In den Vereinigten Staaten läuft der Kampf um die Präsidentenwahl nur langsam an. Einstweilen geht er hauptsächlich um innerpolitische Fragen. Das kommt der Stetigkeit der amerikanischen Außenpolitik zugute. Die Erfolge der Lissabonner Konferenz, die Staatssekretär Acheson bekanntgab, haben seine Stellung gefestigt. Er bezeichnete es als die wichtigste Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik, Deutschland in den Kreis der westlichen Mächte zurückzuführen. Auch im Fernen Osten wurde eine Phase der Nachkriegspolitik abgeschlossen. In Tokio wurde das Abkommen unterzeichnet, nach dem amerikanische Truppen „in jeder benötigten Stärke“ in Japan stationiert werden können.

Die Sowjetunion versteifte weiter ihre Haltung gegenüber dem Westen. Auf ihren Einfluß ist es zurückzuführen, daß die Waffenstillstands-Verhandlungen in Panmunjon auf einem toten Punkt angelangt sind. Die Kommunisten verlangen, daß die Sowjetunion dem internationalen Ausschuß zur Überwachung des Waffenstillstandes angehören soll. Die UNO-Verhandler lehnen dies strikt ab. Auch sonst werden die Kommunisten in Ostasien aktiv. In Malaya begannen sie in Südperak eine neue Kampagne, die die Mitte zwischen Terror und Propadanda hält. In Hongkong starteten sie Unruhen, auf die die englische Polizei nicht vorbereitet war. In Vietnam war der Druck ihrer Streitkräfte so stark, daß die Franzosen den Stützpunkt Hoabinh räumen mußten.

Auch in Europa verschärft sich der Gegensatz zwischen den Sowjets und dem Westen. In Wien stellte der amerikanische stellvertretende Kommissar Walter A. Dowling fest, die Beziehungen zwischen den vier Besatzungsmächten seien nie so schlecht gewesen wie, heute. In Lissabon haben die NATO-Mächte beschlossen, in ihren Staaten die Bewegungsfreiheit der Ostblock – Diplomaten drastisch einzuschränken.

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Das englische Parlament setzte die außenpolitische Debatte fort, die durch den Tod des Königs unterbrochen worden war, Attlee und Morrison warfen Churchill vor, er habe in Amerika zu weitgehende Verpflichtungen für den Fall eines Wiederauflebens des koreanischen Krieges übernommen. Churchill erwiderte darauf, es gäbe ein Geheimabkommen mit Präsident Truman, in dem sich Attlee verpflichtet habe, notfalls der Bombardierung chinesischer Flugplätze zuzustimmen. Auch sei es falsch, ihm vorzuwerfen, er sei ein Kriegshetzer. Vielmehr habe die Regierung Attlee seit Jahren heimlich die Herstellung von Atombomben betrieben, deren erste jetzt fertiggestellt sei. Durch diese Angriffe gelang es Churchill, die Kluft zwischen dem> linken Flügel der Labourpartei unter Bevan und dem rechten unter Attlee und Morrison zu vergrößern. Doch zeigte sich die gleiche Partei wenige Tage später unerwartet einig gegenüber kommunistischen Versuchen, das englische Wirtschaftsleben zu stören. Der National Congress of Labour, die höchste Instanz der britischen Arbeiterbewegung, erließ eine Warnung, die sich gegen politische Streiks richtet.

Zwei Kabinette traten in der vergangenen Woche zurück, das französische Kabinett Faure, weil es in der Finanzdebatte über eine geforderte fünfzehnprozentige Steuererhöhung in die Minderheit geriet, und das ägyptische Kabinett Maher Pascha, dem es während seines einmonatigen Bestehens gelungen war, die Beziehungen zu England zu normalisieren. Der Rücktritt des ägyptischen Ministerpräsidenten erfolgte aus innerpolitischen Gründen. Er hatte sich geweigert, gegen ehemalige dem Wafd angehörige Minister .vorzugehen und das Parlament für einen Monat zu beurlauben. Sein Nachfolger ist der unabhängige ehemalige Wafdist Naguib el Hilali Pascha.

Deutschland feierte die Rückgabe Helgolands als ein Symbol für die zukünftige Rückgabe weiterer entrissener oder künstlich entfremdeter Gebiete. Am gleichen Tage schickte die Bundesregierung eine Note an den Europa-Rat mit dem Vorschlag, die demokratischen Grundfreiheiten an der Saar auf Grund der internationalen Vereinbarungen wiederherzustellen. In Bonn konnte Finanzminister Schäffer zwei Erfolge verzeichnen. Die USA, Großbritannien und Frankreich haben seinen Kompromißvorschlag angenommen, wonach die Bundesrepublik für ein „NATO-Jahr“ 10,2 Milliarden DM Wehrbeitrag zahlen soll. Für das Haushaltsjahr 1952/53 wird dies vermutlich 6,2 Milliarden DM ausmachen. Für das kommende Haushaltsjahr haben die USA eine Dollaranleihe in Aussicht gestellt. Weiter gelang es Finanzminister Schäffer, im Bundesrat durchzusetzen, daß seine Forderung, den Anteil des Bundes an der Einkommen- und Körperschaftsteuer von 27 auf 40 v. H. zu erhöhen, nicht grundsätzlich verworfen wurde, sondern einer Prüfung unterzogen werden soll. Geht sein Verlangen durch, würde die Stellung des Bundes gegenüber den Ländern erheblich gestärkt werden.