Dortmund – der alte niederdeutsche Name Dörpen kommt auch in der ländlichen Umgangssprache immer mehr aus der Übung – am Hellweg, der alten Verbindungsstraße zwischen Rhein und Weser gelegen, die östlichste der sechs großen Städte des Ruhrgebietes, ist heute die Stadt, die die größte. Rohstahl- und Kohlenproduktion in ihren Mauern vereinigt. Im Stadtbereich selbst liegen, dem Norden, zugewandt, noch große, unerschlossene Kohlenfelder, die auf Jahrzehnte hinaus einen lohnenden Abbau ermöglichen.

Als Dortmund aus dem geruhsamen Dasein einer westfälischen Ackerbürgerstadt durch die Kohlenfunde jäh aufgeschreckt wurde, kam mit der eisenschaffenden Industrie in den siebziger Jahren auch die eisenverarbeitende Industrie nach Dortmund. Zunächst nur als am Ort ansässige Zulieferindustrien für den großen Maschinen- und Ausrüstungsbedarf der Zechen und Hüttenwerke gedacht, erlangten diese Betriebe im Verlauf der weiteren Entwicklung eine über den ursprünglichen Bereich weit hinausgehende Bedeutung. Was für die Dortmunder Montanindustrie, insbesondere für die Stahlwerke, der Hafen, das ist für die eisenverarbeitende Industrie Dortmunds die enge örtliche und teilweise auch personelle Verbindung mit den Stahlwerken.

60 v. H. der Hersteller für Feld- und Industriebahnen haben ihren Sitz in Dortmund. Es handelt sich meistens um alteingesessene Firmen, die heute auch wieder im Export stark hervortreten. Von Bedeutung ist neben den Brückenbauern die Industrie für Panzerschränke und Stahlmöbel, die in bezug auf Verfeinerung des Ausgangsmaterials hochqualifizierte Produkte herstellt. Auch Firmen mit Stammsitz außerhalb Dortmunds haben, wie die Berliner Firma Orenstein & Koppel A. G., frühzeitig in Dortmund einen Ausgangspunkt für neue Entwicklungen gefunden, die nicht nur auf dem frachtgünstigen Bezug von Stahl basieren, sondern auch in der fleißigen Bevölkerung der Stadt eine gute Grundlage fanden.

Die Stadtverwaltung steht einer Entwicklung der Maschinenbauindustrie und überhaupt der eisenverarbeitenden Industrie freundlich gegenüber. Man sieht in der Mischung verschiedener Industrien mit Recht eine größere Sicherheit gegen Krisenanfälligkeit. Der Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung ist in Dortmund besonders hoch; er liegt bei etwa 62 v. H. Davon entfallen zwar nur 10 v. H. auf die eisenverarbeitende Industrie, doch hat sich diese Industrie durch ihre mannigfaltige Gliederung und Qualitätsleistung eine hervorragende Stellung geschaffen.

Es ist für Dortmund wie für die Bundesrepublik eine Lebensfrage, zu immer weitergehender Veredelung von Eisen und Stahl zu kommen. Je größer die Wertschaffung durch Verfeinern und Verarbeiten, um so höher kann auch der Lebensstandard der Bevölkerung sein. Man soll sich hierin durch eine im Augenblick teilweise aus politischen Gründen gegebene unterschiedliche Entwicklung des Lohnniveaus bei der Stahlerzeugung und der Stahl Verarbeitung nicht täuschen lassen. Mit allen Mitteln muß eine Verbesserung der Betriebsausrüstungen in der stahlverarbeitenden Industrie erreicht werden, um den Vorsprung des Auslandes aufzuholen. Gerhard Elkmann