Seit Indien seine Unabhängigkeit erhalten hat, ist die indische Regierung bestrebt, auch die letzten Überreste westlicher Kolonialherrschaft zu beseitigen, die sich heute noch in den portugiesischen und französischen Enklaven an der Ost- und Westküste des indischen Subkontinents erhalten haben. Während die portugiesische Regierung keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß sie nicht daran denkt, freiwillig auf Goa, Daman und Diu zu verzichten, erklärte die französische Regierung scheinheilig, daß sie bereit sei, die Frankreich gehörenden Niederlassungen in Pondicherry, Yenam, Karikal und Mahé an Indien abzutreten, wenn sich die Bevölkerung dieser vier Niederlassungen in Volksabstimmungen für einen Anschluß an Indien entschiede.

Pondicherry ist die Hauptstadt Französisch-Indiens, das mit seinen 513 qkm, auf denen 330.000 Einwohner leben, das kleinste Territorium Frankreichs in Asien ist. Frankreich führt die Regierungszügel in diesem Territorium mit sehr weicher Hand. Der französische „Kommissar der Republik“ überläßt die örtliche Regierung völlig den Einheimischen, die auch als vollberechtigte französische Staatsbürger durch Abgeordnete in der Nationalversammlung in Paris vertreten sind. Die fremde Staatsangehörigkeit ist das einzige, was die Bewohner des Stadtstaates von der sie umgebenden indischen Bevölkerung unterscheidet, die das Gebiet von Pondicherry ohne französische Grenzformalitäten betreten und verlassen kann. Da Pondicherry außerdem einen Hafen besitzt, in dem nur sehr geringe Abgaben erhoben werden, und für den sich die Behörden wenig interessieren, blüht der Schmuggel mit dem indischen Hinterland, wo hohe Einfuhrzölle gelten. Die indischen Polizeibeamten versuchen vergeblich, das Loch zu stopfen.

Was für Pondicherry gilt, trifft auch für Karikal, Yenam und Mahé zu. Es ist daher verständlich, wenn die indische Regierung immer wieder fordert, daß diesem Zustand, durch den nicht nur ihr Prestige, sondern auch die indische Wirtschaft geschädigt wird, durch einen „Anschluß“ der Garaus gemacht werden muß. Doch ist es ebenso verständlich, daß die Bevölkerung, obwohl sie sich der Rasse, der Sprache und der Religion nach in nichts von ihren indischen Nachbarn unterscheidet, keineswegs anschlußfreudig ist, denn der „Anschluß“ würde automatisch den Schmuggel als Quelle des Verdienstes und Wohlstandes versiegen lassen. Darum hat die französische Regierung in diesem Teil der Erde keine. Sorge vor Volksabstimmungen, die überdies bereits bei früheren Gelegenheiten das erwartete Resultat einer Ablehnung des „Anschlusses“ brachten. E.K.