Otto Strasser, seinerzeit von Hitler ausgebürgert und noch heute der Puritaner des Nationalsozialismus, der diesen sozusagen in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherstellen möchte, ist soeben in Schweden eingetroffen. Da ihm die deutsche Regierung den Paß und die kanadische die Ausreise verweigert hatten, ist er offensichtlich nicht als Otto Strasser gereist. Auf den ersten Blick mutet es höchst eigenartig an, daß Hitlersche Ausbürgerungen immer noch als gültig betrachtet werden. Das aber hängt damit zusammen, daß sehr viele der Ausgebürgerten der Bundesregierung mitgeteilt haben, sie wünschten nicht automatisch wieder Deutsche zu werden. Gelingt es Strasser nach Bayern, wo er Heimatzugehörigkeit hat, zu gelangen, so wird er innerhalb kürzester Zeit die Staatsbürgerschaft wieder besitzen und gegen eine Ausweisung geschützt sein, denn, um die deutsche Staatsbürgerschaft zurückzugewinnen, genügt es, wenn ein „Ausgebürgerter“ bei einer deutschen Polizeibehörde einen Meldebogen ausfüllt.

Die von Strasser – aus Kanada – geführten Angriffe gegen die Besatzungsmächte, gegen die Bundesrepublik und ihre Regierung, haben ihm eine gewisse Popularität verschafft. Seine Rückkehr wird also den Kräften des Neo- und Alt-Nazismus zweifellos neue Nahrung zuführen. Daß er, um zum Zuge zu kommen, sich als „Demokrat“ geriert und von einem Deutschland spricht, das „weder Ost noch West“ sei, ändert nichts an dieser Tatsache. L.