H. Paris, im März

Die kritische Situation der französischen Währung findet ihren Ausdruck in dem starken Steigen der freien Gold- und Devisenpreise in Paris. Der Wertschwund habe aber nicht, so stellt man in Bankkreisen fest, in dem Aufblähen der Zahlungsmittel seine Ursache. Was sich als besonders schädigend auswirkt, ist das steigende Defizit der Handelsbilanz. Dazu kommt das Budgetdefizit. Die Budgetausgaben stiegen von 2049 Mrd. 1949 auf etwa 2900 Mrd. ffrs. 1951. Sie dürften in diesem Jahr 3500 Mrd. überschreiten. Das bedeutet gegenüber 1949 eine Erhöhung um 70 v. H. Indessen stiegen die Lebenshaltungskosten von 1949 bis heute um 46 v. H. und die Engrospreise um 52 v.H. Es ist unabwendbar, daß eine derartige Erhöhung der Staatsausgaben, bei mangelnder Deckung eine inflationistische Wirkung auf die Preisentwicklung haben muß. Solange der Marshall-Plan lief, war die Budgetdecksung verhältnismäßig leicht und das Problem der Devisen weniger schwierig. Aber von dem Augenblick an, da der Zustrom der USA-Dollars aufhörte oder auf die Rüstungsausgaben beschränkt wurde, verschlimmerte sich die Situation. Um das Budgetdefizit zu decken, mußte man an eine Erhöhung der Steuern denken. Diese deckten die ordentlichen Ausgaben des Staates 1946 zu 78 v. H. und 1950 zu 118 v. H. Ordentliche und außerordentliche Ausgaben wurden 1950 zu 77 v.H. durch Steuern gedeckt. Aber 1950 erhielt Frankreich noch durch die Marshall-Hilfe ein Geschenk von 169 Mrd. ffrs. in Dollarwährung überwiesen. Für 1952 sah die daran gescheiterte Regierung eine Steuererhöhung um 15 v.H. vor. Unweigerlich muß sich eine derartige Erhöhung auf die Preise auswirken und, nachdem die mobile Lohnskala, beschlossen wurde, automatisch eine Rückwirkung auf die Löhne haben, falls man sich nicht entschließt, eine straffe Preiskontrolle durchzuführen. Es gäbe zu normalen Zeiten zwei andere Wege, um eine Deckung des Budgetdefizits zu erreichen: Einschränkungen im Staatshaushalt und Anleihen. Der Staat schränkt sich bereits seit 1947 ein und 150 000 Angestellte wurden entlassen. Es gibt ihrer aber noch immer 70 000 mehr als 1938.

Gehen über die Möglichkeit weiterer Einschränkungen des Staatsaufwandes die Meinungen sehr auseinander, so ist es anderseits klar, daß der Staat gegenwärtig die Deckung des Budgetdefizits durch eine Anleihe nicht erreichen kann. Es bleibt ein einziger Ausweg: die Notenpresse. Aber vor der Notenpresse steht der Gouverneur der Bank von Frankreich: Baumgartner. Man hat in den letzten Tagen oft an seine Türe geklopft. Aber der Gouverneur, wiewohl selbst Staatsbeamter, scheint der Reduktion des Goldschatzes und einem verstärkten Betrieb der Notenpresse eine starke Opposition entgegenzusetzen.

Die Situation verschärfte sich weiter durch das Defizit bei der EZU. Bis Ende Dezember mußte Frankreich 20 v. H. seines Defizites bei der EZU durch Gold oder Dollar regeln, Ende Januar waren es 40 v.H. Ende Februar 80 v.H. Im März soll Frankreich sein Defizit zu 100 v. H. mit Dollar oder Gold begleichen. Wie groß ist dieses Defizit? Es betrug 100 Mill. $ im Januar und 150 Mill. $ im Februar. Für März wird infolge des Importstops eine Verbesserung erwartet, wenngleich zahlreiche Importeure knapp vor den Restriktionsmaßnahmen noch bedeutende Einfuhraufträge vergaben. Der Devisen-Stabilisationsfonds, der zu Beginn des Jahres noch über 47 Mrd. ffrs. verfügte, hat leere Kassen. Was die Goldreserven betrifft, so mußten von den 482 t bereits 90 t für die Fälligkeiten des Februars bereitgestellt werden. Bei gleichbleibender Entwicklung würde man auch da vor dem Zero stehen. Außer den öffentlichen Reserven aber gibt es fast nichts, worauf sich der Staat sonst stützen könnte, denn die privaten Goldreserven, die auf 3000 t geschätzt werden, und die bedeutenden Devisenreserven die sich in privaten Händen befinden, sind für den Staat unerreichbar.