Aus der Alchimistenküche des Mittelalters wurde eine industrialisierte Apotheke mit Apparat turen aus Kupfer, Glas und Messing. In funkelnden Riesendestillierblasen werden Rohstoffe ohne Zahl verarbeitet. Zitronen aus Italien, Apfelsinen aus Spanien, ätherische Öle aus Frankreich, Aprikosen aus dem Iran, Zimt aus Ceylon, Rhabarber aus China, Lärchenschwamm aus Sibirien, Aloe aus Afrika und Moschus aus Tibet. Das ist ein kleiner Querschnitt all der Früchte und Pflanzen, denen mit ausgeklügeltsten Methoden das Aroma entzogen wird und es ist frappierend, wenn man feststellt, daß in wenigen Litern konzentrierter Flüssigkeit die aromatischen Bestandteile, die Geschmacks- und Duftstoffe großer Rohstoffmengen, enthalten sind, jederzeit verfügbar. Wenn dann neben der Vielzahl der deutschen Verbraucher auch der südamerikanische Gaucho mit Behagen seinen Schnaps trinkt und die vornehme Inderin von ihrem Parfüm begeistert ist, dann tragen Dortmunder Essenzen den Ruf ihrer Stadt weit über die Grenzen ihres Landes hinaus.

Im Schatten der Schwerindustrie entstand im Laufe von vier Jahrzehnten ein Unternehmen, das in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tritt, doch darum nicht minder interessant ist. Es ist die Westfälische Essenzen-Fabrik, die bedeutendste des Bundesgebietes, kurz WEF genannt. Nur die essenzenverarbeitende Industrie kann sich unter dem Begriff Essenz etwas vorstellen. Der Verbraucher hingegen trinkt Likör oder Limonade, ißt Pudding, Sauerkraut oder Fischkonserven, benutzt Seife und Parfüm und schätzt besonders den Geschmack und das Aroma all dieser Dinge, aber er weiß nur selten, worauf beides zurückzuführen ist. Geschmack und Aroma sind in der Essenz auf einen Nenner gebracht, denn Essenz bedeutet das Wesentliche und das Gehaltvolle; der Weinkenner sagt die „Blume“. Kein Ausdruck ist so treffend wie dieser, denn aus Blumen, Blüten und Samen, aus Früchten und Blättern, aus Wurzeln und Sträuchern werden Essenzen hergestellt. egs.