In das Weltall sei’s gejodelt

allen Schneidern zum Gewinn:

Mode lebt und Leben modelt,

und so haben beide Sinn.

Als Ringelnatz so dichtete, war die Gürtellinie schon wieder an ihrem sinnvollen Sitz, nämlich der Taille, angelangt und in den Retorten wurde bereits emsig die Nylonfaser versucht.

Jetzt munkeln die Corsetièren, daß die Dame höchstens noch am Vormittag ein Hemd trägt. Corsetieren sind die Hüterinnen der weiblichen Dessous (nicht von ungefähr leitet sich Corset vom französischen „corps“ her). Sie bewahren die in verschwiegenen Kabinen ermessenen Naturmaße ihrer Kundinnen tief in ihren vom „Trägerlosen“ geformten Busen.

Diese trägerlose Mode eben ist es, die dem Hemd zu Leibe rückt. Die Geburt des trägerlosen Mieders, die es dem schulterfreien Dekolleté verdankt, liegt nun schon einige Jahre zurück. Die Grenze der Tiefe, die der Trägerlose dem Ausschnitt ermöglicht, dürfte in dieser Frühjahrssaison erreicht sein. Seine Bestandteile (bei Vollschlanken allerdings problematisch): eine Handvoll Nylon oder Perlon und ein Stückchen Draht. Was daraus entsteht, könnte, wenn man es nur so in der Hand hält, Picasso angeregt haben. Am Körper dann offenbart das leichte Etwas letztes Raffinement erfindungsreicher Corsetieren. Es hält nun bombensicher und verrutscht nicht, trotz fehlender Träger, wenn es Maßarbeit ist und der stählerne Draht nicht zu weich und nicht zu spröde sich gebärdet. Der richtige Draht, das ist hier die Frage. Sie soll bei der augenblicklichen Rohstoffkrise gar nicht so leicht zu lösen sein.