Daß es ohne Nationalsozialismus keine deutschen Autobahnen gäbe, ist die eine These, Die andere, daß die Autobahnen nicht gebaut worden wären, wenn Hitler nicht 1933 in den siebenjährigen Vorarbeiten der HAFRABA (Autobahnplan: Hansestädte – Frankfurt – Basel) eine startreife Aufgabe größten Formats für die Arbeitsbeschaffung zur Hand gehabt hätte, Beide Thesen sind so richtig wie falsch. Die HAFRABA war Wegbereiter, der autoritäre Staat der großzügige Bauherr. In diesem Nacheinander bedeutete die Gründung der HAFRABA im Jahre 1926 Auflehnung gegen die staatliche Indolenz gegenüber den Bedürfnissen der rapide um sich greifenden Motorisierung des Verkehrs und den ersten Versuch der Selbsthilfe.

Das Programm der HAFRABA – die durchgehende Autobahn von den Hansestädten über FR Ankfurt nach B Asel – stieß damals in der Öffentlichkeit fast nur auf kritische Skepsis, Utopie war ein mildes Wort, und die Gläubigen waren dünn gesät. Doch war dieser Plan einer ersten kontinentalen Autofernverkehrsstraße, deren Anschlüsse nach Norden und über die Schweiz an die norditalienischen Autobahnen von vornherein in die Planung einbezogen waren, lebendige Wirklichkeit und Zukunft. Das bewies die Entwicklung der HAFRABA: Ihr Selbsthilfevorstoß mit den Erkenntnissen, die in ihren Ausschüssen erarbeitet wurden, wies dem motorisierten Verkehr ungeahnte Möglichkeiten: Beschleunigung, Sicherheit, Verbilligung. Die „Utopie“ von 1926 wurde so zur selbstverständlichen Forderung! Bevor die retardierenden Kräfte für den großen Gedanken gewonnen werden konnten, brachte die Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre aber einen empfindlichen Rückschlag. Er bedeutete jedoch nur: Warten, Denn daß die Autobahnen kommen mußten, konnte als Ergebnis der HAFRABA-Vorarbeit als sicher gelten. Heute wirkt die Vorstellung eines Deutschland ohne Autobahnen wie eine Utopie mit negativen Vorzeichen.

Das deutsche Netz ist unvollendet geblieben; wichtige Teile und Hauptstrecken fehlen. Daß es vollendet werden muß und wird, steht außer Frage. Heißt es wieder: Warten? Jedes Warten kostet dem Verkehr unerrechenbare Betrag. Wieder wie vor 25 Jahren versagt sich die höchste Autorität; heute nicht aus mangelndem Verständnis, sondern wegen fehlender finanzieller Kraft: Der Bund ist noch nicht in der Lage, aus Bundesmitteln die Milliarden zu geben, die die Vollendung des Netzes erfordert. Die gesunde Resonanz der deutschen Wirtschaft ist der Ruf nach Selbsthilfe. Wie sie im einzelnen aussehen wird, ist eine Frage ihrer Organisation. Entscheidend ist die Sammlung aller materiellen und geistigen Kräfte, die die rasche Vollendung des deutschen Netzes für eine nationale und europäische Aufgabe erster Ordnung halten,

Daß Selbsthilfe nur Wegbereitung und nicht Vollendung bedeuten kann, liegt auf der Hand, Es ist daher zu begrüßen, wenn sich führende Männer aus Wirtschaft und Verkehr in Erinnerung an die erfolgreiche Tätigkeit der ersten HAFRABA mit dem Plan befassen, die HAFRABA wieder ins Leben zu rufen, damit sie sich dieses Mal die Vollendung des deutschen Netzes zum Ziel setzt. Kurt Vermehren