Johannes Pfeiffer: Wege zur Dichtung. Eine Einführung in die Kunst des Lesens (Friedrich Wittig Verlag, Hamburg; 140 S., Leinen 5,80 DM).

Johannes Pfeiffer, seit seiner Schrift „Umgang mit Dichtung“ einem ernsthaften Leserkreis vertraut, legt eine Sammlung von fünfzig Interpretationen deutscher Gedichte vor. Der Bogen spannt sich vom Barock bis zur Moderne, von Paul Fleming bis zu Gottfried Benn. Die Deutungen werden von grundsätzlichen und zusammenfassenden Überlegungen (etwa über Rhythmus und Metrum, zum Bild und Gleichnis, Stil und Gestalt) unterbrochen. So macht sich Pfeiffer auch hier wieder zum Anwalt einer Besinnung. Denn: „Die Dichtung ist nicht für die Literaturwissenschaft, sondern die Literaturwissenschaft ist für die Dichtung da; das Kunstwerk „darf nicht verdorren zum Objekt methodischer Übungen, die um ihrer selbst willen betrieben werden.“

Es gehört zum Paradoxen unserer Gegenwart, daß sie wie keine andere der Anleitung zu rechtem Lesen bedarf, weil alle „Andacht zum Kleinen“ völlig verkümmert ist und weil fragwürdiger Lesestoff täglich ein Vielfaches der Zeit beanspruchen darf, die man für die kleinsten Sprachschöpfungen nicht opfern möchte. H. Henning