Rlt., Krefeld, Ende Februar

Wiederholt konnte an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Jahren bewährte Leitungen mancher deutschen Zeche kohlewirtschaftlich und betriebswirtschaftlich Hervorragendes geleistet haben. Generaldirektor Kost wies erst in der letzten Beiratssitzung der Deutsche Kohlenbergbauleitung am 18. Februar darauf hin, welch große technische Fortschritte seit der Währungsreform untertage erreicht wurden. In diesem Zusammenhang war zu hören, daß zur Zeit bereits 25 v. H. der Kohleförderung, das sind also rund 100 000 t je Tag, in teil- oder vollmechanisierten Betrieben anfallen. In der deutschen Öffentlichkeit ist noch vielfach der Irrtum verbreitet, als ob alles, was im Bergwerk untertage geschieht, in Dunkel und Staub vor sich gehe. Daß die modernen und technisierten Zechen in 300 oder 600 m Tiefe heute auch schon in strahlendem Neonlicht liegen, daß ihre Bahnanlagen moderner, sauberer, heller und verkehrssicherer sind als die mancher „Übertage“-Verkehrseinrichtungen, daß der Verkehr der langen elektrischen Züge, deren Lok-Führer sogar Sprechfunk haben, in Stellwerken dirigiert wird, vor denen auch die Bundesbahn neidisch werden würde, und daß die modernen Kipp- und Schüttvorrichtungen dank großer Saugventilatoren praktisch staubfrei sind – das alles kann, nach Lage der Dinge, naturgemäß fast immer nur den Beteiligten selbst bekannt sein.

Was arbeitspsychologisch und betriebswirtschaftlich eine Modernisierung bedeutet, das war anläßlich der vor kurzem durchgeführten Inbetriebnahme der 600-Meter-Sohle bei der Steinkohlenbergwerk Friedrich Heinrich AG. in Kamp-Lintfort bei Krefeld/Moers zu sehen und zu hören. Diese neue 600-Meter-Sohle gilt als die modernste und leistungsfähigste Anlage des europäischen Kohlenbergbaues. Die technische und kaufmännische Leitung hat mit ihrem Aufsichtsrat in einer Team-Arbeit, 1941 beginnend, Teufung und Ausbau durchgeführt. Mit 2,1 Mill. t Zechenförderung 1951 wurden die Vorkriegsergebnisse praktisch erreicht bei einer 2-t-Tagesleistung je Mann und Schicht (gegen 1,45 t Ruhrdurchschnitt). Die bisher abgebaute Sohle ist nun ausgekratzt. Die neue hat eine Lebensdauer von etwa 40 Jahren, Die Modernisierung erreichte, daß jetzt nur noch 4 Mann, d. h. je 2 Mann in jeder Schicht, im „Füllort“ beschäftigt sind gegen 28 Mann auf der bisher in Betrieb gewesenen 450-Meter-Sohle. AEG, Siemens-Schuckert, Siemens & Halske und die Gutehoffnungshütte, Werk Sterkrade, haben bei der elektrischen, signal-, maschinen- und fahrzeugtechnischen Ausrüstung Vorbildliches geleistet.

Planung und Ausbau schreiten weiter fort. Eine neue zusätzliche Förderanlage ist vorgesehen, so daß die Zeche einmal 10 000 t je Tag wird fördern können, das sind über 3 Mill. t im Jahr. Aber dazu werden noch einige weitere Millionen DM gebraucht. Fremdmittel hat es bisher nicht dafür gegeben. Es mußte alles aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Daß dies ging, verdankt das Unternehmen nicht nur seinen günstigen geologischen Verhältnissen, sondern auch der jahrzehntelangen Planung, wie sie den im Familienbesitz befindlichen Werken oft eigen ist. Man kann sagen, trotz oder auch wegen dieser Politik vermag das Unternehmen noch für das Jahr 1951 auf sein AK von 44 Mill. DM eine Dividende von wieder 6 v. H. auszuschütten. So beschloß es die Hauptversammlung am 28. Februar 1952.