Unter dem Titel „Hinter den Kulissen der Nachkriegszeit“ berichtet die Münchener Zeitschrift „Quick“ über die Nürnberger Prozesse. Sie schildert dabei die unheilvolle Rolle, die Robert Kempner damals gespielt hat. Die Darstellung ist sehr sachlich und genau. Wen wundert es also, daß dies für Robert Kempner recht unangenehm sein muß? Er hat daher eine Erwiderung eingeschickt, eine Darstellung der ersten Vernehmung des verstorbenen Staatssekretärs von Weizsäcker, eine Darstellung, die nicht mit Tinte, sondern mit Krokodilstränen geschrieben ist. Hier schildert er, den der große Schweizer Journalist Oeri wegen seiner Jagd auf Weizsäcker einen Menschenjäger genannt hat, wie erschüttert die Anklagebehörde gewesen sei, als sie Dokumente über Juden-Deportationen gefunden habe,’ auf denen die Paraphe des ehemaligen Staatssekretärs – stand. Und auch Herr von Weizsäcker sei bei dieser Vernehmung erschüttert gewesen. Über diese erste Vernehmung und überwiese allgemeine Erschütterung gäbe es, so behauptet Robert Kempner, ein authentisches Protokoll.

Hierzu stellen wir fest: Robert Kempner hat diese angebliche Vernehmung des Staatssekretärs von Weizsäcker im Prozeß nicht als Dokument, eingeführt, obwohl sie ihm doch sehr nützlich hätte erscheinen müssen. Erst jetzt, nach dem Tode des Staatssekretärs, kommt er mit diesem Protokoll hervor, das unglaubwürdig ist, weil Robert Kempner sich die Chance, es im Prozeß vorzulegen, niemals hätte entgehen lassen.

Aus dem dokumentarischen Bericht der Zeitschrift „Quick“ geht weiter hervor, daß Robert Kempner noch im Spätherbst 1934 preußischer Beamter war, zu einer Zeit also, zu der alle Beamten in Deutschland den Treueid auf den Führer und Reichskanzler geleistet hatten. Robert Kempner mag erklären, daß er vermieden habe, ihn zu schwören. Er wird nicht leugnen können, daß er in jenen Tagen alle Verbindungen eingesetzt hat – auch die Gestapo in der Person des Herrn Diels – nur zu dem einen Zweck: Hitler-Beamter bleiben zu dürfen.

Und eben dieses Verhalten eines Beamten warf er im Wilhelmstraßen-Prozeß den Beamten des Auswärtigen Amtes vor. Weil sie in ihren Stellungen geblieben waren, seien sie schuldiger als die schuldigsten Mitglieder der NSDAP, so argumentierte er. Der russische Dichter Turgenieff schreibt in seinen Gedichten in Prosa, die größte Gemeinheit, die es gäbe, sei, einem anderen die eigenen schlechten Taten und Eigenschaften vorzuwerfen. Robert Kempner hat auf einer solchen Handlungsweise seinen Prozeß und sein anschließendes Dasein aufgebaut.

Und eine solche Figur ist immer noch Mitglied der Frankfurter Anwaltskammer.

Richard Tüngel