Im deutschen Export sind bisher vor allem die industriellen Großbetriebe zum Zuge gekommen, denn 60 v. H. des deutschen Exports werden von 950 Firmen getätigt, die jeweils einen Umsatz von über 1 Mill. DM haben. Über 35 v. H. der Gesamtausfuhr entfallen dabei auf nur 112 Unternehmen mit jeweils über 10 Mill. DM Umsatz, wobei 60 bis 70 v. H. aller Exportgüter aus Nordrhein-Westfalen stammen. Für die 30 bis 40 v. H. aus allen übrigen Bundesländern sind überwiegend die Betriebe unter 1 Mill. DM Umsatz verantwortlich, und zwar mit den Spezialerzeugnissen traditioneller deutscher Exportindustrien. Insgesamt kam die Steigerung der deutschen Ausfuhr infolge der Nachfrage aus dem Ausland zustande und nur zum geringen Teil durch Angebot, Marktforschung, Werbung und Verkaufsförderung deutscher Unternehmen in Auslandsmärkten: Dazu bestehen bisher nur recht beschränkte oder kostspielige Möglichkeiten. Lediglich Groß- oder Spezialindustrien konnten Absatzorganisationen aufbauen, so daß erst Niederlassungen deutscher Exporthäuser auch den industriellen Klein- und Mittelbetrieben und somit einem allgemeinen, exportfähigen Warensortiment denerfolgreichen Zugang zum Weltmarkt eröffnen können. Weiterhin sind Niederlassungen für den Export-von Maschinen unentbehrlich, denn ihr Bezug wird von dem Vorhandensein von „Service-Stationen“ zur Wartung, Montage und Lieferung von Ersatzteilen abhängig gemacht.

Bei der Bauindustrie stammte z. B. in den besten Jahren nicht weniger als 50 v. H. des Gesamtumsatzes großer Firmen aus Exportaufträgen – dem Bau von Eisenbahnen, Brücken, Untergrund- und Straßenbahnen. Sie plante, baute und richtete Fabrikanlagen schlüsselfertig ein, sie übernahm Flußregulierungen, die Errichtung von Kraftwerken und die Elektrifizierung von Städten und Provinzen. Aber erst eigene Vertretungen und Niederlassungen werden sie heute dazu befähigen, an den umfangreichen Projekten der Erschließung unentwickelter Gebiete oder an der weltweiten Industrialisierung mitzuwirken. Erfahrungsgemäß erbringen dabei die indirekten Exporte (Ausrüstungen, Verkehrsanlagen, Montagelöhne, Frachten) das Mehrfache an Devisen als der Auftrag selbst.

Bisher kommen 70 v. H. unserer Exporterlöse aus den europäischen Marshall-Plan-Ländern gegenüber 53 v. H. im Jahre 1936 (einschließlich der heutigen Ostblockländer). Im Verhältnis zum Außenhandels-Zuwachs seit 1936 müßte Deutschlands Export, nach Asien und Lateinamerika allein, jetzt über 3 Mrd. $ erbringen – fast soviel wie unser Gesamtexport! Eben mangels eigener Absatzorganisation vertreibt bis jetzt der Handel dritter Länder die deutschen Waren in Übersee, indem er die Vorzüge eigener „Empires“, umfassender Währungsblocks oder günstiger Abkommen mit eigenen Niederlassungen benutzt. So werden in Ländern mit „weicher“ Währung die deutschen Waren im Zwischenhandel verteuert, während bei re-exportierten Gütern nach Hartwährungsländern sich aus den Devisenkursen der eigentliche Gewinn des: Zwischenhandels ergibt, wobei die deutsche Ware dann billiger gehandelt wird als sie kostet. In jedem Falle wird im Handel über Dritte der deutsche Absatz beeinträchtigt. Außerdem darf man durch eigene Niederlassungen eine bessere Ausnützung aller Geschäftstätigkeiten Außenhandel erwarten, also etwa auch von Transitexporten und von Lohnveredelungen, und endlich werden Rohstoffkreditgeschäfte in größerem Umfang realisierbar, denn der Vollzug des Imports nach Abschluß von Exportverträgen setzt eine gut funktionierende Absatzorganisation voraus.

Heute beziehen wir weit mehr als die Hälfte aller Rohstoffe und Nahrungsmittel über den Zwischenhandel anderer Länder, und im Falle afrikanischer Erzeugnisse betragen die Verteuerungen dadurch 20 bis 40 v. H. Bei einem ähnlichen Verhältnis im Export kann also der Erlös aus deutschen Exportgütern um 20 v. H. vermehrt (oder verbilligt) werden, während Importgüter um 25 v. H. verbilligt (oder vermehrt) werden können, soweit es den Handel mit überseeischen Ländern betrifft: Er umfaßt heute etwa 30 v. H. der deutschen Ausfuhr (Gesamtwert 14 Mrd. DM) und mindestens 5 v. H. der deutschen Einfuhr (Gesamtwert 14,5 Mrd. DM). Falls es möglich wäre, das gesamte Volumen des Überseehandels über eigene Niederlassungen zu lenken, würde das einem Devisenzuwachs von jährlich 3 Mrd. DM bedeuten! Ist dieses „totale“ Ziel auch kaum zu verwirklichen, so kann doch aus einer Steigerung des Güteraustausches mit verständnisvollen Partnern und aus einer Erfassung der wichtigsten Grundstoffe ein wesentlicher Gewinn erhofft werden.

Aus den Mehrerlösen und Ersparnissen ergibt sich die Finanzierung von Niederlassungen. Der zunächst wichtige Bedarf an Devisen zur Gründung von Kontoren und Lagerhäusern soll nunmehr aus Exporterlösen gestattet werden, mit Beteiligungen an einheimischen Handelshäusern vorzüglich in Form eingebrachter Sachwerte. So bleibt für den Niederlassungen errichtenden Exporteur der Geldkreislauf offen – er bedarf der „Binnenfinanzierung“. Wohl stehen den Exporteuren begrenzte Eigenmittel zur Verfügung, die aus der Selbstfinanzierung ergänzt und durch „seine“ Kreditinstitute zum Einkauf von Exportgütern vervollständigt werden. Jetzt handelt es sich aber darum, Lagerbestände anzulegen und mit ihren Erlösen eine Zeitlang „draußen“ zu arbeiten, wobei die „Sachwert“-Investitionen je Niederlassung auf 1 Mill. DM berechnet werden. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre ergibt sich ein geschätzter Bedarf von 200 bis 300 Mill. DM auf ungefähr zwei bis drei Jahre, im Vergleich zur industriellen Investition ein relativ bescheidener Einsatz, der den Charakter von Handelskrediten hat und den Anreiz guter Verzinsung bieten dürfte. Auf der Umschau nach Kapital hat sich das Interesse – außer auf die neu zu gründende Exportbank – besonders auf brachliegende Kapitalien der Länder bei ihren Hausbanken gerichtet. Die Niederlassungen vermitteln ja nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Arbeitsbeschaffung, sondern bewirken vor allem auch eine Verminderung der Lebenshaltungskosten durch billigere und mehr Importe. EOG