DIE ZEIT

Die bisherige konsequente Absage der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels an den Mittelstandsblock scheint ihre Früchte zu tragen, wenn man die zweitägigen Verhandlungen des Präsidialrates der Hauptgemeinschaft mit den Partei- und Fraktionsvorständen der Regierungskoalition in Bonn so bezeichnen will. Allein acht Bundesminister, unter ihnen Vizekanzler Blücher, Prof. Erhard, Dr. Schäffer und Dr. Dehler, ließen sich ausgiebig über die wirtschaftspolitischen Wünsche des Einzelhandels unterrichten und sagten für die Zukunft ihre Unterstützung zu. Die Hauptgemeinschaft hat den Bonner Politikern einen Katalog von aktuellen Einzelproblemen vorgelegt, in dem eine Regelung unter anderen der Gewerbezulassung, des Werk- und Behördenhandels, des Genossenschaftswesens, der Mietpreisfreigabe, der Steuerpolitik und des Mitbestimmungsrechtes im Sinne einer Förderung mittelständischer Einzelhandelsbetriebe gefordert wird.

Besonders erfreut sollen sich – wie von der Hauptgemeinschaft in Köln zu hören war – die Politiker darüber gezeigt haben, daß der Einzelhandel den Gedanken einer politischen Separierung nach wie vor ablehnt. Das von der Hauptgemeinschaft als günstig bezeichnete Ergebnis ihrer Bonner Verhandlungen beweist, wie relativ leicht es gelingt, unter dem Eindruck einer gefährlichen politischen Entwicklung den Politikern eine Zusage für eine künftig realistischere Wirtschaftspolitik „abzuringen“. Mit einer bloßen Zusage ist freilich noch nicht viel erreicht. Der Einzelhandel kann zum Beispiel noch immer das Faustpfand seiner bisherigen Ablehnung des Mittelstandsblocks ausspielen, falls die Bonner Besprechungen ohne sichtbaren Erfolg bleiben sollten. In jedem Falle sollte man sich aber vergegenwärtigen, daß die Wirtschaftspolitik immer nur als ein Ganzes und nie als eine mehr oder weniger gute Summierung von solchen Einzelmaßnahmen behandelt werden kann, die einen wirtschaftlichen und politischen Kompromiß mit diesem oder jenem Zweig der Volkswirtschaft darstellen. Dü.