Die vergangenen zwei Wochen (11. bis 23. Februar) standen im Zeichen lustloser Börsen mit kleinem Geschäft zu nachgebenden Kursen. Selbst die guten Zahlen aus dem Hoesch-Konzern die am 11. Februar anläßlich der Gründungen der neuen Gesellschaften des Konzerns (siehe „Die Zeit“ vom 21. Februar) herauskamen, brachten keinen Schwung in das Börsengeschäft. Am ersten Montag der Berichtszeit (11. Februar) begann das Geschäft zwar noch zu unverändert festen Kursen, im weiteren Verlauf der Börse wurde die Tendenz jedoch leichter und bei zunehmender Geschäftslosigkeit bröckelten die Kurse ab. Außenpolitische Fragen beeinträchtigten die Neigung zu weiteren Engagements; Diese lustlose Tendenz setzte sich auch in den folgenden Tagen fort. Gelegentlich traten gegen Schluß der jeweiligen Börsentage auf Rückkäufe hin kleine Kursbefestigungen ein; das herauskommende Material war aber nur gering. Erst am Ende der Börsenwoche (15. Februar) waren stärkere Kursrückgänge vor allem durch größere Abgaben an der Frankfurter und Düsseldorfer Börse, zu verzeichnen. Man nahm an, daß diese Abgaben bestehende Kreditengagements glattstellen sollten.

Die Kursrückgänge für Montanwerte betrug in der Woche bis zu 22 Punkten. Die Aktienkurse der Gutehoffnungshütte notierten 213 gegen 230, der Vereinigten Stahlwerke ebenfalls 213 gegen 230, der Mannesmannröhren-Werke 161 gegen 178, der Hoesch A.G. 198 gegen 220, der Klöckner A.G. 208 gegen 230 und der Rheinischen Stahlwerke 180 gegen 200. Auch die anderen Aktiengruppen wurden von der schwachen Tendenz erfaßt und hatten mehrprozentige Kursrückgänge.

Am Anfang der vergangenen Woche zeigten sich die Montanwerte bei ruhigem Geschäft etwas fester. Die darauf verstärkt eingehenden Kauforders belebten am Dienstag (19. Februar) das Geschäft und führten besonders am Montanmarkt zu mehrprozentigen Kurssteigerungen. Im Verlauf dieser Börse jedoch wurde es nach Ausbleiben weiterer Kauforders ruhiger und die Kurse gaben erneut nach. Diese rückläufige Tendenz beherrschte auch die weiteren Tage der vergangenen Woche. Die nur geringen Verkauforders genügten, um die Kurse täglich weiter herabzusetzen, weil jegliche Aufnahmebereitschaft fehlte.

Dieses Zurückspielen der Kurse kann gegenüber den starken Kurssteigerungen in den vergangenen Monaten als Gesundungsprozeß verstanden werden. Es ist nur zu natürlich, daß sich nach der erheblichen Aufwärtsbewegung nun die Neigung zu Realisationen stärker durchsetzte. Im ganzen gesehen zeigten sich die Kurse jedoch widerstandsfähig und es ist zu erwarten, daß gerade das Ausland nach Lösung und Klärung der außenpolitischen Probleme erneut als Käufer am Aktienmarkt auftritt. Die Nachrichten über die allgemeine Wirtschaftslage sind jedenfalls nicht dazu angetan, Baisseengagements zu unterstützen, Kohlenförderung und Eisen- und Stahlerzeugung erreichten einen neuen Höchststand. Auch die kontinuierliche Konjunkturentwicklung im Sinne einer wachsenden Stabilisierung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse sollte weiterhin eine freundliche Grundstimmung an der Börse gewährleisten. So gesehen können. Rückgänge der Aktienkurse an der Börse im Zusammenhang mit den Preisabschlägen an den Rohstoffmärkten positiv bewertet werden. W. H. E.