SPORT DER ZEIT

Daß man siegreichen Olympiakämpfern einen ehrenden Empfang bei ihrer Rückkehr in die Heimat bereitet, ist selbstverständlich. Daß das Staatsoberhaupt, um das Interesse der Republik am Sport als einem wichtigen Erziehungsfaktor deutlich sichtbar. zu machen, besonders erfolgreichen Sportsleuten ein silbernes Lorbeerblatt als Zeichen der öffentlichen Anerkennung überreichen läßt, ist eine freundliche Geste, gegen die niemand etwas einwenden kann. Wenn aber diese Ehrungen überhandnehmen und neben den eigentlichen Sportverbänden nun bald fast jedes Ministerium seine „Orden“ verteilt, so beginnt’s lächerlich zu werden.

Da erfuhr man jüngst, daß der Bundesverkehrsminister eine „Ehrenmedaille“ für deutsche Motorsportler gestiftet hat, die im Inland und Ausland erfolgreich Rennen gefahren haben. Um der Sache eine besondere Note zu geben, wird diese Medaille in zwei Stufen verliehen, sozusagen „Eichenlaub“ und „Eichenlaub mit Schwertern“. Welche Gesichtspunkte für die Verleihung der „ersten Klasse“ und welche für die „zweite ohne“ maßgebend sind, hörte man nicht. Das ist auch kein Schaden, denn der Fall ist so wichtig nicht.

Mit Orden ist’s ja überhaupt ein eigen Ding. Man weiß seit jeher, daß es „erdiente“ (das waren die seltensten), „erdienerte“ und „erdinierte“ gab. Und die Meinungen über den Wert oder den Unwert von Orden richtet sich bei den einzelnen Menschen meist danach, ob der Betreffende Aussicht hat, auch einmal ausgezeichnet zu werden oder nicht. Nichts gegen Sportauszeichnungen an sich! Aber Ordensinflationen führen dazu, daß die Auszeichnungen an Beachtung verlieren, zumal dann, wenn die Ordensträger sich mit ihnen „wichtig tun“ und die Leute glauben machen wollen, der Sieg eines Boxers, der Turniererfolg eines Tennisspielers, der Triumph eines Reiters, Ruderers, Schwimmers, Autofahrers habe irgendeine Wirkung auf das politische Ansehen unseres Vaterlandes. Niemand wird sich wegen eines gut angebrachten Boxschlages, einer geschickt gesprungenen Hürde oder eines besonders schnellen Vierhundertmeterschwimmens länger aufregen als einen Moment und etwa Folgerungen daraus ziehen, die nun der Gesamtheit der Nation irgendwie von Vorteil sein dürften.

Sportorden sind an sich nichts Neues. Schweden. besitzt schon seit über vierzig Jahren einen solchen Orden, der übrigens im kaiserlichen Deutschland einmal als Modell für eine sportliche Auszeichnung hatte dienen sollen. Doch damals hatte man noch kein rechtes Verhältnis zum Sport; später entstand zunächst das deutsche „Sportabzeichen“, das insofern wirklich etwas wert war, als man es sich nur durch wahre Leistungen erwerben konnte. Hitler stiftete dann zur XI. Olympiade einen eigenen Olympischen Orden, dessen eine Klasse sogar „zum Halse heraus“ getragen wurde und auf dem Jahrmarkt der internationalen Eitelkeiten hoch im Kurse stand. Bis auf wenige Ausnahmen war diese Klasse wirklich nur „erdiniert“. Die meisten erwarben sich ihn beim Sturm auf die Kalten Büfetts der zahllosen Berliner Festlichkeiten. Anstatt eines Ordens verleihen manche Länder besonders schön klingende Titel. So kennt man in der Sowjetunion und in der Ostzone offiziell den „Meister des Sports“. Für solche Sportler, die sich noch besonders auszeichnen, und für Funktionäre, „die sich um die Entwicklung der demokratischen Sportbewegung verdient gemacht haben“, gibt es sogar den Titel „Verdienter Meister des Sports“. Das ist dann das Non plus ultra.

Fallen wir also nicht auch in den Fehler der Übertreibung! Belassen wir es bei dem Silbernen Lorbeerblatt des Bundespräsideten, bei den Meisterschaftsplaketten der einzelnen Sportverbände und dem schönen alten „Deutschen Sportabzeichen“, um das sich hoffentlich immer mehr Frauen und Männer bewerben werden. Und sorgen wir dafür, daß mit den Privatbelustigungen und Privatauszeichnungen aller möglichen Minister, Städte und Organisationen schnellstens ein Ende gemacht wird. Kehren wir auch hier zur Bescheidenheit zurück und treiben wir Sport und auch Wettkampfsport nur um ihrer selbst willen!

Walther Kleffel