Omei – war das ein trauriger Fasching, als ich noch jung war – so um 1890. Keine Konfetti, keine Watteballen, keine Papierbretschen, gar keine Juxarikel hat es damals gegeben. Wir tanzten am Ball nur harmlose Walzer – Schottisch – Mazurka – Polka und Française; nach dem Tanzen führten wir unsere Tänzerinnen an ihren Tisch, machten harmlose Witze und dergleichen oder und so weiter und so weiter.

Ja! Hätten wir damals Papierkugeln besessen, wie besessen hätten wir da unseren Nachbarn einige hundert Stück an den Kopf geschmissen und ins Essen hinein oder in das Bier- oder Weinglas. Und hätte sich der humorlose Herr darüber geärgert, hätten wir ihm noch eine Handvoll Konfetti in den offenen Mund geschüttet, daß er fast erstickt wäre. Jaja, die jetzige Faschingsgeneration hat es leicht mit der Unterhaltung. Einige „Nörgler“ behaupten zwar, es wäre eine Ungezogenheit, fremden Menschen staubiges Papierzeug ins Gesicht zu schmeißen, daß sie eine halbe Stunde lang nichts mehr sehen, aber jemand, der Humor versteht, findet eben gerade darin den Witz, wenn der andere gleich zum Augenarzt gehen muß, um sich die Faschingsreste von der vergangenen, „tollen“ Nacht mit der Pinzette aus den Augäpfeln herausholen zu lassen. Wie fad sind solche Mitmenschen, die sich am Faschingsdienstag auch noch darüber aufhalten, daß ihnen einer mit einer Papierbretsche ins Gesicht schlägt. Ja mit einem Eisenhammer wäre es schließlich kein Wit2, aber so mit einem harmlosen Pappdings kann doch wirklich kein Schaden angerichtet werden, höchstens kann einem das Augenglas entzweigeschlagen werden, dann soll halt ein so kaprizierter Mensch an so einem Tag zu Hause bleiben.

Daß der Münchner wirklich Humor besitzt, das sieht man alljährlich beim Faschingszug. Wie ausgelassen gebärdet er sich dabei, Heiterkeit und Fröhlichkeit kann er nicht zügeln. Und wenn auch Auswärtige behaupten, die Münchner benähmen sich beim Karnevalszug genau so wie bei einem Leichenzug, das, irritiert den Münchner nicht im geringsten, er läßt sich in seiner Gemütlichkeit und in seinem angeborenen Humor nicht bändigen, denn er weiß, nur einmal im Jahr ist Fasching – und da will und muß er lustig sein – wenn’s ihm auch schwer fällt.

Na, na, so leicht machen wir uns das auch nicht, daß wir einfach bloß hergehen beim Faschingszug und ’s Lachen und ’s Schreien anfangen. So einfach können wir das nämlich gar nicht, denn kaum reißt man den Mund auf zu einem fröhlichen G’schrei, bums, hat man schon von irgendeinem solchen Witzbold einen Haufen Konfetti ins G’schau hineingeworfen bekommen, daß es einem bis ganz hint im Halse stecken bleibt. Und wenn du zufällig noch eine Extra-Portion in die Augen kriegt hast, nachher schreist scho von ganz allein, wann dir der Sanitätsmann mit seiner Pinzetten die ganze Bescherung wieder einzeln unterm Augenlid hervorziagn muß!

Zum Spaß, mei Liaber, ist der Münchner Fasching net do, da hört sich der Spaß auf! Und amüsieren, wannst di willst, hältst halt heimgehn sölln, zu deiner Altn, die amüsiert si nacha scho, wanns dir die Konfetti aus deim Mantel und deine Hosentascherln und aus an jeden Knopfloch einzeln wieder.rausklaubn und bürstn ko!

Da siagst wieda: Ohne Konfetti gibt’s überhaupts ka Amüsement net. Denn heutzutag muß fei olls technisiert sei. Mit was, Herr Nachbar, sollts di vielleicht amüsiern, wannst net amol an Konfetti hast? Mit ’n Herzn? A, geh weiter mit so an Schmarrn! Zu was brauchst denn nachha no ´s Herz a, wannst scho an Konfetti hast......!

Aus dem Bande „Karl Valentins Panoptikum“, der demnächst aus Anlaß des 70. Geburtstages des verstorbenen Humoristen bei R. Piper & Co. erscheint. –