Untersuchung der Gründe, warum ein Schwankbuch Best-Seller wurde

Von Christian E. Lewalter

Giovannino Guareschi: Don Camillo und Peppone Roman (Otto Müller Verlag, Salzburg, 324 S., 38 Federzeichnungen res Autors, Leinen DM 12,–).

Es gibt Leute, die meinen, man könne Best-Seller heute mit Vorbedacht herstellen, nach Rezept. Aber noch liegt die Serienfabrikation im weiten Feld, und jeder Best-Seller ist ein Modell. Die meisten Bucherfolge großen Ausmaßes sind Überraschungen für Autor und Verleger. Das kaufende Publikum bleibt unberechenbar. Immer wieder entzieht es sich den Direktiven der Prospekte und der Kritiken, wendet seine Gunst Außenseitern zu und schlägt allen literarischen Maßstäben ein Schnippchen.

Die Kritik, normalerweise ein Vorspann, hat in solchen Fällen ganz wörtlich das „Nachsehen“. Es bleibt ihr nichts, als den ins Astronomische enteilenden Auflageziffern einen Seufzer über die eigene Ohnmacht hinterherzuschicken und dabei entweder (das ist die Versuchung) höhnisch zu lächeln oder (das ist der Weg der Einsicht) die Frage zu stellen, welche Motive hier denn wohl bei dem kaufenden Publikum am Werke waren. So kommt sie, von Tatsachen belehrt, vielleicht zu einer treffenden Marktanalyse und am Ende gar zu Erkenntnissen über die seelische und geistige Grundstimmung ihrer lesenden Zeitgenossen.

Der ungewöhnlich große, langsam, aber unaufhaltsam steigende, nur noch mit Ernst v. Salomons „Fragebogen“ vergleichbare Verkaufserfolg von Guareschis italienischem Schelmenroman „Don Camillo und Peppone“ fordert zu solcher Betrachtung geradezu heraus. Denn es kann nicht ganz von ungefähr sein, daß dies vergnügliche, drastische, sympathische und mit brillantem Witz erzählte Schwankbuch so manchem anderen, das nicht minder vergnüglich, drastisch, sympathisch und witzig ist, den Rang abläuft – Thurber zum Beispiel oder Marcel Aymé oder J. B. Priestley oder Joseph Wechsberg. Und zwar nicht etwa nur bei der sogenannten „breiten Masse“, sondern gerade auch bei denen, die Ansprüche zu stellen gewohnt sind (und sie bei Guareschi auch erfüllt finden). Der Professor, und die Waschfrau (diese so oft, und noch zuletzt von Alfred Kerr, unterschiedenen zwei Hauptkategorien von Lesern) – beide sind gleichermaßen entzückt. Und wenn dieser ungewöhnliche Fall eintritt, muß das seine unliterarischen Gründe haben.