Die Forderung des englischen Schatzkanzlers Fuder auf eine wesentliche Exportsteigerung noch im laufenden Jahr kann in der auf dem System der Vollbeschäftigung basierenden und auf Hochtouren laufenden Wirtschaft nicht ohne ernste Schwierigkeiten erfüllt werden. Drei Methoden sollen angewendet werden, die alle auf Kosten der Substanz und des heimischen Bedarfs gehen. Erstens: die Beschränkung von industriellen Neuanlagen, sowohl im Bau von Fabriken als auch in der Erweiterung von Kapazitäten und Ausrüstungen, so daß der normale Zuwachs an Produktionsgütern nunmehr exportiert werden soll; zweitens: die Beschränkung des heimischen Verbrauchs an technischen Erzeugnissen aller Art im Einvernehmen mit den Branchenorganisationen (hauptsächlich sollen dadurch Einsparungen an Fahrzeugen und Motoren zugunsten des Exports erreicht werden); drittens: die Zuteilung von Stahl und Rohstoffen in erster Linie zugunsten der Exportindustrien und nach Aufschlüsselung entsprechend der Exportleistung des einzelnen Betriebes, ergänzt durch die Möglichkeit, Verwendungsverbote für knappe Materialien auf Güter des heimischen Bedarfs auszudehnen.

Die Feststellung zusätzlicher Möglichkeiten für Exportproduktionen trifft bei technischen Fertigungsgebieten auf beträchtliche Schwierigkeiten, denn sie muß die individuelle Lage von Einzelfirmen berücksichtigen. Unmittelbare Erfolge erhofft man vor allem von der Automobilindustrie, und zwar zusätzliche Exporte in Höhe von 50 Mill. £ noch im laufenden Jahr, das heißt ein Drittel der insgesamt angestrebten Ausfuhrmehrerlöse in Höhe von 150 Mill. £. Im nächsten Jahr rechnet man sogar mit noch höheren Erfolgen der englischen Autoindustrie, wenn der Weltbedarf nicht plötzlich schrumpft und wenn genügend Feinblech da ist, das die Regierung, je nach Beurteilung der Exportaussichten, verteilt.

Im allgemeinen Maschinenbau herrscht eine gewisse Skepsis darüber, daß noch in diesem Jahr das Exportvolumen um 100 Mill. £ erhöht werden könne. Kurzfristig zu erhöhende Lieferungen setzen auch kurzfristig mögliche Produktionen voraus, bei denen die Umstellung vom Inland- auf den Auslandbedarf nicht allzu schwierig sein darf. Das schließt gewisse Fertigungsgebiete mit „Maßarbeit“ und langen Bauzeiten aus, wie zum Beispiel Elektrogeneratoren mit einer Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren (einschließlich von Konstruktionsplänen). Ebenso erfordern Elektromotoren gewisse Umstellungen auf die im Ausland gebräuchlichen Zyklenzahlen und Standards, so daß sich die Bemühungen auf standardisierte technische Ausrüstungen konzentrieren, wie etwa Werkzeugmaschinen, maschinelle Werkzeuge, Krane, Verladegeräte, Kompressoren, Explosionsmotore, bestimmte Typen von Boilern und Dampfmaschinen^ wo überall kleinere Änderungen relativ leicht durchgeführt werden können. Ferner wird der britische Export-Drive sich fühlbar machen bei Büromaschinen, Fahrrädern und Textilmaschinen, wobei man Exporterhöhungen besonders bei Webstühlen erreichen zu können glaubt. Bei bestimmten Gütern ist eine Exportsteigerung nicht mehr möglich, wie etwa bei Bergwerksmaschinen (besonders für NE-Metalle) und bei Plantagenausrüstungen, wo der Exportanteil ohnehin 80 bis 90 v. H. beträgt. Die große Leistungskraft der englischen Industrie, deren Exportwert im Vorjahr 7 Mrd. $ betrug (gegen knapp 3,5 Mrd. $ der Bundesrepublik), läßt die Verwirklichung der Ziele jedoch durchaus als erreichbar erscheinen. EOG.