Kleine Erinnerungen aus der Dortmunder Wirtschaftsgeschichte

Von Erich Grisar

Als in Zeiten großer Fehde den Dortmunder Schmieden in der belagerten Stadt die Kohlen ausgingen, machten sie einen Ausfall ins Emschertal, um sich hundert Malter der dort zutage tretenden Kohle zu holen. Von solcher Tüchtigkeit der Dortmunder Schmiede erzählt bereits eine Urkunde des Jahres 1302. Dortmunder Schmiede aber waren es auch, welche die drei Eisenkäfige bauten, in denen die Stadt Münster 1534 die Leichen der hingerichteten Wiedertäufer hoch oben am Lambertiturm zur Schau stellte. Die Wiedertäufer wurden von den Raben gefressen, die drei Käfige hängen heute noch an ihrem Platz und bekunden den guten Ruf Dortmunder Handwerksarbeit.

Aber dennoch, der richtige Schwung kam erst, als Anfang des vorigen Jahrhunderts Fritz Harkort auf der Burg Wetter anfing, Dampfmaschinen zu bauen. Er baute auch gleich eine Schienenbahn und erbrachte den Nachweis, daß man auf solchen Eisenwegen leichter vorankäme als auf den damals meist noch schlechten Landstraßen. 1827 kaufte Harkort sich in Hombruch einen Wald mit einer Ölmühle, die er später zu einer Kesselschmiede ausbaute. Harkort baute auch das erste Dampfschiff Westfalens, das er. selbst über Rhein und Nordsee nach Minden brachte; aber viel Glück hat er bei all seinen Unternehmungen nicht gehabt, so daß er am Ende seines Lebens froh war, wenigstens den Besitz in Hombruch gerettet zu haben. Dort besuchte Alfred Krupp ihn eines Tages, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: „Harkort, welch dummer Teufel bist du gewesen! Du hast uns gezeigt, wie es zu machen war, und wir haben es gekonnt!“

Nichts als Schwierigkeiten

Zu denen, die es gekonnt haben, gehört der Gründer der Hermannshütte in Hoerde, H. D. Piepenstock. Sein Vater hatte in Iserlohn eine Nadelfabrik betrieben und die Erzeugnisse seiner Arbeit selbst in der Kiepe herumgetragen. Mit dem Ertrag dieses Handels baute er sein Fabrikchen weiter aus. Nach seinem Tode erwarb sein Sohn in der Nähe Hohenlimburgs ein Eisensteinfeld, doch kam er nicht dazu, das hier gefundene Eisen selbst zu verhütten, da die Anlieger ihm das Wasserrecht verweigerten. So kam er auf den Gedanken, ein Werk in Hoerde zu errichten, wo er 1839 die zum Verkauf stehende Burg erwarb. Doch auch hier bereitete man ihm Schwierigkeiten. Die Gewerbepolizei wollte ihm zunächst nicht erlauben, daß er inmitten seines Werkes einen Dampfkessel aufstellte. Erst als er in einer Eingabe an die Regierung darauf hinwies, daß auf jedem Dampfschiff der Kessel inmitten des Schiffes stehe, bekam er die Erlaubnis, die er brauchte. Immerhin hatte sich der Bau des Werks so verzögert, daß er selbst bereits auf dem Sterbebette lag, als im Jahre 1842 der erste glühende Eisenstab durch die Walzen des neuen Werkes schoß, das in der Geschichte der Stahlgewinnung später von so großer Bedeutung wurde.

Um diese Zeit etwa sagte Dr. Müser aus Langendreer zu einem Freunde: „Mennst du, ick här noch Lust, de Buren de Grindköppe to kuräiern? Ick grave no Koalen!“ Er grub mit Glück, und jedesmal, wenn er irgendwo fündig wurde, zog er mit seinen zehn Kindern hinaus, um sich mit ihnen über den neuen Fund zu freuen. Das geschah so oft, daß der Kohlendoktor, wie man ihn nun nannte, bereits im Jahre 1856 den Grund zu einem der größten Unternehmen des Reviers, der Harpener Bergbau .A.G., legen konnte, die nach seinem Tode von seinem Sohne Robert geführt wurde.