Beobachtungen und Erfahrungen in Indonesien – Ein Land, das große Zukunft hat

Als die Regierung von Indonesien im vorigen Jahre Dr. Hjalmar Schacht einlud, hat diese Reise Aufsehen erregt. In Djakarta erwartete man; daß der erfahrene Finanz- und Wirtschaftssachverständige, der die Entwicklung der westlichen Länder kennt, die Situation und die Möglichkeiten des jungen Staates prüfe. Für jeden, den wirtschaftliche Fragen interessieren, ist es sehr aufschlußreich, an Hand des Schachtschen Gutachtens zu verfolgen, welche Anregungen ein moderner Europäer einem Lande geben kann, das gewissermaßen übergangslos aus seinem Urzustand auf die Entwicklungsstufe des zwanzigsten Jahrhunderts kommen möchte.

Westliche Besucher Indonesiens sind nicht selten enttäuscht über die Diskrepanz, die zwischen dem sichtlichen Naturreichtum des Landes und der Armut seiner Bevölkerung besteht. Diese Besucher, die vielfach das moderne Luxusleben von Shanghai, Tokio, Manila und Singapore vor Augen haben, müssen in der Tat von dem Mangel Djakartas an New Yorker Broadway-Aufmachung betroffen sein. Die ökonomischen und sozialen Probleme, Armut, Unordnung und Unsicherheit springen hier dem Fremden geradezu in die Augen. Daraus entstehen Urteile, wie sie kürzlich ein prominenter Amerikaner nach viertägigem Aufenthalt von sich gab: Dies Land sei reif entweder für den Kommunismus oder für eine Diktatur; es werde sich auf Generationen hinaus nicht selber regieren können.

Man wird als Deutscher unwillkürlich daran erinnert, daß die Alliierten im Jahre 1945 den russischen Kommunismus bis an die Linie Lübeck–Triest vorrücken ließen, um drei Jahre später den Kampf auf Tod und Leben mit demselben russischen Kommunismus zu beginnen. So darf man nicht mit dem Schicksal von Völkermillionen spielen!

Deutschland ist trotz seiner militärischen Niederlage auch heute noch ein administrativ wohlorganisiertes, politisch und wirtschaftlich geschultes Land. Wer heute nach Kriegsende Deutschland besucht, stellt zwar eine ungeheure Anstrengung zum Wiederaufbau fest, aber er kann nicht daran vorbeigehen, daß noch zahlreiche Städte zur Hälfte in Trümmer liegen und viele provisorische Bauten die Maschinen und Apparaturen der zerstörten Industriehallen haben aufnehmen müssen. Erst recht kann niemand von Indonesien erwarten, daß es in zwei Jahren – denn nicht länger besteht dieser Staat – die moralischen und materiellen Zerstörungen von fünf Kriegslagen wiedergutmacht und dies unter einer Staatsverwaltung, die völlig aus dem Nichts hat aufgebaut werden müssen!

Ich scheue mich nicht, die Mängel zu erwähnen, die die indonesische Wirtschaft heute noch aufweist, aber ich weiß zugleich, daß die Schuld daran nicht in erster Linie die Indonesen trifft. Wenn ich den Ursachen nachgehe, warum ihre Regierungsabsichten bisher nur geringen Erfolg hatten, so stelle ich die Jugend und Unerfahrenheit des Staates in Rechnung. Aber darüber hinaus kann an zwei anderen Faktoren nicht vorbeigegangen werden, die zwar ebenfalls von vielen leitenden Männern innerhalb und außerhalb der Regierung erkannt werden, die aber das ganze Volk richtig verstehen sollten.

Volk mit großem Rechtsgefühl