Die interessierte Bauindustrie verschleiert stets mit denselben den Kernpunkt nicht berührenden Argumenten den Tatbestand. Die Tatsache der Ringbildung wird nicht nur nicht bestritten, sondern es wird versucht, diese strafbare Handlung zu bemänteln, indem man auf die Schädlichkeit des billigsten Angebotes hinweist. Eine Anzahl von verantwortungsbewußten mittleren und kleineren Unternehmern soll, weil sie sich an der Ringbildung nicht beteiligt, damit diskreditiert werden. Diese Unternehmer finanzieren nicht die Villen und Automobile der Direktoren der Managerbetriebe und unterhalten nicht einen aufgeblähten Verwaltungsapparat; denn dieser ist zweifellos bei der Ringbildung notwendig, um aistatt der Baustellenkontrolle die unaufhörlichen Sitzungen für Arbeitsgemeinschaften und Besprechungen wahrzunehmen. Die anderen verwenden, soweit es geht, ihre dadurch ersparten Gelder zur Rationalisierung ihrer Betriebe und zum Ersatz alter Geräte und versuchen sich so zu qualifizieren.

Es könnte den Wortführern der Ringbildung pissen, beschränkte Ausschreibungen zu fordern, damit die Preise untereinander ausgemacht werden zum Schaden des Staates und der Steuerzahler. Ein Schutz gegen unzuverlässige Unter nehmer, die bei der Preisbildung an unterster Seile stehen sollten, ist unschwer zu erreichen; nicht dadurch, daß die Industrie ihre eigenen Organe in die Preiskontrolle der Behörden einschaltet, sondern die Behörden selber die Kontrolle vornehmen, da diese über das genügende Können verfügen. Sie brauchen ja nur in zweifelhaften Fällen eine Prüfung des vorhandenen Geräteparks vornehmen und als Sicherung etwa eine erste Bankbürgschaft fordern. Schlecht fundierte und schlecht geleitete Firmen werden so etwas. schwer aufweisen können. Diese beiden Punkte genügen, um einerseits Schutz für gute Ausführung zu erhalten, andererseits die notwendigen Ersparnisse zugunsten des Allgemeinwohls herbeizuführen. Wie berechtigt die Vorwürfe gegen die Korruption der Ringbildung sind, ist letzthin bei der Vergabe des Flugplatzes Hannover-Langenhagen zutage getreten (ähnliche Dinge sind noch viel abrupter im Rheinland passiert). Wir können aber auch die positive Kehrseite feststellen. Bei dem kürzlich vom Bundesminister für das Wohnungswesen und dem amerikanischen Hochkommissar ausgeschriebenen Wettbewerb in 15 Städten für 4000 Wohnungen wir keinerlei Ringbildung durch die Anonymität der Ausschreibung möglich. Die bindend abgegebenen Offerten stellten nun plötzlich eine Senkung der Baukosten je Wohnung von 12 000 an 10 000 DM fest, also um 20 v. H.

Das Erstaunlichste wird neuerdings laut Submissionsanzeiger vom 8. Februar 1952 versucht. Es sollen ständige Kommissionen bei den ausschreibenden Behörden eingesetzt werden. Man will sie ausgerechnet von den interessierten Kreisen bilden lassen, die bisher der Ringbildung nahestanden. Das hieße den Bock zum Gärtner machen, zumal die sachverständigen Behörden weit objektiver über die Preise urteilen dürften als ausgerechnet die die sie fordern. Dieses Verlangen wird unbegreiflicherweise von Verkehrsminister Dr. Seebohm unterstützt, womit er sich wohl kaum die Sympathien des Wirtschaftsministers erwerben dürfte und außerdem der Allgemeinheit noch einen schlechten Dienst erweist.

Dipl.-Ing. Wilhelm Späth, München