Das Wort „Akademie“, ursprünglich der Name für Platons Athener Hochschule – der umfassenden und dem unmittelbaren Nutzen abgewandten, der strengsten, die es je gab – ist in neueren Jahrhunderten immer dort als Titel verwendet worden, wo man (in Florenz, in Paris, in London, in Berlin) ein Dach über die Einzelkammern der Wissenschaften wölben wollte. Trotzdem ist für uns die Bezeichnung „akademisch“ fast gleichbedeutend mit „fachwissenschaftlich“. Die immer weiter getriebene Spezialisierung macht den Überblick über das Ganze immer schwerer – für den Gelehrten und, noch viel mehr, für den Studierenden. Jeder, Versuch, der Zerfächerung zu begegnen, ist daher mit Freude aufzunehmen, schon darum, weil das bloße Fachstudium, leicht auch ein bloßes Brotstudium wird und mit dem sachlichen Zusammenhang der Wissenschaften auch die Wirklichkeit der Bildung verblaßt.

Das neue Stichwort für die Behebung der Not heißt Studium generale. Es gemahnt nicht mehr an die Akademie, sondern an die „Artistenfakultät“ der alten Universitäten, die jeder speziellen Ausbildung vorgeschaltet war. Studium generale ist der Titel der jetzt im 5. Jahrgang stehenden, im Springer-Verlag (Berlin–Göttingen–Heidelberg) erscheinenden „Zeitschrift für die Einheit der Wissenschaften im Zusammenhang ihrer Begriffsbildungen und Forschungsmethoden“, deren Lektüre sich inzwischen als unentbehrlich für jeden Wissenschaftler, ja auch für jeden Publizisten mit Sinn für Verantwortung erwiesen hat. Studium generale ist nun zum ersten Male auch der Abschnittstitel in einem Vorlesungsverzeichnis: für das kommende Sommer-Semester kündigt die Universität Hamburg ein Studium generale an.

Zwar, Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten gab es schon überall und seit langem. Aber was in Hamburg auf die Initiative Bruno Snells, des Rektors, unternommen wird, geht nun einen wesentlichen Schritt weiter. Hier soll dem Studenten „der Ausblick auf das Ganze wissenschaftlicher Bemühungen geöffnet“ und „der Zugang zu den gemeinsamen, das ganze Geistesleben bestimmenden Fragen und Inhalten erleichtert“ werden. – Zwei neuartige Einrichtungen machen diese Absicht deutlich. Da ist einmal die „Ringvorlesung“: Hervorragende Vertreter aller Fächer (zum Beispiel Pascual Jordan, Richard Bürger-Prinz, Rudolf Laun) werden nacheinander über „Verantwortung in der Wissenschaft“ sprechen. Zum anderen sind Kolloquien mit Männern des öffentlichen Lebens vorgesehen: Ernst Friedländer wird ein politisches, Martin Beheim-Schwarzbach ein Kolloquium über „Gutes Deutsch“ leiten.

Was hier geschieht, ist der Anfang eines Weges. Er sollte nicht nur in Hamburg beschritten werden. cel.