Der Ruf des Dortmunder Bieres gründet sich nicht zuletzt auf die Leistungen seines Braugewerbes. Diese Stadt ist eben nicht nur die Stadt der Kohle und des Eisens, sie ist auch die Stadt des Bieres. Wenn man sie in ihrem eigentlichen Wesen charakterisieren will, dann muß man einen wirtschaftlichen Dreiklang „Kohle – Eisen und Bier“ herausstellen. Zwei Momente haben zusammengewirkt, um dem Dortmunder Bier seinen heutigen Ruf zu verschaffen: Eine lange und ausgereifte Tradition von Jahrhunderten auf der einen, ein nie versagendes und immer wieder Höchstleistungen hervorbringendes Qualitätsstreben auf der anderen Seite.

Die Tradition des Dortmunder Bieres reicht weit ins Mittelalter zurück. Nachdem das Recht zum Verleihen, der „Gruit-Gereditsame“, also des Braurechts, lange von den Dortmund verwaltenden Reichsgrafen ausgeübt worden war, wurde es 1293 von Graf Adolf von Nassau der Stadt Dortmund übertragen. Der Verfasser hat im übrigen, abweichend von der Geschichtsschreibung, seine eigene Meinung. Wo Klöster waren, wo Gerichte und Reichsgrafen tagten, gab es schon immer einen guten Trunk. Die Reichsgrafen wußten das Dortmunder Bier scheinbar ebenso zu schätzen wie Richter und Schöffen des höchsten westfälischen Femegerichts. Sollte die Bedeutung Dortmunds im Mittelalter und zur Zeit der Hansa nicht auch irgendwie damit zusammenhängen, daß es sich hier gut leben ließ?

Als besonders bedeutungsvolle Phase in der Neuzeit sind die Jahre um die Mitte des 19. Jahrhunderts hervorzuheben, in denen sich auch in Dortmund die untergärige Brauart durchsetzte. Mit Hilfe dieser Brauart wurde es möglich, dem Dortmunder Bier jene Haltbarkeit zu geben, die eine seiner hervorragendsten Eigenschaften ist. Damit war es möglich, die Erzeugnisse des Dortmunder Braugewerbes über weite Strecken hin zu versenden. Dortmunder Bier begann sich mit erstaunlicher Schnelligkeit über ganz Deutschland und seine Grenzen hinaus zu verbreiten, und mit gleicher Schnelligkeit entwickelte sich die Dortmunder Brauindustrie zu dem, was sie heute ist: neben München zu dem bedeutendsten Zentrum der deutschen Bierproduktion.

Das Ringen um höchste Qualität brachte es mit sich, daß sich die Dortmunder Brauereien schon frühzeitig zum Markengedanken bekannten. Nur die Marke wird sich auf die Dauer durchsetzen und einer Ware zu Weltruf, verhelfen. Daß dieses Ziel von den Dortmunder Brauereien erreicht wurde, beweisen ihre Erfolge im deutschen Versandgeschäft und im Export. Wie stark die Auswirkungen einmal im Publikum eingeführter Marken sind, zeigen die Geschehnisse nach dem zweiten Weltkrieg. Trotz schwerster Kriegsschäden und aller dadurch bedingten Schwierigkeiten in Bierproduktion und -versand, trotz rücksichtsloser Konkurrenz gelang es dem Dortmunder Braugewerbe, in wenigen Jahren seine frühere Position zurückzuerobern.

Noch in jüngster Zeit bewies das Dortmunder Braugewerbe, daß es nicht auf den Lorbeeren der Jahrhunderte ausruht: Gemeinschaftlich wurde ein neues Markenbier geschaffen, der „Dortmunder Urtyp“, ein aus hochwertigen Rohstoffen hergestelltes, besonders lange gelagertes und alle Vorzüge des Dortmunder Typs zusammenfassendes Bier. Wenn nach den Entwürfen des kommenden, deutschen Kartellgesetzes als Markenwaren Erzeugnisse anzusprechen sind, die mit einem ihre Herkunft kennzeichenden Merkmal versehen sind, um die Versorgung der Verbraucher mit Waren gleichbleibender Güte zu gewährleisten, dann dürften diese Voraussetzungen von den Dortmunder Bieren erfüllt werden. Über die Begriffsbestimmung des Kartellgesetzes hinaus verbinden aber weitere Kreise mit der Markenware die Vorstellung, daß sie dem Publikum zu einem gleichbleibenden und bestimmten Preis angeboten und verkauft werden müssen. Dem Markenbegriff in dieser Vollendung trägt, als bisher einziges Bier, der „Dortmunder Urtyp“ Rechnung, soweit er als Flaschenbier abgesetzt wird: Im ganzen Bundesgebiet beziehen ihn Wirteschaft, Handel und Konsumenten zu einheitlichen Preisen. Damit haben die Dortmunder Brauereien zwar Neuland beschritten; schon jetzt kann aber auf Grund der bisherigen Ausstoßentwicklung des „Dortmunder Urtyp“ gesagt werden, daß, wie immer, auch in diesem Fall Unternehmergeist und Initiative belohnt werden und zu Erfolgen führen. Dr. F. Eckhardt