwähnt (Zweigleisigkeit des Geschehens, Nachteile beider Systeme, schwieriger zu handhaben als reines System). Er empfiehlt, nur ein Mitberatungsrecht einzuführen, sonst aber entweder gleich die Wirtschaft zu sozialisieren (um klare Verhältnisse zu schaffen) oder (besser) sich den bewährten Marktfunktionen anzuvertrauen.

Die auf hohem Niveau stehenden Ausführung gen Böhms zu dem brennend aktuellen Problem der Mitbestimmung sollten von allen Beteiligten mit größter Aufmerksamkeit studiert und diskutiert werden. Zweifellos werden einige allzu eifrige „Reformer“ nachdenklicher als bisher werden C. v. S.