Von Christoph Albrecht

Vor dem Kriege besaß die Stadt Dortmund zwei Museen und das „Haus der Kunst“. Die Museumsgebäude – es waren das Heim für Vor- und Frühgeschichte und das Gebäude für Kunst- und Kulturgeschichte – wurden fast völlig zerstört. Glücklicherweise waren die Museumsbestände ausgelagert. Die Kostbarkeiten des Vor- und Frühgeschichtlichen Museums – darunter die für Nordwestdeutschland einmaligen Funde aus dem römischen Lager Oberaden und die 440 Münzen des Dortmunder Goldschatzes, des größten Schatzfundes Europas – lagen sicher in Erwitte, Kreis Lippstadt. Die Sammlungen des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte mit westfälischen Möbeln, alter Dortmunder Bildhauerkunst, Porzellan, Fayencen, Waffen, den Gemälden und Plastiken sowie den wertvollen Kupferstichkabinett waren auf 14 Depots in verschiedenen Orten verteilt. Dem „Haus der Kunst“, in dem Ausstellungen einheimischer und auswärtiger Künstler gezeigt wurden, erging es noch schlimmer als den anderen Museumsgebäuden: es sank in einer einzigen Nacht vollständig in Schutt und Asche.

Nach dem Kriege stellte die Stadt dem Museum für Vor- und Frühgeschichte den umgebauten Hochbunker am Westpark zur Verfügung: zwei Stockwerke mit 13 großen, lichten Räumen. Im Dezember 1951 konnten dort die reichen Sammlungen nach großen Schwierigkeiten, die ihren Grund in der Restaurierung der stark beschädigten Ausstellungsgegenstände hatten, unter dem Titel „Das geschichtliche Museum der Stadt Dortmund“ wieder der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Das Museum wurde bereichert durch die Funde, die bei vielen Grabungen im zerstörten Stadtkern gemacht worden waren. Man war dabei auf alte Grabanlagen und auf Fundamente karolingischer und frühromanischer Kirchen gestoßen.

Wohin mit dem Besitz des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte? – so lautete nach dem Kriege eine andere Frage. Es gab in der zerstörten Stadt kein Gebäude, das die umfangreiche Sammlung hätte aufnehmen können. So wurden die Bestände der 14 Ausweichlager zunächst zusammengefaßt und in einem Flügel des Schlosses Cappenberg im Kreise Lüdinghausen untergebracht. Die meisten Gegenstände hatten derart Schaden gelitten, daß es die vordringlichste Aufgabe der Museumsleitung war, die Kunstgegenstände wiederherzustellen, wenn sie erhalten bleiben sollten. Dann aber hatte gleich die erste große Ausstellung auf Schloß Cappenberg – „Kunstwerke aus zerstörten Kirchen Westfalens“ – mit 32 000 Besuchern einen großen Erfolg. Durch diese Ausstellung wurden sofort alte Verbindungen mit dem Ausland wiederhergestellt, so daß Dortmunder Kunstschätze, insbesondere der Marienaltar des Konrad von Soest, in Brüssel und Amsterdam gezeigt wurden. Als Gegengaben stellten diese Städte dem Dortmunder Museum dann für eine Ausstellung auf Schloß Cappenberg unter dem Titel „Rembrandt und seine Zeitgenossen“ wertvolle Handzeichnungen zur Verfügung.

Im Juni 1949 wurde aus den Beständen des Museums die Ausstellung „Westfälische Volkskunst“ aufgebaut. Die reichsten und schönsten Werke westfälisch-bäuerlicher Kultur, Möbel, Keramik, Glas, Schmuck aus Gold, Silber, Bernstein und Schnitzereien, wurden gezeigt: ausgezeichnete Arbeiten, denn das Museum besitzt eine der bedeutendsten volkskundlichen Sammlungen Nord Westdeutschlands.

Stets wurden von den Bürgern der lebensnahen Industriestadt Dortmund auch moderne Ausstellungen verlangt. Als Ersatz für das zerstörte „Haus der Kunst“ konnten schon im Jahre 1948 der Lichthof und sieben Räume des alten Museums für Kunst und Kulturgeschichte am Ostwall wieder aufgebaut werden. Der Dortmunder Künstlerbund nahm die Gelegenheit wahr, erster Gast in diesem Hause zu sein. Es folgten viele und mannigfache Ausstellungen. Und stets wurden dabei in Vorträgen, Führungen und Diskussionen die dargebotenen Werke erläutert.

Zukunftspläne? – Das Geschichtliche Museum wird neben der Pflege der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung die durch Grabungen gewonnenen neuen Zeugnisse der Geschichte der Stadt einordnen. Ferner wird angestrebt, die Bedeutung Dortmunds als Stadt der Kohle, des Eisens und des Bieres von den ersten Anfängen bis zur Entwicklung der großen weltbekannten Werke darzustellen. – Das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte braucht, um seine Schätze gebührend entfalten zu können, ein großes Gebäude im Zentrum von Dortmund. Bis dahin werden Ausstellungen in Cappenberg aus eigenen und fremden Beständen gezeigt werden. Die ehemaligen Räume dieses Museums am Ostwall sind in weiterem Aufbau, doch soll hier eine moderne Kunst- und kunstgewerbliche Sammlung entstehen. Ein großer Kreis Interessierter hat sich in Dortmund bereits zusammengefunden, der diese Bestrebungen tatkräftig unterstützt.