Rlt. Düsseldorf, Anfang März

Die Internationale Ruhrbehörde, im Düsseldorfer Atlantic-House geht langsam, aber sicher einem sanften Tode entgegen. Sie hatte in den vergangenen Jahren mehr als einmal die deutsche Öffentlichkeit in Aufregung versetzt und mußte böse Worte und heftige Kritik einstecken. Doch wäre es ungerecht, wenn das Abtreten dieses Kontrollorgans – der Personalbestand geht laufend zurück und liegt unter 50 v. H. vom Dezember 1951 – nur mit unerfreulichen Nekrologen begleitet werden würde. Schon die vergangene Ratsperiode und mehr noch die kürzlich durchgeführte Sitzung über dieKohlenverteilung des bevorstehenden 2. Quartals 1952 haben gezeigt, daß auch in diesem Gremium der Diktatwille durch Verständigungsbereitschaft abgelöst worden ist. konnte zum zweiten Male ein einstimmiger Beschluß erreicht werden. Die zweifellos allen Beteiligten zugute kommende Wandlung ist nicht zuletzt auch auf die ruhige und besonnene Verhandlungsort des amtierenden deutschen Delegationsführers Dr. Potthoff zurückzuführen. Er nannte dieser Tage das jüngste Ratsergebnis „eine brauchbare Lösung“. Danach muß Westdeutschland in den Monaten April, Mai und Juni buchmäßig 6,14 Mill. t Kohle exportieren gegen 5,9 im laufenden Quartal. Da aber bereits freiwillig eine deutsche Vorausleistung erreicht worden war, wird die tatsächliche Ausfuhr nur 5,99 Mill. t sein.

Die Erhöhung gegenüber dem ersten Quartal entspricht einer leichten Anpassung an die kräftig angestiegenen Förderleistungen im Steinkohlenbergbau. Es wäre daher ungerecht, hiergegen Protestieren zu wollen. Im Gegenteil: die Weltmärkte zeigen bereits eine zunehmende Entspannung auf dem Kohlegebiet, und das westeuropäische Kohledefizit ist in wenigen Monaten von 11 auf unter 9 Mill. t heruntergegangen. Hält diese Entwicklung an, dann könnte in nicht allzu ferner Zeit sogar wieder das Bedürfnis entstehen, deutsche Kohleexporte in die Handelsverträge nach eigenem Ermessen aufzunehmen.

Den innerdeutschen Kohlebedarf hat das Bundeswirtschaftsministerium jetzt mit 24,76 Mill. t errechnet, dem eine geschätzte Fördermenge von 22,01 Mill. t zuzüglich US-Kohle von 2,1, zusammen also rund 24,12 Mill. t zur Seite stehen. Das geringe „Loch“ von 640 000 t dürfte ohne Zweifel durch Schürf- und Kleinstollenkohle gedeckt werden können.