In allen Teilen der Welt kennt man Dortmunder Eisen und Bier, Dortmunder Schienen und Weichen, Draht und Ketten, Eisen- und Feldbahnen, Trecker und Fahrzeuge. Die Dortmunder Maschinen genießen Weltruf, und in fast allen Ländern der Erde sieht man Brücken und Stahlkonstruktionen aus dieser Stadt. Der Bergmann aller Reviere schätzt Dortmunder Grubenausrüstungen. Auf jedem Kontinent zeugen Großbauten, wie Hafenanlagen, Schleusen, Flugplätze, vollständige Werke der chemischen Industrie und der Kohleaufbereitung von der Leistungskraft der Dortmunder Wirtschaft. Während in anderen Teilen des Bundesgebietes eine Vielzahl vor allem auch mittlerer und kleiner Betriebe am Export beteiligt ist, sind es hier kaum mehr als 100 Firmen, die mit ihren Erzeugnissen den Ruf Dortmunds in alle Welt tragen. Aus ihrer Reihe ragen einige große und mittlere Betriebe heraus, deren Produktion in Dortmund einen unverkennbaren Schwerpunkt besitzt. Außer den Brücken, dem Bier, den Werkzeugmaschinen und den Helfern der Grundstoffindustrien sind die Dortmunder Hütten- und Eisenwerke, die 25 v. H. des Rohstahls der Bundesrepublik produzieren, überall wohlbekannt als zuverlässige Lieferanten von Qualitätsblechen, -stählen und -profilen, von Eisenbahnmaterial, Schmiedestücken und Stahlgußteilen für alle Zwecke.

Eine weitere stark auf den Export ausgerichtete Gruppe stellen die Draht- und Kettenwerke dar, deren bedeutende Betriebe in Dortmund und dennoch zur Industrie- und Handelskammer zu Dortmund gehörenden Nachbarbezirken ansässig sind. Daneben gibt es eine Anzahl von Firmen, deren spezielle Erzeugnisse Weltruf besitzen, wie Geldschränke, Stahlmöbel, Schweißmaschinen, Maschinen für die Getränkeindustrie.

Die Werksanlagen der im internationalen Handelsverkehr tätigen Dortmunder Industrieunternehmen sind durchweg sehr großflächig, sie reichen teilweise bis in das Stadtgebiet hinein. Daher wurden eine große Anzahl solcher Betriebe durch die sehr schweren Luftangriffe auf Dortmund im letzten Weltkrieg fast völlig zerstört. Dazu kommt, daß viele von ihnen durch Demontagen ganz oder teilweise ausgelöscht, durch Entflechtungsvorschriften geschwächt und durch Herstellungsverbote sowie Produktionsbeschränkungen lahmgelegt wurden. Andere wiederum haben durch den Eisernen Vorhang Zweigwerke, Lieferbetriebe und Abnehmer und damit ihren organisch gewachsenen Verbund verloren. Während der Export zu den Ost- und Südoststaaten, der früher gerade von Dortmund aus sehr stark war, aufhörte, war eine Ausfuhr in die westlichen Länder erst 1947 in kleinstem Umfang möglich.

Wenn dennoch – begünstigt von der Aufrüstung in der Welt – 1951 bereits Waren im Werte von 14,5 Mrd. DM exportiert und der Einfuhrüberschuß auf ein Minimum reduziert wurde, so hat zu diesem neuen „deutschen Wunder“ die Industrie Dortmunds einen beachtlichen Beitrag geleistet. Die direkte Ausfuhr der wichtigsten Industrien im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund betrug 1951 mehr als 250 Mill. DM. Hinzu kommen noch die Kohlenexporte sowie die an auswärtige Exporteure gelieferten Waren. Die wirkliche Beteiligung der Dortmunder Wirtschaft an Auslandslieferungen ist ziffernmäßig gar nicht zu erfassen, da naturgemäß die Grundstoff- und eisenverarbeitende Industrie der Stadt in großem Umfang als Zulieferer für Auslandsaufträge anderer Bezirke und Branchen – wie etwa Schiffbau – in Anspruch genommen wird.

Die direkten Ausfuhrziffern des Bezirkes sind wesentlich rascher angestiegen als im Bundesgebiet oder im Land Nordrhein-Westfalen. Während sich die Ausfuhr der Bundesrepublik von 1948 auf 1949 und 1950 etwa verdoppelte und in Nordrhein-Westfalen von 1949 auf 1950 um 75 v. H. anstieg, vermehrte sie sich im Kammerbezirk je um das Dreifache. Sie konnte aber 1951 nur noch um 50 v. H. gesteigert werden und blieb damit in diesem Jahre etwas hinter der allgemeinen Entwicklung zurück, die in der Bundesrepublik eine Steigerung gegenüber 1950 von etwa 75 v. H. zeigte. Wenn man aber bedenkt, daß aus dem Kammerbezirk Dortmund 1951 immerhin 4 1/2mal soviel exportiert wurde wie 1949 und daß der Monatsdurchschnitt 1951 das elf fache der im Monat Januar 1949 erreichten Ausfuhr ausmachte, 90 zeigt dieser erfreuliche Aufschwung die Exportfreudigkeit der Unternehmungen dieses Bezirkes.

Das nachstehende Schaubild veranschaulicht diese Entwicklung.

Die Exportkurve hätte sicherlich ihren bisherigen Steigerungsgrad beibehalten, wenn dies nicht durch Rohstoffmangel und sonstige Erschwerungen verhindert wäre. Nachdem die Hüttenwerke für die Beschaffung amerikanischer Kohle, für mandatorische Aufträge der Besatzungsmächte und für Sonderprogramme beträchtliche Mengen ihrer Stahl- und Eisenproduktion abzweigen mußten, hielten ihre Zulieferungen an die weiterverarbeitende Industrie nicht mehr mit deren wachsendem Bedarf Schritt. Es zeigten sich immer deutlicher die schädlichen Auswirkungen der alliierten Produktionsbegrenzungen und Demontagen modernster Anlagen, wie z. B. der August-Thyssen-Hütte und der 5-m-Grobblechstraße der Dortmund-Hörder Hüttenunion AG. Die daraus folgenden längeren Lieferfristen erschwerten den Auslandsabsatz fast aller Produkte des Dortmunder Raumes. Auch die seit Ende 1950 einsetzenden Erhöhungen der Kohle- und Eisenpreise, Löhne und Frachten, machten den Wettbewerb auf dem Weltmarkt immer schwieriger.