Am zweiten Jahrestag der Unterzeichnung des sowjetisch-chinesischen Bündnis-Abkommens fand ein demonstrativer Telegrammwechsel zwischen Stalin und Mao Tse Tung statt. Beide kommunistische Diktatoren versicherten sich ihrer Freundschaft. „Unser unerschütterliches Bündnis bedeutet ein unüberwindliches Bollwerk und eine sichere Garantie gegen die aggressiven imperialistischen Pläne.“ Kurz vorher hatte John Foster Dulles in einer Fernseh-Übertragung einen Vortrag gehalten, in dem er darauf hinwies, daß es nötig sei, das Chinesische Reich von der kommunistischen Herrschaft zu befreien.

Dieser Vortrag rief in London große Beunruhigung hervor, um so mehr, als gleichzeitig bekannt wurde, daß die Vereinigten Staaten es abgelehnt hatten, einer internationalen Untersuchung über die Vorgänge in Nordburma zuzustimmen. Es handelt sich hierbei um den Vorwurf, daß von amerikanischer Seite nationalchinesische Verbände, die an der chinesisch-burmesischen Grenze stehen, mit modernsten Waffen versehen werden.

Auch in Asien legt man allgemein dieses amerikanische Verhalten als den Versuch aus, den koreanischen Konflikt auf China auszudehnen. Die Neutralitätspolitik Nehrus gewinnt daher immer mehr an Boden. So steht denn auch die indonesische Regierung Sukiman nach zehnmonatiger Amtsdauer unmittelbar vor dem Sturz durch das Parlament, weil sie amerikanische USA-Hilfe annehmen wollte.

In London hat man gleichfalls mit Mißbehagen das Eintreffen einer japanischen Regierungsdelegation in Formosa bemerkt, die auf amerikanischen Druck mit der nationalchinesischen Regierung verhandeln soll. Daher mehren sich die Stimmen in Großbritannien, die verlangen, daß unmittelbar nach Abschluß eines Waffenstillstandes in Korea eine umfassende Fernost-Friedenskonferenz unter Hinzuziehung „aller interessierten Länder“ stattfinden soll.

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In Europa und Amerika galt die vergangene Woche den Vorbereitungen, zur NATO-Konferenz in Lissabon. Über ihre ersten Ergebnisse wird die nächste Woche Auskunft geben. Die Konferenz, die ursprünglich für den 16. Februar anberaumt war, wurde mit Rücksicht auf den Tod des englischen Königs auf den 20. Februar verlegt. In Lissabon wird die Aufnahme Griechenlands und der Türkei in den Atlantikpakt vollzogen werden; Keines der 12 NATO-Mitglieder hat hiergegen Einwände erhoben. Zu einem kurzfristig eingereichten Gesuch Portugals, Spanien in die NATO aufzunehmen oder ihr anzugliedern, erklärte Präsident Truman, er liebe das Franco-Regime nach wie vor nicht. Die Rolle, die Deutschland in der Europa-Armee spielen soll, konnte bis zum Beginn der Konferenz nicht geklärt werden.

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