Ende Februar 1952 stehen den 536 000 Dortmunder Einwohnern wider rund 126 000 Wohnungen zur Verfügung. Das bedeutet, daß seit 1945 über 80 000 Wohnungen wiederhergestellt oder neu gebaut worden sind, davon über 50 000 seit der Währungsreform. 160 000 Wohnungen waren 1939 für die 540 000 Köpfe zählende Bevölkerung vorhanden. Der Bombenkrieg hat 46 000 Wohnungen völlig zerstört und 71 000 Wohnungen bis zu 60 v. H. beschädigt. Die Bevölkerung war infolge Wehrmachtdienst, Evakuierung oder Flucht auf etwa 300 000 Personen zurückgegangen. Aber der Selbsterhaltungstrieb erforderte bald die ersten Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten. Das Leben richtete sich wieder ein.

An das Wohnungsamt wurden 1946 die stärksten Anforderungen gestellt, als 57 000 Familien mit 161 000 Personen Zuweisungen von Wohnungen wünschten. Heute sind es noch 21 000 Familien, die für 60 000 Personen Wohnraum suchen. Darunter befinden sich 1500 Familien, die mit je vier oder mehr Personen in einem einzigen Raum leben müssen. Wenn man weiß, daß Tuberkulosekranke und Gesunde oft sogar die Bettstatt teilen, dann wird das ganze Elend mit Seinen sittlichen und gesundheitlichen Gefahren klar. In den 126 000 derzeitigen Wohnungen sind aber noch fast 10 000 Behelfs- und Not-Gartenlauben, Baracken, Gastwirtschaften oder Schulen befinden.

Dortmund gehört trotzdem zu den Städten, die im Wohnungsneubau an der Spitze stehen. Dabei verfügt es nicht einmal über gleich hohe Mittel wie Regierungsstädte oder Stadtstaaten. Auch ECA-Mittel haben bisher den Dortmunder Wohnungsbau nicht gefördert. Die Stadt ist deswegen nicht einmal böse, weil sie im Falle von Zuweisungen derartiger Mittel aus eigenem Etat hätte erheblich mehr beisteuern müssen. Dieses Opfer wird sie jetzt aber doch auf sich nehmen, weil im Zusammenhang mit dem Bergarbeiter-Wohnungsbau in diesem Jahr auch nach Dortmund ECA-Mittel fließen werden. Die großen Bergwerksgesellschaften planen hier den Bau von fast 8000 Bergarbeiterwohnungen. Das Opfer wird der Stadt leichter, weil die mit den ECA-Beihilfen verknüpfte Bedingung, daß die Bauten nach gewisser Zeit Eigentum der Wohnungsinhaber werden müssen, auf der Linie der Wohnungsbaupolitik der Stadt liegt.

Vor der Währungsreform mußte es den Inhabern der beschädigten Wohnungen überlassen bleiben, selbst Mittel und Wege -ausfindig zu machen, um die Kriegsschäden zu beseitigen. Nur Betriebe, wie der Bergbau, mit Kompensationsmöglichkeiten konnten für ihre Belegschaften einige Neubauvorhaben starten. So waren am Tage der Währungsreform nur 74 000 unbeschädigte oder inzwischen wiederhergestellte Wohnungen vorhanden. Danach begann nun die zielbewußte Wohnungsbaupolitik der Stadt. Im Vordergrund stand der soziale Wohnungsbau. Wohnungen enthalten, die sich in Kellerräumen, Große Siedlungen und Wohnblocks für Berg- und Stahlarbeiter sowie für Flüchtlinge sind entstanden, vornehmlich in den Außenstadtteilen in der Nähe der Arbeitsstätten, aber zum Teil auch im Stadtkern. In Dortmund wurden 40 000 Ostflüchtlinge aufgenommen, während die gleich große Zahl Dortmunder, die während des Krieges evakuiert wurden, heute noch im Bundesgebiet verstreut untergebracht sind, weil sie in Dortmund keine Wohnung erhalten können.

Etwa 200 Mill. DM sind in den Wohnungsbau geflossen. Daran ist die öffentliche Hand mit 70 Mill. und die Dortmunder Stadtsparkasse mit 30 Mill. DM für erststellige Hypotheken beteiligt. Eigenmittel der Wohnungsuchenden, Eigenhilfe beim Aufbau und Anwendung aller rationellen Baumethoden erleichterten die Restfinanzierung, Jeder Luxus wurde bei öffentlicher Finanzierungshilfe vermieden. Lenkende Maßnahmen im Sinne städtebaulicher und wohnkultureller Erfordernisse waren leider nur bedingt möglich. Mit einer Flächengröße von durchschnittlich 30 qm je Wohnungseinheit gegenüber den früher üblichen 50 qm wurde die unterste Grenze der Zimmergrößen oft unterschritten.

Maßgebende Stellen rechnen im Jahre 1952 mit einem höheren Ergebnis als den 8000 Neubauwohnungen des Jahres 1951. Es bleibt abzuwarten, ob die Optimisten recht behalten, die behaupten, 15 000 Wohnungen würden neugebaut werden. Allerdings müßten dann Einzelbauteile noch weitgehend genormt und die Baumethoden weiter vereinfacht werden. Anfänglich projektierte Typen-Fertighäuser haben sich bisher nicht durchsetzen können. Wohl rechnet das für diese Fragen zuständige Wohnungsbau- und Siedlungsamt mit dem verstärkten Bau von Eigenheim-Reihenhäusern und vier- bis fünfgeschossigen Mietwohnblocks. Es lehnt aber entschieden die Befürwortung von öffentlichen Mitteln ab für bereits vorgelegte Planungen von Mietskasernen, in denen 20 und „mehr Familien an einem Treppenhaus zusammengepfercht werden, sollen. Das vorgenannte Amt hält für den Wohnwert die Grundrißlösung als entscheidend. Für den Mieter soll die Wohnung mit bestimmten Mindestgrößen ein Heim sein, das den Bedürfnissen von Kulturmenschen wieder angepaßt ist.

Erich Koszyk