Wenn Mitte Februar noch auf verschiedenen Rohstoffmärkten die Meinung vorherrschte, daß die Preise ihren tiefsten Punkt erreicht hätten und jetzt eine Zeit neuer Preiserhöhungen folgen würde, so sind diese Hoffnungen in den vergangenen 14 Tagen enttäuscht worden. Denn die Notierungen für die meisten Lebensmittel und Rohstoffe sind in dieser Zeit zum Teil sogar recht erheblich zurückgegangen. Und zum andern hat sich auch der Preis widerstand der Verbraucher weiter versteift! er dürfte nach den erfolgreich verlaufenen Verhandlungen Englands und Deutschlands mit den schwedischen Zelluloseproduzenten noch an Kraft gewinnen. Erschwerend kommt hinzu, daß England und Frankreich Einfuhrkürzungen aus den Dollarländern verordnet haben, die sich ebenfalls preisdrückend auf die überseeischen Rohstoffmärkte auswirken müssen.

Diesmal wurden auch die Getreidemärkte in den allgemeinen Preisrückgang einbezogen. Weizen hat 3 cts je bushel eingebüßt, Mais sogar 7,12 cts. In beiden Fällen sind die Notierungen Ende Februar – 252,12 und 175,75 cts. je bu. – die bisher niedrigsten seit Jahresbeginn. Dabei ist die Versorgungslage gerade auf dem Weizenmarkt keineswegs besonders rosig. In Argentinien, früher eines der größten Weizenausfuhrländer, ist der Weizenanbau infolge der Preispolitik der Regierung so zurückgegangen, daß im laufenden Jahre Weizeneingeführt werden muß. Es sind auch bereits mehrere Schiffsladungen Weizen in Rumänien und in Kanada angekauft worden. Jetzt hat die Regierung den Ankaufpreis für Weizen von bisher 37 auf 50 Pesos, also um über 35 v. H. erhöht, so daß vielleicht wieder mit einem stärkeren Anbau gerechnet werden kann. Australien kann, wie von seinem Handelsminister offiziell mitgeteilt wurde, seine Verpflichtungen aus dem Welt-Weizenabkommen infolge des geringen Ernteertrages nicht voll erfüllen. Die frühere Nachricht, daß die dortige Ernte nicht einmal für den eigenen Bedarf ausreicht, stimmt also glücklicherweise nicht. Auch Australien will seine Lebensmittel-Erzeugung erhöhen und zu diesem Zweck zunächst 5000 Einwanderer mit landwirtschaftlicher Erfahrung ansiedeln. Das einzige Land unter den Unterzeichnern des Welt-Weizenabkommens, das in der Lage wäre, die fehlende Australquote auszugleichen, ist Kanada, das eine um 100 Mill. bu. größere Ernte eingebracht hat, – Bei Mais ist der Preiseinbruch durch die riesige Welternte von 5395 Mill. bu. erklärlich.

Zucker ist seit Anfang dieses Jahres, von unwesentlichen Schwankungen abgesehen, ununterbrochen zurückgegangen. Kubazucker, 1. Termin, notierte in New York am 27. Februar nur noch 4,28 cts je lb. (Weltkontrakt 4) gegen 4,90 cts Ultimo 1951. Das ist die niedrigste Notierung seit Beginn des Koreakrieges. Inzwischen war der Preis zeitweilig auf über 8 cts je lb. gestiegen. Der Hauptgrund für den ständigen Rückgang seit Beginn 1952 ist die zunehmende Dollarknappheit verbunden mit der Tatsache, daß Kuba und die Welt im allgemeinen neue Rekordernten erwarten. Die Weltproduktion im Erntejahr 1951/52 wird von F. O. Licht (siehe „Die Zeit“ vom 21. Februar) auf 34,25 Mill. t geschätzt gegen 33,45 Mill. t in der vorhergehenden Saison. Die letzte Vorkriegsernte 1938/39 brachte nur 28,8 Mill. t.

Auf dem Markt der Öleund Fette griff die rückläufige Preisbewegung in der Berichtsperiode auf alle Erzeugnisse über. Philippinische Kopra hat einen neuen starken Preiseinbruch erlitten und steht jetzt auf 127,50 $ je sh. t gegen 149 $ Mitte Februar und 165 $ in den ersten Tagen Januar. Auch Leinsaat ging an der Börse in Winnipeg empfindlich zurück, nämlich von 462,63 auf 429,50 cts je bu. Anfang Januar wurde dafür noch 499.75 cts bezahlt. Schmalz ging um 15 v. H. von 13,30 auf 11,30 cts je lb. zurück, Talg von 6,25 cts auf 6 cts.

Von den Faserstoffen hat Wolle an der New Yorker Börse in der zweiten Februarhälfte abermals um rund 10 v. H. im Preise nachgegeben; bezahlt wurden zuletzt 138 cts je lb. gegen 153 cts Mitte des Monats und 180 cts Anfang Januar, Die Nachrichten über die letzten Wollauktionen in Australien lauten alles andere als zuversichtlich. Von der Auktion in Sydney am 25. Februar wird sogar zugegeben, daß die Stimmung pessimistisch war. Die Preise gingen dabei gegenüber der vorhergehenden Auktion am 21. Februar um weitere 5 bis 10 v. H. je nach Qualität zurück. In einem Bericht über die Auktion in Adelaide am 26. Februar wird festgestellt, daß die Preise für beste Sorten Merinos und Comebacks 15 v. H. und für Crossbreds und die übrigen Merino 20 v. H. niedriger waren als auf der ersten Januarauktion. Dieser Rückgang würde auch ungefähr mit dem gleichzeitigen an der New Yorker Börse übereinstimmen, der etwas über 20 v. H. beträgt. – Beträchtlich nachgegeben haben in letzter Zeit ferner die Preise für Jute, die Anfang Januar noch stiegen und erst von Mitte des Monats an eine rückläufige Tendenz aufzuweisen haben. Der loko-Preis für Dundee Daisee in Kaikutta beträgt zur Zeit 260 Rupies je Ballen gegen 290 Mitte Februar und 330 Rupies am 11. Januar. Von dem New Yorker Jutemarkt wird eine sehr flaue Stimmung gemeldet. – Der Preis für amerikanische Baumwolle an der New Yorker Börse ist im Vergleich zu den großen Preiseinbußen für Wolle und Jute nur minimal zurückgegangen, nämlich von 41,10 cts Mitte Februar auf 40,95 cts Ende des Monats. Dagegen hat Karnak in Alexandrien um 11,30 Tal. je Cantar, von 164,55 auf 153,25 Tal., nachgegeben. Die Nachfrage nach Rohbaumwolle seitens der amerikanischen Spinnereien ist nach Berichten aus New York in letzter Zeit praktisch zum Stillstand gekommen. Es werden sehr starke Betriebseinschränkungen seitens der Spinnereien befürchtet, wenn nicht bald eine Belebung des Absatzes von Baumewollstückgütern eintritt. Auch die Baumwollausfuhr aus Ägypten läßt viel zu wünschen übrig. Die ägyptische Regierung will deshalb den Versuch unternehmen, Austauschgeschäfte mit Baumwolle gegen ausländischen Zucker oder Weizen durchzuführen.

Auf den Metallmärkten sind die offiziellen Preise in der Berichtsperiode unverändert geblieben. Der „graue“ Markt verkehrt nach der Besserung der Versorgungslage in den wichtigsten NE-Metallen in flauer Haltung.