Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, wie kurzsichtig Morgenthaus Deutschland-Plan gewesen ist. Es mag daher heute für die Alliierten nicht immer einfach sein, einen Weg zwischen den Verordnungen der ersten Nachkriegsjahre und den heutigen Erfordernissen zu finden. Zu den Folgen derartiger überholter Gesetze muß auch die Anordnung der Dekartellisierungsabteilung der Hohen Kommission gerechnet werden, mit der nach fünf Jahren (!) das Entflechtungsverfahren der Robert Bosch GmbH., Stuttgart, abgeschlossen worden ist und die eine Bestimmung enthält, wonach die Firma auf Verlangen auf ihre Patente – zum Teil unentgeltlich – Lizenzen zur Fabrikation in Deutschland gewähren muß. Die Belegschaften des Stuttgarter und des Feuerbacher Betriebs haben daher auch in sehr sachlich geführten Protestversammlungen keinen Zweifel darüber gelassen, für wie unzeitgemäß sie diese Bestimmungen in einem Augenblick halten, in dem die Bundesrepublik der westlichen Völkergemeinschaft eingegliedert werden soll. Wie sich die Patentfreigabe, die nach deutschem Recht eine Neuheit darstellt und einer Preisgabe geistigen Eigentums gleichkommt, auswirken wird, läßt sich heute noch ebensowenig übersehen wie die Folgen der übrigen Entflechtungsbestimmungen. Es ist kaum zu erwarten, daß sich ein seriöses deutsches Unternehmen derartig zweifelhafte Vorteile verschaffen wird, abgesehen davon, daß zu einer rentablen Auswertung von Patenten auch entsprechende Erfahrung gehört, die nur in langjähriger Entwicklungsarbeit erworben werden kann. C. B.

*

Die Bilanz der Robert Bosch GmbH., weist zum 31. 12. 1950 einen Reingewinn von 2,96 Mill. DM aus, der sich um den Vortrag aus 1949 auf 4,688 Mill. DM erhöht. Die Geschäftsführung schlägt vor, daraus zunächst 5 v. H. der ordentlichen Rücklage zuzuweisen sowie eine Dividende von 3 v. H. auf das Gesellschaftskapital von 48 Mill. DM zu verteilen. Der verbleibende Gewinn von 3,047 Mill. DM soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. In der sehr gesunden Bilanz des Unternehmens erscheint das Anlagevermögen mit 67,58 Mill. DM, wovon 29,2 Mill. DM auf Grundstücke und Gebäude, 29,4 Mill. DM auf Maschinen und Anlagen und 8 Mill. DM auf Beteiligungen entfallen. Konzessionen, Patente und Lizenzen stehen mit 1 DM zu Buch. Das Umlaufvermögen beträgt 108,9 Mill. DM. Dem stehen neben dem Stammkapital von 48 Mill. DM die Rücklagen in Höhe von 61,4 Mill. DM und Rückstellungen von 17,6 Mill. DM gegenüber. Die Verbindlichkeiten betragen demgegenüber nur 38,18 Mill. DM. Im abgelaufenen Jahr ist die Beschäftigung des Unternehmens sowie seiner Tochtergesellschaften im allgemeinen gut gewesen, im Jahr 1951 kam es zunächst zu einer weiteren Belebung, erst seit August 1951 ist der Geschäftsgang leicht rückläufig. vd.