Die Mustermesse Hannover, Vorläuferin der

vom 27. April bis zum 6. Mai angesetzten Technischen Messe, führte diesmal die Reihe der ausländischen Wirtschaftslage mit einem „Skanainavisch-Deutschen Tag“ fort, nachdem Bundesvirtschaftsminister Erhard der Messe den Auftakt gegeben hatte. Auch hierbei verließ ihn nicht sein Optimismus, besonders anerkennenswert in einer Zeit rückläufiger Exportergebnisse und erheblicher Umsatzrückgänge bei allen Textilwaren. Prof. Erhard vertrat mit Entschiedenheit die Ansicht, daß der westdeutsche Wehrbeitrag ohne Steuererhöhungen durchgeführt werden kann und wir trotzdem in der Ausweitung unseres Sozialprodukts fortfahren: „Es ist nicht notwendig und es wird nicht eintreten, daß sich der Verbrauch rückläufig entwickelt. Im Gegenteil, wir werden dafür sorgen, daß sich die Lebensmöglichkeiten des deutschen Volkes auch in den kommenden Jahren bessern!“ Als Exportziel des Jahres 1952 rannte Erhard „eine Ziffer zwischen 18 und 20 Mrd. DM“. Sie bedeutet. wenn man von den 14 Mrd. des letzten Jahres ausgeht, ohne Zweifel eine ungewöhnliche Kraftanstrengung aller Teile der deutschen Wirtschaft, denn schließlich hat sich der bisherige Verkäufermarkt langsam aber sicher in einen Käufermarkt gewandelt. Aber sollte diese Ziffer nicht doch zu erreichen sein?

Der „Skandinavisch-Deutsche Tag“ – unter Teilnahme von Bundesarbeitsminister Storch und des dänischen Gesandten in Bonn, Exzellenz Hvass – war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Deutschen Industrie- und Handelstages mit der Deutschen Messe- und Ausstellungs-AG. Hannover. Ihr hatte sich der Skandinavien-Experte des Bundeswirtschaftsministeriums MR Dr. Frhr. von Lupin, zu einem umfassenden und lehrreichen Referat über die Chancen deutscher Verbrauchsgüter in den nordischen Ländern zur Verfügung gestellt, – deren Fertigwarenanteil bei Importen aus Deutschland – vor dem Kriege 83 v. H. – heute rund 72 v. H. beträgt. Besonders aufschlußreich waren seine Ausführungen über die Strukturänderung der nordischen Märkte, die jetzt 14 v. H. des westdeutschen Exports aufnehmen. Das waren 1951 etwa 2 Mrd. DM. Diese Summe soll 1952 auf 2,6 Mrd. gesteigert werden. So begrüßenswert die Einrichtung dieser Wirtschaftstage ist, so bedauerlich war es, daß die Veranstaltung ohne erkennbaren Widerhall, ohne jede Diskussion blieb.

Und der Eindruck von der am letzten Sonntag abgeschlossenen Mustermesse? Die Tatsache, daß wir heute mit einem Käufermarkt zu rechnen haben, kam mehr als deutlich zum Ausdruck. Der Ausländerbesuch, vor allem aus nordischen Staaten, war jedoch, recht lebhaft, und es wurden bei unveränderten Preisen teils gute, teils durchschnittliche Umsätze im Ausland- und Inlandgeschäft abgeschlossen. Aber es erwies sich auch, daß Hannover in der Hauptsache wohl die Messe des exportwichtigen Porzellans, der Keramik, der Glas-, Schmuck- und Silberwaren sowie der Schneidwaren und Küchengeräte ist. Das Textilangebot war betont provinziell (wenn man von wenigen führenden Firmen absieht). Es fehlten alle maßgebenden Namen der deutschen Textilwirtschaft. Das ist eine Auswirkung der internen Messebereinigung durch die einzelnen Branchen, als deren Folge schließlich Hannovers Mustermesse sich mit der bisherigen Textil-Mustermesse vereinte und so ein Überangebot von Großhändlern und Importeuren des Textilgebiets bekam. Hannovers Mustermesse als „zentralen Markt“ der Konsumgüter-Industrie zu bezeichnen, ist übertrieben, Sie hat sich zu einer wertvollen Branchenmesse entwickelt. Das ist schon sehr viel, denn es stellt durchaus einen Schritt zur längst anstehenden Bereinigung unseres Messewesens dar. Auch aus Frankfurt hört man darüber erfreuliches: Die Termine der Offenbacher Lederwaren- und Nürnberger Spielwarenmesse sollen künftig den Terminen der Frankfurter Messe angeglichen werden. Dazu können wir Aussteller und Einkäufer nur gratulieren! Willy Wenzke