In diesen Wochen, so kommt die Kunde aus der französischen Zone, erging eine Reihe von Stellungsbefehlen der französischen Armee an junge Deutsche, deren Eltern nach 1919 aus dem an Frankreich abgetretenen Elsaß-Lothringen „ins Reich“ übersiedelten, weil sie Deutsche bleiben wollten. Manche der Betroffenen zogen es vor, die französische Zone zu verlassen.

Was geht hier vor? Jene deutschen Familien erhielten bei der Abtretung ihrer Heimat an Frankreich automatisch die französische Staatsangehörigkeit, wenn sie sich nicht sofort dazu entschlossen hatten, alles im Stich zu lassen und auszuwandern. Als sie dann doch nach Deutschland übersiedelten und die deutsche Staatsangehörigkeit erwarben, blieben sie nach französischer Rechtsauffassung Franzosen – ob sie wollten oder nicht. Und ihre in Deutschland geborenen Kinder erbten – per jus sanguinis – die fremde Staatsangehörigkeit neben der deutschen.

Die Frage der Staatszugehörigkeit war auch zwischen den beiden: Weltkriegen häufig Gegenstand komplizierter Rechtsstreitigkeiten. Und man kann gewiß nicht erwarten, daß heute schon, wie es vor dem Kriege der Fall war, die Frage der Einberufung dieser Personen zum Militärdienst durch einen zwischenstaatlichen Vertrag gelöst ist. Aber man sollte eigentlich damit rechnen dürfen, daß die französische Willkür auf deutschem Boden angesichts der kommenden Gleichberechtigung endlich einer psychologisch und völkerrechtlich einwandfreien Politik Raum gibt. Bst