„...Alles, was die AUTO UNION an Fabriken besaß, hat sie im Osten Deutschlands verloren. Und wenn man von ihren leitenden Männern hört, wie sie mit ihren Ingenieuren und den wichtigsten Facharbeitern schwarz über die Grenze gekommen sind, wie es gelungen ist, hier im Westen wieder eine ansehnliche Produktion auf die Beine zu stellen, dann hat man davor einen großen Respekt und gewinnt die Zuversicht, daß auch die allgemeinen Engpässe und Schwierigkeiten überwunden werden...“

(Aus einer Rede des Bundeskanzlers Dr. Adenauer in Osnabrück, April 1951)

Der Name AUTO UNION, der die Marken DKW, Audi, Horch und Wanderer-Automobile umfaßte, war ein Weltbegriff; die Vier Ringe galten als Qualitätszeichen deutscher Kraftfahrzeugindustrie. Die AUTO UNION selbst, das ehemals größte Werk Sachsens, war zugleich die größte Motorradfabrik der Welt; der Name DKW wurde zum Symbol für den Zweitakter.

Den DKW-Werken, die vor dem Zusammenschluß der AUTO UNION (1931) als Zschopauer Motorenwerke A.-G. firmierten, kommt das unbestreitbare Verdienst zu, den Zweitaktmotor erst zur Reife und Geltung gebracht zu haben. Denn obgleich der Zweitakter die Urform aller Verbrennungsmotoren war, fand doch zunächst der Viertakter fast alleinige Verwendung. Sein wesentlich komplizierterer Aufbau wurde in Kauf genommen, weil die Probleme exakter Gasstromführung und Wärmeableitung beim Zweitakter mit den damals bekannten Mitteln kaum zu lösen waren. So ist es wirklich, als bedeutungsvolle Pionierleistung zu bezeichnen, daß die Zschopauer Motorenwerke dem Zweitakter erst zu ernsthaftem Ansehen verhalfen, seine Vorzüge als kleinvolumiger Antriebsmotor vor allem für Motorräder unter Beweis stellten und die Literleistung von Serienmotoren von ursprünglich 10 PS schon vor dem Kriege auf nahezu 40 PS steigerten. Die Zuverlässigkeit des Zweitakters, seine verblüffend einfache Bauart, seine Willigkeit im Abspringen, seine Unempfindlichkeit im Treibstoff, seine Winterfestigkeit, sein Temperament und seine Verschleißfestigkeit, das waren die Voraussetzungen, unter denen DKW in unverhältnismäßig kurzer Zeit alle Motorradfabriken der Welt überflügeln konnte.

Der nächste Schritt zu einem DKW-Kleinwagen war naheliegend. Und wirklich: auch hier zeigte der DKW-Zweitakter erhebliche Vorzüge. Zudem folgten bald weitere Pionierleistungen: DKW -Umkehrspülung (Patent Schnürle), Flachkolben, Dynastart (kombinierte Zünd-Licht-Anlasser-Anlage), Frontantrieb, Freilauf, „Schwebeachse“ und vieles andere mehr, die DKW bald berühmt machten.

Und dann kam der Krieg und der Zusammenbruch Deutschlands. Das Ende der AUTO UNION schien gekommen zu sein; denn alle Werke lagen ja in der sowjetischen Besatzungszone. Es dauerte. auch nicht lange, da wanderten Werkzeugmaschinen, Fabrikationseinrich- tungen und Konstruktionszeich- nungen nach Rußland. Der Rest der Werke wurde als „volkseigen“ erklärt. Was wurde nicht alles vernichtet! Die große Arbeitsgemeinschaft der AUTO UNION, die sich aus den Technikern, Kaufleuten und Arbeitern zusammensetzte, die ehemals so große Inlands- und Auslandsverkaufsorganisation, die unschätzbaren ideellen Werte, die Erfahrungen im Zweitaktbau, alles dies schien endgültig verloren.

Es klingt heute, nach kaum drei Jahren, schier unfaßbar, daß lediglich unternehmerische Initiative es ermöglichte, sozusagen mit nichts, ohne Mittel, ohne Gebäude, ohne Maschinen im Jahre 1949 die AUTO UNION im Westen wieder zu reaktivieren. Als es sich aber herumsprach, daß in Ingolstadt das Symbol der Vier Ringe neu aufgepflanzt wurde, da meldeten sich aus sämtlichen Teilen Deutschlands, aus allen Besatzungszonen die in alle Winde zerstreuten alten, maßgeblichen Mitarbeiter und erklärten sich bereit, sich der neuentstehenden AUTO UNION mit Leib und Seele zu verschreiben. Alte AUTO UNION-Leute und DKW-Kämpen begannen mit den bescheidensten Mitteln und unter Hintansetzung aller persönlichen Vorteile und Zielsetzungen. So wurden in Ingolstadt ehemalige Festungsbauten notdürftig vorgerichtet. Die erfahrenen DKW -Konstrukteure schufen aus den bewährten DKW -Typen neue, noch bessere und modernere Motorräder. Ein neues, auf DKW beschränktes Fertig gungsprogramm entstand. Dieses umfaßte zunächst das 125-ccm-Motorrad, Typ RT, eine besonders glückliche Konstruktion, die schon vor dem Kriege im In- und Ausland als Spitzenfabrikat anerkannt war. Bezeichnend ist, daß die ausländische Konkurrenz, darunter Firmen wie Harley Davidson, BSA und andere, diesen Typ kopierte. 1951 wurde das DKW-Motorradprogramm um die RT 200 erweitert; 1952 geht die DKW RT 250 in Serienfertigung, eine starke, sportliche Maschine für verwöhnteste Ansprüche.