Die Anfänge des Werkzeugmaschinenbaus im Dortmunder Raum sind in den sechzig? und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu suchen. So wie die eisenschaffende Industrie durch die Kohle ihren natürlichen Standort hier gefunden hat, geht auch die Entstehung des hiesigen Werkzeugmaschinenbaues auf Bedürfnisse zurück, die durch die Schwerindustrie und durch das dichte Verkehrsnetz der Eisenbahn entstanden waren.

1865 wurde die Firma Wagner & Co. als reine Werkzeugmaschinenfabrik mit dem Ziel gegründet, inmitten der damals mächtig aufstrebenden Ruhrindustrie eine Fabrik zu besitzen, die den Anforderungen der heimischen Industrie besser gewachsen wäre als die Firmen des Chemnitzer oder Berliner Werkzeugmaschinenbaues, die ihre Maschinen auf andere Bedürfnisse ausgerichtet hatten und daher im allgemeinen nur für leichtere Konstruktionen in Frage kämen. Dieser Grundsatz, in der Hauptsache stabile, für hohe Beanspruchungen konstruierte Werkzeugmaschinen, wie Hobelmaschinen, Drehbänke, Bohrbänke, mechanische und hydraulische Pressen und Blechbearbeitungsmaschinen zu bauen, wurde von Wagner & Co. auch bis zum heutigen Tage beibehalten.

Im Grunde ähnlich lagen die Verhältnisse bei der 1872 gegründeten Maschinenfabrik Deutschland, nur mit dem Unterschied, daß hier bei der Gründung im wesentlichen die Forderungen der Eisenbahnwerkstätten bestimmenden Einfluß hatten. Nach Absicht der Gründer, zu denen das damalige technische Vorstandsmitglied der Köln-Mindener Eisenbahn, Julius Weidtmann, und Kommerzienrat Borsig, Berlin, gehörten, sollten in erster Linie Werkzeugmaschinen neben Spezial-Werkzeugmaschinen, wie Radsatzdrehbänken, Spezial-Radreifen, Ausbohrbänken, Prägepolierbänken sowie andere Einrichtungen, wie Brotscheiben, Schiebebühnen, Weichen, Stellwerke, Signalanlagen und dergleichen hergestellt werden. Manches davon, wie z. B. die beiden zuletzt genannten Einrichtungen, ist im Laufe der Jahre der Programmbereinigung zum Opfer gefallen, während schwere Stoßmaschinen, Spitzendrehbänke und Walzendrehbänke dafür aufgenommen wurden.

Die Firma Wagner & Co. hatte von der Gründung bis zu der nach dem Kriege erfolgten Totaldemontage neben der Belieferung der einheimischen Industrie ihr besonderes Augenmerk auf den Auslandsabsatz gerichtet, zählte doch bereits 1869 die französische Firma Schneider Le Creusot zu ihrem größten ausländischen Kunden. In den Jahren bis zum Ausbruch des letzten Krieges hatte der Export einen ansehnlichen Anteil am Gesamtumsatz. So gab es Jahre, in denen das Ausland bis zu 90 v. H. der Gesamtproduktion für sich in Anspruch nahm. Auch heute, nach ihrem gegen Ende 1950 erfolgten Wiederaufbau, kann die Firma Wagner & Co. wieder auf rund 50 v. H. ihres Auftragsbestandes für den Export verweisen. Zwei Spitzenerzeugnisse, die von ihr in den letzten Monaten nach dem Ausland geliefert wurden, mögen den wieder erreichten hohen Stand der Fertigung dieses Unternehmens veranschaulichen. So wurde nach Belgien eine automatisch arbeitende Spezialdrehbank geliefert, die in weniger als zehn Minuten eine Radscheibe für Eisenbahnwagenräder fertig bearbeitet, wobei die Zeit des Auf- und Abspannens eingerechnet ist. – Norwegen erhielt vor einigen Wochen wohl die größte bisher in diesem Lande aufgestellte Werkzeugmaschine. „Es handelte sich um eine schwere Hobelmaschine, die durch eine neuartige Einrichtung insofern das besondere Interesse der Fachwelt erregt, als sie sowohl in der Längs- als auch in der Querrichtung hobeln kann.

Auch die Firma Deutschland kann nicht nur auf erfreuliche Fortschritte in der technischen Entwicklung ihrer Erzeugnisse stolz sein, sondern ferner auf ihren starken Absatz an das Ausland verweisen. Allein in den letzten Jahren betrug der Anteil ihres Exportes ca. 60 bis 70 v. H. des Gesamtauftragsbestandes an Werkzeugmaschinen. Unter den bekannten Maschinen für das Eisenbahnwesen baut diese Firma eine als Exportmaschine bewährte Radsatzdrehbank für das selbsttätige Profilieren der Reifen an zusammengebauten Radsätzen. Die besondere Eigenart der dabei“ verwandten Preßluftspanneinrichtung liegt darin, daß bei vollständiger Entlastung des Arbeiters das Spannen in sehr kurzer Zeit erfolgen kann. Durch die Kopplung der elektromechanischen Zentriervorrichtung mit der pneumatischen Spanneinrichtung arbeitet die Maschine als Halbautomat. Eduard Beckhäuser