Die mangelhafte Materialversorgung der blechverarbeitenden Industrie ist längst kein Geheimnis mehr. Sie fängt bei den Grobblechen für den Schiffbau an, drückt sich in der schlechten Belieferung mit Karosserieblechen für die Automobilindustrie aus und erstreckt sich auch auf die sehr exportintensive Spielwarenindustrie. Den Entlassungen von Werftarbeitern folgt jetzt bereits die Einführung der Kurzarbeit im Volkswagenwerk, das allein im Januar infolge des Karosserieblechmangels von 4300 Exportaufträgen nur 2600 erfüllen konnte ...

Unter diesen Aspekten berührt es merkwürdig, daß die Bundesregierung bereits am 1. April neue Kraftfahrzeugkennzeichen einführen und dafür einige hundert Tonnen Feinblech verwenden will. Natürlich ist es verständlich, daß man sich in Hamburg über das wieder in Aussicht stehende „HH“ und in Berlin über das traditionelle „IA“ freut. Muß diese Änderung aber sein? Muß es sein, daß die Wagen der Bundesregierung, des Bundestages und des Bundesrates ein eigenes Zeichen „BD“ erhalten? Und warum müssen denn die Landesregierungen ein besonderes Kennzeichen haben? Mit den neuen Kraftfahrzeugkennzeichen wird wohl die Herausgabe eines gedruckten Leitfadens verbunden sein, damit man feststellen kann, daß die Buchstaben „HEI“ Norderdithmarschen“ und „NUM“ Neumünster bedeuten? Dabei könnten 2000 Kleinwagen aus diesem Blech entstehen.

Geistiger Vater dieser Idee ist das in solchen Fällen immer sehr rührige Bundesverkehrsministerium. Es verbrauchte für seinen Plan bereits eine Fülle von Zeit und Kraft und beschäftigte die einzelnen Länderverkehrsminister ausgiebig damit. Offensichtlich sprach es sich bis zum Bundesverkehrsministerium noch nicht herum, daß überall in Westdeutschland der Feinblechmangel rückläufige Umsätze bringt und sich Hunderte, von Einkäufern der blechverarbeitenden Industrie vergeblich um Feinbleche bemühen.

Enttäuschend ist, daß sich sogar im Bundesrat eine Mehrheit für diese Blechvergeudung und Ankurbelung der Verwaltungsbürokratie gefunden hat, die ja bis zum letzten Polizei angestellten reicht und überflüssige Geldausgaben bis zum Motorradbesitzer nach sich zieht. Letzte Hoffnung muß man nun auf den Bundestag setzen, der am 29. Februar über die neuen Nummernschilder abstimmen soll. Ob sich dabei wohl eine Mehrheit einsichtsvoller Abgeordneter findet, die diese Verordnung des Bundesverkehrsministeriums stillschweigend verschwinden läßt. ww.

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