Alle Hoffnungen, in diesem Jahr endlich die Bereinigung des westdeutschen Messewesens zu erleben, blieben unerfüllt: in dieser Woche nahm die Reihe der Frühjahrsmessen mit Hannover ihren Anfang. Der Frühjahrsmesse in der Niedersachsen-Hauptstadt wird sich die Kölner Messe anschließen, die von Frankfurt abgelöst werden wird. Und in den nächsten Wochen und Monaten ergießt sich dann eine Flut von Messen und Meßchen mit mehr oder weniger geringer Bedeutung über alle Teile der Bundesrepublik. Jede hält sich für besonders repräsentativ und erwartet von den Firmen der entsprechenden Branche „selbstverständlich“ eine Beteiligung. Steht der deutsche Interessent dieser Vielfalt schon verwirrt gegenüber, so wirkt dieses Bild auf den ausländischen Besucher doch absolut negativ...

Bei dem ersten Teil der diesjährigen Deutschen Industriemesse in Hannover, die als Mustermesse am 27. Februar eröffnet wurde, sind Aussteller aus 60 europäischen und überseeischen Staaten anwesend. Die Ausstellerzahl liegt bei 2500, unter ihnen befinden sich allein 1200 Ausländer. Besonders erfreulich ist es, daß die Zahl der im Süden der Bundesrepublik beheimateten Aussteller erheblich zunahm. So stieg die Zahl der bayerischen Firmen von 198 auf 247, die der hessischen von 89 auf 104, der aus Württemberg-Hohenzollern kommenden Aussteller von dreizehn auf 26 und der aus Südbaden von 15 auf 17. Die Zahl der niedersächsischen Aussteller erhöhte sich von 146 auf 208. Die Hamburger Ausstellerzahl stieg von 37 auf 43. Aus Berlin kommen 45 (29), aus Schleswig-Holstein 40 (25) und aus Bremen 28 (9) Aussteller. Die Industriegruppen Porzellan, Glas und Keramik mit 228 Ausstellern und Schmuck- und Silberwaren mit 124 Ausstellern zeigen ihr Angebot in diesem Jahr geschlossen nur in Hannover, und es ist in einem Umfang vertreten, der von kaum einer europäischen Messe überboten werden kann: Aber auch in Textilien, Nahrungs- und Genußmitteln, Papierausstattung, Raucherbedarf und vielen anderen Gruppen der Konsumgüterindustrie weist Hannover ein abgerundetes Angebot auf. we.

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Der zentrale Markt der Konsumgüter, den die Kölner Messe repräsentiert, erhält sein Kennzeichen vor allem durch die gegenseitige Ergänzung der einzelnen Branchen. Dieses Angebot wird eindeutig von der Nachfrage bestimmt. Die-Kölner Messe darf man trotz ihrer Teilung in Textilmesse (2. bis 4. März) und Haushalt- und Eisenwarenmesse (9. bis 11. März) hinsichtlich ihrer marktpolitischen Bedeutung nicht trennen. Zwischen beiden Hauptgruppen besteht ein enger wirtschaftlicher Zusammenhang, denn die messepolitischen Erwägungen in Köln laufen darauf hinaus, eine Reihe leistungsfähiger Fachmessen zu schaffen, die in den einzelnen Wirtschaftszweigen als zentrale Verkaufsveranstaltungen gelten. Diese Geltung besitzen bereits die Textilmesse sowie die Haushalt- und Eisenwarenmesse. In diesem Jahr wird die Bedeutung noch verstärkt werden durch die Möbelfachmesse vom 21. bis 24. März. Die Zahl der Aussteller für die Möbelmesse beläuft sich auf über 600. Auch die Kölner Photokina, Internationale Photo- und Kino-Ausstellung (26. April bis 4. Mai) hat sich einen wichtigen Platz im Kreise der deutschen und ausländischen Interessenten geschaffen. Das offizielle Interesse seitens der USA-Regierung kommt darin zum Ausdruck, daß der Direktor für Photo- und Kino im – US-Wirtschaftsministerium, Nathan D. Golden, bereits seinen Ausstellungsbesuch anzeigte. D.

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Mit 3500 Ausstellern aus 59 europäischen und überseeischen Ländern stellt die Internationale Frankfurter Frühjahrsmesse vom 9. bis 14. März wohl die umfassendste Repräsentation der Konsumgüterwirtschaft in der Bundesrepublik dar. Sie wird mit der Teilnahme von über 1500. ausländischen Firmen in besonderem Maße berufen sein, einen Überblick über das internationale Leistungsniveau zu geben und dem zwischenstaatlichen Güteraustausch zu dienen. Als deutsche Mustermesse und Exportschaufenster der deutschen Wirtschaft für Fertigwaren und Konsumgüter erhält die Frankfurter Messe ihr Profil durch das Angebot von 2000 namhaften deutschen Firmen aus allen Herstellungszweigen. Die Beschickung von 32 Branchen, zu denen im Frühjahr auch fünf Warengruppen für technischen Bedarf gehören, hat dazu geführt, daß das Fassungsvermögen der 15 Hallen und elf Pavillons mit 80 000 Quadratmeter gedeckter Fläche sowie einem Freigelände von gleicher Größe voll in Anspruch genommen ist. E.